Gelsenkirchen. Veltins-Arena die Zweitliga-Tabellenführung an den gastgebenden FC Schalke 04 abgeben. Die Königsblauen feierten in einem packenden Topspiel danke eines späten Joker-Tores von Bryan Lasme einen nicht unverdienten 2:1 (1:1)-Heimsieg gegen einen wackeren SCP, der trotz der zweiten Niederlage in Folge nicht enttäuschte, aber am Ende tief enttäuscht war.
„Der Sieg geht schon verdient an Schalke. Aber das ist für uns kein Beinbruch. Wir haben bei einem Topgegner verloren“, bilanzierte Ralf Kettemann. Paderborns Coach hatte sich im Vergleich zur 0:2-Heimniederlage gegen Hannover mit einer Startelfänderung begnügt. Calvin Brackelmann feierte sein Comeback. Für ihn musste aber kein Innenverteidiger, sondern Offensivakteur Sebastian Klaas auf die Bank. Die eine personelle Änderung war dadurch mit einigen Positionswechseln verbunden. Unter anderem rückte Mattes Hansen auf die rechte Außenbahn und der eigentlich dort beheimatete Laurin Curda in die Dreier-Offensivreihe.
Mit ihrer besonders ausgeprägten Aggressivität in den Anfangsphasen hatten die Schalker die Arena bei ihren bisherigen Heimspielen oft schon früh in einen Hexenkessel verwandelt. Diesmal herrschte dagegen zunächst Stille, denn die Fanszenen protestieren auch an diesem Wochenende bundesweit mit einem zwölfminütigen Stimmungsboykott gegen die Pläne der Innenminister.
Stimmungsboykott geht weiter: Fans des SC Paderborn schweigen auch auf Schalke
Pfeifkonzert nach VAR-Entscheid: Schiri nimmt Elfmeter zurück
Einmal wurde es jedoch richtig laut, denn nach zehn Minuten hallte ein gellendes Pfeifkonzert durchs Stadion. Schiedsrichter Tobias Reichel nahm nach VAR-Intervention einen Strafstoß für die Hausherren zurück. Brackelmann hatte den Schalker Stürmer Moussa Sylla von den Beinen geholt (8.). Doch da dies knapp außerhalb des Strafraums geschehen war, gab es keinen Elfmeter.
Zuvor hatte Filip Bilbija in einem temporeichen Spiel, in dem es sofort mächtig zur Sache ging, die erste gute Chance für den SCP verbucht (7.). Beide Teams versuchten immer wieder, mit langen Bällen hinter die gegnerischen Ketten zu kommen. Und Schalkes sonst so sattelfeste Defensive wackelte. So brachte Abwehrchef Nikola Katic seinen Torwart Loris Karius mit einem missglückten Rückpass in Bedrängnis (36.). Zwei Minuten später zappelte der Ball im Netz der Königsblauen. Curda köpfte eine Flanke von Raphael Obermair sehenswert zum 0:1 (38.) ein.
Doch die Hausherren glichen kurz vor der Pause mit einem ihrer blitzschnellen Konter aus, wobei die ganze individuelle Klasse der beiden S04-Knipser vom Dienst zum Vorschein kam. Sylla trieb im Mittelfeld den Ball nach vorne und passte auf Kenan Karaman. Und der Schalker Kapitän, der eigentlich immer gegen Paderborn trifft, schoss in überragender Manier zum 1:1 (45.+3) ein. Es war zugleich der Halbzeitstand.
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Dem SCP fehlt nach der Pause die Entlastung
Die Partie blieb auch nach dem Wechsel unterhaltsam. Brackelmann köpfte eine Obermair-Ecke aus kurzer Distanz übers Tor (47.). Sylla (54.) und Christopher Antwi-Adjei (55.) verbuchten erste gute Chancen für die Gastgeber. Sven Michel und Sebastian Klaas kamen dann beim SCP für Brackelmann und Bilbija (62.). Kurze Zeit später jubelte der S04 schon übers vermeintliche 2:1, doch Vollstrecker Sylla hatte beim Steckpass von Soufiane El-Faouzi im Abseits gestanden (63.).
Schalke war nun aber am Drücker, dem SCP fehlte die Entlastung. Torwart Dennis Seimen parierte glänzend gegen Bryan Lasme (70.), der nach längerer Verletzungspause ein Joker-Comeback feierte. Der SCP hatte die Partie anschließend wieder besser im Griff. Doch dann schlug Lasme zu. Der Ex-Bielefelder ging in der 86. Minute nach einem Karaman-Zuspiel allein aufs SCP-Tor zu, überlupfte Seimen und schoss das 2:1.
„Ich bin unglaublich glücklich und stolz. Wir sind Tabellenführer und haben eine Topmannschaft wie Paderborn in der zweiten Halbzeit dominiert“, freute sich Schalkes Trainer Miron Muslic. Der SCP stand dagegen mit leeren Händen da. Doch der SCP hatte bewiesen, dass er nicht zufällig ganz vorne mitmischt.
Nun wartet auf die Paderborner gleich die nächste extrem anspruchsvolle Aufgabe. So steht am nächsten Samstag, 6. Dezember, um 13 Uhr das Heimspiel gegen die brandgefährliche SV Elversberg auf der Agenda. Dann muss der SCP auf Laurin Curda verzichten. Paderborns Torschütze sah auf Schalke seine fünfte Gelbe Karte und ist somit in der Partie gegen die Saarländer gesperrt.
Der Ticker zum Spiel des SC Paderborn gegen Schalke 04 zum Nachlesen:
INFORMATION
FC Schalke 04 - SC Paderborn 2:1 (1:1)
Schalke: Karius – Ayhan, Katic, Kurucay – Wallentowitz (85. Porath), El-Faouzi, Schallenberg (85. Pöpperl), V. Becker (89. Sanchez) – Antwi-Adjei (66. Lasme), Karaman – Sylla (89. Bachmann).
Paderborn: Seimen (Note 3) – Götze (3,5), Scheller (3,5), Brackelmann (3, 63. Klaas) – Hansen (4, 88. Marino), Baur (4, 74. Bätzner), Castaneda (4, 74. Engelns), Obermair (3) – Curda (3), Tigges (4,5), Bilbija (4,5, 63. Michel).
Schiedsrichter: Tobias Reichel (Sindelfingen).
Tore: 0:1 Curda (38.), 1:1 Karaman (45.+3), 2:1 Lasme (86.).
Gelbe Karten: Karaman, Karius – Brackelmann, Götze, Curda (5., gesperrt), Bätzner.
Zuschauer: 62.077 (ausverkauft).
Statistik: 13:8 Torschüsse, 1,33:0,76 xGoals, 41:59 Prozent Ballbesitz, 60:76 Prozent Passquote, 54:46 Prozent Zweikämpfe, 7:13 Fouls, 3:3 Ecken, 117,6:114,6 Kilometer Laufdistanz.