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Clemens Tönnies - © Foto: Ina Fassbender
Lässt sein Amt nach seinen kritisierten Äußerungen über Afrika ruhen: Schalkes Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Tönnies. | © Foto: Ina Fassbender

Rassismus-Vorwurf Diskriminierung, aber kein Rassismus: Schalke-Chef Tönnies darf im Amt bleiben

Wie der FC Schalke 04 mitteilt, sei Tönnies vorzuwerfen, gegen das Diskriminierungsverbot verstoßen zu haben. Der Vorwurf des Rassismus sei unbegründet.

07.08.2019 | Stand 07.08.2019, 17:51 Uhr

Gelsenkirchen (dpa). Trotz seiner harsch kritisierten Aussagen über Afrikaner und des daraus resultierenden Rassismus-Vorwurfs darf der Schalker Aufsichtsratschef Clemens Tönnies weitermachen. Der 63 Jahre alte Unternehmer werde sein Amt für drei Monate ruhen lassen und danach seine Tätigkeit im Aufsichtsrat wieder aufnehmen, teilte der Fußball-Bundesligist aus Gelsenkirchen in der Nacht zu Mittwoch nach einer mehrstündigen Sitzung des Ehrenrates mit. Zuvor war über einen möglichen Rücktritt oder auch eine Amtsenthebung spekuliert worden. Das Gremium kam jedoch zu dem Ergebnis, „dass der gegen den Aufsichtsratsvorsitzenden des S04, Clemens Tönnies, erhobene Vorwurf des Rassismus unbegründet ist", wie es in der Mitteilung hieß. Vorzuwerfen sei ihm jedoch, „gegen das in der Vereinssatzung und im Leitbild verankerte Diskriminierungsverbot verstoßen zu haben", teilten die Schalker in der Erklärung weiter mit. Tönnies hatte beim Tag des Handwerks in Paderborn in der Vorwoche Steuererhöhungen im Kampf gegen den Klimawandel kritisiert. Stattdessen solle man lieber jährlich 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren. „Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren", sagte Tönnies. Schalke selbst wirbt mit "Roter Karte" für Rassismus Im von Tönnies mit entwickelten Leitbild der Schalker heißt es unter anderem: „Von uns Schalkern geht keine Diskriminierung oder Gewalt aus. Wir zeigen Rassismus die Rote Karte und setzen uns aktiv für Toleranz und Fairness ein." Tönnies habe den Verstoß eingeräumt „und ein weiteres Mal sein Bedauern zum Ausdruck gebracht". Der Ehrenrat begrüße die Haltung und nehme „beide Erklärungen zustimmend zur Kenntnis", hieß es weiter. Schon vor der Entscheidung hatte der Persönliche Afrikabeauftragte von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Günter Nooke (CDU), eine ehrliche Debatte zu dem Thema gefordert. „Die von Tönnies angesprochenen Probleme wie das Verschwinden des Regenwalds und das Bevölkerungswachstum auf dem afrikanischen Kontinent sind real und darüber muss gesprochen und gegebenenfalls kontrovers diskutiert werden", sagte Nooke unserer Redaktion und betonte: „Leider erschweren Sätze wie die von Herrn Tönnies jede konstruktive Diskussion. Wir müssen uns alle um eine angemessene Sprache bemühen. Jeder sollte sich mit Respekt behandelt fühlen." "Das ist schlichtweg indiskutabel", kommentierte Ralf Stegner die Aussage Tönnies ist seit 2001 Aufsichtsratschef des FC Schalke 04 und war erst vor wenigen Wochen von den Mitgliedern wiedergewählt worden. Zahlreiche Prominente aus Politik und Sport hatten Tönnies' verbalen Fehltritt kritisiert, andere wie Ex-Trainer Huub Stevens oder der frühere SPD-Chef Sigmar Gabriel dagegen nahmen Tönnies in Schutz. Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Ralf Stegner bezeichnete die Debatte über Tönnies und dessen Aussagen am Mittwoch als kurios. Er nannte die Äußerungen bei Twitter rassistisch und dumm. „Das ist schlichtweg indiskutabel und hat gar nichts mit Meinungsfreiheit zu tun. Für jemanden, der Führungsverantwortung trägt, ist ein solches Verhalten vollständig inakzeptabel", schrieb Stegner.

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