Niko Kovac - © Foto: Jan Woitas
Trainer Niko Kovac würde seinen Vertrag beim FC Bayern gerne erfüllen. | © Foto: Jan Woitas

Bundesliga-Finale FC Bayern und Kovac bereit für die Schale «dahoam»

16.05.2019 | Stand 16.05.2019, 15:26 Uhr

München - Bei Niko Kovac war von Nervenkitzel vor dem dramatischen Bundesliga-Finale keine Spur. Ein smartes Lächeln, ein freundliches «Grüß Gott» - und dann verwies der Trainer des FC Bayern nur zu gerne auf die komfortable Münchner Situation im Titelrennen.

«Wenn man um die Existenz kämpft und vieles zu verlieren hat, das ist wirklich Anspannung, der Druck ist unglaublich. Wer das erlebt hat, weiß, wie unmenschlich das ist», erinnerte der kroatische Coach an seine Erfahrung im Abstiegskampf. Und die ist für ihn keineswegs mit der Aussicht auf Weißbierduschen und die Meisterschale im Konfettiregen zum Schlussakt einer wilden Saison zu vergleichen.

«Das jetzt ist ein schönes Gefühl. Klar müssen wir auch Meister werden, aber das ist eine ganz andere Voraussetzung», sagte Kovac, der die Dauerdebatten um seine Zukunft als Bayern-Trainer im Fernduell mit Borussia Dortmund ausblenden will. Das seien «Nebensächlichkeiten», sagte der 47-Jährige. «Ich habe einen Vertrag, der nach dem Sommer noch zwei Jahre geht, und ich möchte den auch gerne erfüllen.»

Die Münchner sind im Double-Modus, die höchste Titelpflicht müssen sie am Samstag (15.30 Uhr) gegen Eintracht Frankfurt erfüllen. Eine Woche später soll dann Teil zwei im Berliner Pokalendspiel gegen RB Leipzig folgen. Eine außergewöhnliche Ära mit den Abschieden von Arjen Robben und Franck Ribéry möchte der deutsche Fußball-Rekordmeister standesgemäß beschließen - bloß kein Drama bei diesem «Finale dahoam».

«Die Jungs wollen zum siebten Mal Meister werden und den Spielern, die gehen, einen sehr schönen Abschied geben», sagte Kovac. Saisonbenotungen würden für ihn keine Rolle spielen. «Ob 1 oder 1+, das obliegt nicht mir. Das müssen andere machen. Wir müssen zusehen, dass wir jetzt über die Ziellinie kommen, dass wir Meister werden.»

Genau wie für BVB-Coach Lucien Favre geht es für Kovac an einem Tag mit erwarteten Gänsehaut-Momenten gegen den Ex-Club um die erstmalige Krönung als Meistertrainer. Was für ein Drehbuch der Bundesliga-Macher. «Ich bin froh, dass ich gegen meine alten Kameraden, meinen alten Club spielen kann», sagte Kovac.

Nach sechs Jahren großer Bayern-Dominanz und 10 bis 25 Punkten Vorsprung bringt das große Bundesliga-Finale längst vergessene Spannung mit sich. «Es wollte jeder eine spannende Bundesliga, die haben wir jetzt. Das ist das, was der Fußballfan sehen will, er kriegt es jetzt pur», sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Für die Borussia spricht nicht viel - aber wer hätte in der Champions League vor den Halbfinal-Rückspielen auch an ein Weiterkommen von Liverpool und Tottenham geglaubt?

Letztmals wurde die Meisterschaft vor zehn Jahren am letzten Spieltag entschieden. Drama pur brachten besonders die finalen Akte 2001 (im Fernduell gegen den Meister der Herzen FC Schalke) und 2000 (Leverkusens Blackout in Unterhaching). Kurios: Damals feierten die Bayern zuletzt «dahoam» den Titel, danach wurde die Schale immer auswärts klar gemacht. «Ich habe davon geträumt, einmal vor unseren eigenen Fans Meister zu werden», sagte Robert Lewandowski, der vor Torjägerkanone Nummer 4 steht. «Optimal ist es, wenn wir deutscher Meister werden und ich die Torjägerkanone hole.»

Ein Punkt reicht aufgrund der 17 Treffer besseren Tordifferenz auf den BVB, der bei Borussia Mönchengladbach auf Rückkehrer Marco Reus als großen Trumpf setzt. Auf das Remis wollen die Bayern gegen die Frankfurter Europa-League-Kämpfer aber nicht gehen. «Wir werden 90 Minuten auf Sieg spielen. Das werden wir klipp und klar vorgeben», betonte Kovac. Verzichten muss er auf Manuel Neuer nach einem Muskelfaserriss. Kovac hofft, dass der Nationaltorhüter im Pokalfinale wieder dabei ist.

Mit dem Szenario eines Scheiterns wollen sich die Münchner vor dem auch für Frankfurt und Gladbach im Kampf um die Champions League wichtigen Spieltag nicht befassen. Ohne Schale wär es aber eine «Scheiß-Saison», wie Sportdirektor Hasan Salihamidzic schon anmerkte.

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