Nur wenige Frauen trainieren eine Mannschaft

Im Leistungssport sind etwa 90 Prozent der Coaches männlich

VON ANNE-LENA JASCHINSKI
Die Duisburger Trainerin Martina Voss-Tecklenburg (r.) gratuliert nach dem DFB-Pokal 2010 der Matchwinnerin Annike Krahn nach dem 1:0-Sieg gegen Jena und dem Pokalgewinn. Im Training geht es auch manchmal rauer zu. - © FOTO: DPA
Die Duisburger Trainerin Martina Voss-Tecklenburg (r.) gratuliert nach dem DFB-Pokal 2010 der Matchwinnerin Annike Krahn nach dem 1:0-Sieg gegen Jena und dem Pokalgewinn. Im Training geht es auch manchmal rauer zu. | © FOTO: DPA
Nur wenige Frauen trainieren ein Team - © SPORT
Nur wenige Frauen trainieren ein Team | © SPORT

Bielefeld. Frauen können Bundeskanzlerin werden, Frauen können Chef werden, in vielen Unternehmen gibt es sogar eine Frauenquote. Nur im Sport scheint die Gleichberechtigung zumindest in einem Punkt nicht weit fortgeschritten zu sein. Das Vorurteil "Trainieren ist Männersache" lastet immer noch schwer.

Dabei können Frauen genau so erfolgreich trainieren wie Männer. "Sie stellen im deutschen Sport nur eine Minderheit dar", sagt der Bielefelder Sportwissenschaftler Professor Klaus Cachay. 2003 stellte er eine Studie über die Unterrepräsentanz von Trainerinnen im Spitzensport vor. "Die Ergebnisse sind sicherlich heute noch aktuell: Im Leistungssport sind etwa 90 Prozent der Trainer männlich und nur 10 Prozent weiblich." Wenn überhaupt, treten Frauen als Trainer eher im Breitensport oder im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit auf.

Die Zahlen der Trainerinnen variieren in den unterschiedlichen Sportarten erheblich. Bei den typischen Frauensportarten, wie die rhythmische Sportgymnastik oder das Synchronschwimmen, sind männliche Trainer natürlich Mangelware. Dagegen beweisen Exoten, wie die Bundestrainerin der Fußball-Frauen, Silvia Neid, oder Renate Wolf, die beim Handball-Bundesligisten TSV Bayer 04 Leverkusen nicht nur Trainerin der Damenmannschaft, sondern auch Geschäftsführerin des Vereins ist, dass sich Karriere und Privatleben vereinbaren lassen.

Information

Allein unter Männern

Zu den wenigen Frauen, die sich im Fußballsport einen Namen gemacht haben, zählt auch Katja Kraus. Die ehemalige Nationalspielerin bekleidet die Position des 2. Vorstandsvorsitzenden beim Bundesligisten Hamburger SV – und ist damit die erste Vorstandsfrau im deutschen Fußball.

Zu ihren weiteren Aufgaben gehören die Bereiche Kommunikation und Marketing. Als Nationaltorhüterin wurde Kraus zwischen 1995 und 1997 in sieben Spielen eingesetzt. 1995 wurde sie Vize-Weltmeisterin. (aj)

Nur zwei Frauen-Bundesligisten von Frauen trainiert

Damit sich die Frauenquote ändert, muss zunächst das Denken bei den Aktiven verändert werden. "Vielen Sportlerinnen ist die Möglichkeit, selbst einen Trainerschein zu machen, gar nicht bewusst", sagt Wissenschaftler Cachay. Im Frauen-Fußball, der in den vergangenen Jahren immer populärer wurde, scheint die Trainerinbewegung langsam in Gang zu kommen. Von den 12 Bundesligisten werden immerhin zwei Teams von Frauen trainiert.

Die ehemalige Fußball-Nationalspielerin Martina Voss-Tecklenburg, die seit 2008 Trainerin beim FCR 2001 Duisburg ist, zeigt auch außerhalb des Platzes Engagement für ihren Sport: Sie ist Chefredakteurin des Frauenfußball-Magazins FF. Doreen Meier coacht die Damen-Mannschaft von Bayer Leverkusen. Bis Oktober wurde auch der SV Herford von einer Frau trainiert. Nach 0 Punkten nach dem neunten Spieltag der Hinrunde musste Tanja Schulte allerdings Jürgen Prüfer Platz machen.

Neben der kleinen Gruppe der Frauen, die überhaupt außerhalb des Hobby-Bereichs trainieren, gibt es die noch kleinere Gruppe der Frauen, die eine Herrenmannschaft betreuen. So wie Anne-Kathrin Schade. Die ehemalige Volleyball-Nationalspielerin trainiert die Herrenmannschaft des Telekom Post SV in Bielefeld. Die 42-Jährige kam aus Zufall zu ihrem Trainerjob, als sie nach Melle zog.

"Kein Lari-Fari-Training"

Weil sie sich fit halten wollte, bot ihr ein Freund, der beim SV spielte, an, in einer Hobby-Mannschaft zu spielen. "Die 1. Herren-Mannschaft hatte damals, vier Wochen vor der Relegation zur Regionalliga, keinen Trainer und fragten mich, ob ich einspringen könnte", erinnert sich Schade.

Mittlerweile bestreiten die Herren ihre fünfte Saison mit der Inhaberin des Trainerscheins A. Und profitieren von ihren Erfahrungen. "Bei mir gibt es kein Lari-Fari-Training", sagt Schade. Sie könne sich genauso gut wie ein Mann durchsetzen und werde auch gleichermaßen respektiert. Ein wenig anders ist das Training bei einer Frau aber schon, gibt ein Spieler von Schade zu. Nur inwiefern, kann er nicht genau sagen. "Vielleicht ist sie nicht so laut wie ein Mann?" In jedem Fall schätzen sich die Herren glücklich "ihre" Anne-Kathrin zu haben. "Ob der Trainer Frau oder Mann ist, ist uns egal."

Copyright © Neue Westfälische 2018
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group