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Die Sonne lacht über Federer

Der Schweizer setzt Rasen-Regentschaft in Halle fort / 6:3, 6:4-Finalsieg gegen Kohlschreiber

VON JÖRG FRITZ
16.06.2008 | Stand 17.06.2008, 07:59 Uhr

Halle. Auch der seit vier Jahren erfolgreichste Tennisspieler der Welt kann sich noch über Siege freuen. Roger Federer reißt für seine Verhältnisse enthusiastisch die Arme hoch, nachdem sein Haller Finalgegner Philipp Kohlschreiber den Ball ins Netz gedroschen hatte.

In diesen Sekunden wird dem 26 Jahre alten Schweizer bewusst, dass er guten Gewissens nach Wimbledon fahren kann, um dort an der Church Road seinen sechsten Titel einzufahren. Federer, der vor den Gerry Weber Open in diesem Jahr lediglich das Sandplatzturnier in Estoril gewonnen hatte, überzeugte in Halle mit einer spielerischen Leichtigkeit, gegen die auch Kohlschreiber machtlos war.

Wie bei seinem zweiten GWO-Titel 2004 gab der Basler nicht einen einzigen Satz ab und blieb in 49 Spielen ohne Break. "Das ist mir zuvor bei meinen 54 Titelgewinnen noch nicht passierte", staunte Federer über seinen eindrucksvollen Durchmarsch bei den Gerry Weber Open. Dass er im GWO-Endspiel seinen 59. Rasensieg in Folge erzielte, rundete die Federer-Gala in Halle nur ab.

Philipp Kohlschreiber sollte sich über seine erste Finalniederlage bei seiner dritten Endspielteilnahme überhaupt nicht grämen. Nach seinen enttäuschenden Ergebnissen in der Sandplatzsaison zeigte sich der Augsburger auf dem Haller Rasen bestens erholt und schaltete auf dem Weg ins Finale mit Tommy Haas, Robin Söderling und James Blake gleich drei Weltklassespieler hintereinander aus.

Dass der 24-Jährige gegen den Tenniskönig aus Basel letztlich ohne Satzgewinn blieb, lag an Federers eindrucksvoller Spielregie. Schubweise stellte er das Signal auf Aggressivität und dominierte vor allem bei langen Ballwechseln, die immer mit Fehlern Kohlschreibers endeten. Der erkannte die Überlegenheit Federers neidlos an. "Roger schlägt unglaubliche Bälle und schaut dabei immer so entspannt aus." Federer returnierte mit einem Lob: "Ich musste im zweiten Satz schon hart arbeiten, denn Philipp hat ansatzweise gezeigt, ein Weltklassespieler zu sein", zollte der Schweizer, der im Halbfinale mit Nicolas Kiefer (6:4, 6:1) schon einen Deutschen bezwungen hatte, seinem Endspielteilnehmer ein großes Kompliment.

Für den Sieger war die Genugtuung groß, "nach der kurzen Umstellung von Sand auf Rasen derart solide gespielt zu haben." Gedanklich war Federer schon bei der Siegerehrung in Wimbledon. "Es war ein gutes Omen hier in Wimbledon, ähhh, Halle, zu gewinnen, dem Wimbledon von Deutschland", lautete sein lustiger Versprecher. Auch Rafael Nadal ist für Wimbledon bestens gerüstet. Der Spanier gewann das Queens-Turnier 7:6 (6), 7:5 gegen Novak Djokovic.

Während Federer mit großen Hoffnungen zur Church Road fährt, blickt Kohlschreiber weniger euphorisch in Blickrichtung England. "Ich rechne mir dort gar nichts aus", meinte der 24-Jährige. "Dort regnet es häufig, die Rasenplätze sind langsamer und die Unterstützung der deutschen Fans wird mir fehlen", glaubt Kohlschreiber, der sich jetzt einige Tage Ruhe gönnt und am Freitag nach London fliegt.

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