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Andreas Ludwig (l.) und Stephan Simann sind leidenschaftliche SCP-Fans und schreiben für nw.de über ihren Verein. - © Uwe Müller
Andreas Ludwig (l.) und Stephan Simann sind leidenschaftliche SCP-Fans und schreiben für nw.de über ihren Verein. | © Uwe Müller

SC Paderborn Drei-Hasen-Grätsche: Nur homöopathische Fortschritte im Dialog mit Fanszene

Unser Kolumnist Stephan Simann hinterfragt, ob es noch Platz im Stadion gibt für Fans, die kritisieren und ein Mitgestaltungsrecht einfordern?

Stephan Simann
11.03.2020 , 08:30 Uhr

Stephan Simann bloggt seit 2013 zum SCP und ist Teil der PaderCast-Crew. Als Fußball-Romantiker verfolgt er eine Partie am liebsten im Stadion und möchte irgendwann einmal seinen Herzensverein international spielen sehen. Für nw.de schreibt er zusammen mit Andreas Ludwig regelmäßig die Kolumne "Drei-Hasen-Grätsche".

Im Fadenkreuz

Der Abstieg rückt näher, aber es gibt auch gute Neuigkeiten. Dennis Srbeny traf nun schon zum vierten Mal in seinem achten Auftritt für uns und würde vermutlich in einer Zweitliga-Saison alles kurz und klein schießen. Da aber nicht nur unser Edelstürmer das Tor ins Fadenkreuz nahm, sondern diverse Fanszenen kürzlich das Gleiche mit einem Mäzen eines ziemlich langweiligen Dorfclubs taten, war ich sehr interessiert an den Reaktionen der Fankurven auf die jüngsten Auseinandersetzungen zwischen Fans, DFB und Dietmar Hopp.

Kritik und Dialog

Nach einem anfänglichen Totalversagen in der Berichterstattung beim Einordnen der Proteste während des Spiels zwischen Hoffenheim und München gibt es glücklicherweise inzwischen genug Medien, die es geschafft haben die Hintergründe ausreichend zu beleuchten.

Auch mir ist Dietmar Hopp herzlich egal, denn ich stelle mir ebenfalls die Frage, die sich die aktiven Fanszenen in Deutschland stellen: Sind nur noch zahlende Kunden, die sich 90 Minuten lang das Treiben auf dem Platz ansehen, erwünscht oder ist noch Platz für Fans, die kritisieren und ein Mitgestaltungsrecht einfordern?

Ich wünsche mir von Herzen Letzteres, sehe aber, dass es einigen Profi-Vereinen und dem DFB ganz lieb wäre, wenn es auf der Tribüne ein paar Spruchbänder weniger geben würde.So geht mir ein „Scheiß DFB" schon seit Jahren ohne den Hauch eines schlechten Gewissens über die Lippen, wenn es zu wechselseitigen Rufen zwischen Heim- und Gästeblock kommt.

Der Verband wusste nämlich immer wieder zu enttäuschen, wenn es um den Umgang mit Rassismus im Stadion ging oder bei der Aufklärung rund um das sogenannte Sommermärchen. Auch im Rahmen von Dialogen mit aktiven Fanszenen sah ich nur homöopathische Fortschritte und vermute verbandsseitig die Anwendung der Salami-Taktik, die Stück für Stück das Stadionerlebnis für die unbequeme kommerzkritische Masse immer unattraktiver machen soll.

Protest im Stadion soll erlaubt sein

Ich möchte aber nach wie vor Protest im Stadion äußern dürfen und auch hin und wieder ein beleidigendes Wort in den Mund nehmen können, ohne dabei gleich in einen Topf mit rechtsextremen Attentätern geworfen zu werden. Die Möglichkeit der Mitgestaltung macht für mich einen Großteil des Fan-Daseins aus und wenn wir anfangen unter dem Vorwand des Schutzes von der Minderheit der Milliardäre unliebsame und manchmal sogar deftige Kritik aus dem Stadion zu verbannen, wird mein Platz frei bleiben.

Dass es in Paderborn auch konstruktiv geht, sahen wir am Freitagabend, als Fans Flyer verteilten und kreative Spruchbänder hochgehalten wurden. Dass Protest sogar etwas Positives bewirken kann, erlebten wir vor Beginn der Saison bei der angepeilten Zusammenarbeit mit RB Leipzig. Am Ende profitierte gar das ganze Umfeld, da es in Paderborn noch nie einen größeren Schulterschluss aller Beteiligten trotz eines sehr wahrscheinlichen Abstiegs gegeben hat. Gerade das letzte Beispiel zeigt, wie es richtig geht: Es ist egal, wie weit die Meinungen auseinanderliegen und es ist egal, wie hart die Auseinandersetzung geführt wird, solange der Dialog eine Option ist.

Dialog muss immer eine Option sein

Nur so ist es möglich eine Lösung zu erarbeiten, mit der alle leben können. Dietmar Hopp hingegen schließt seit Jahren jeglichen Dialog mit den Fanszenen aus und gibt mir zu verstehen, dass er nur an seiner Lösung interessiert ist und das finde ich – diplomatisch ausgedrückt – sehr schade.Nun heißt es aber erstmal am Freitagabend beim extrem wichtigen Spiel gegen Düsseldorf, auch wenn keine Zuschauer erlaubt sind: Alles für Paderborn!

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