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SCP-Kapitän Klaus Gjasula hat soeben das 2:3 erzielt. Doch auch sein  erster Bundesliga-Treffer reicht nicht für ein Remis. - © Wilfried Hiegemann
SCP-Kapitän Klaus Gjasula hat soeben das 2:3 erzielt. Doch auch sein  erster Bundesliga-Treffer reicht nicht für ein Remis. | © Wilfried Hiegemann

SC Paderborn Aufgeben ist für den SC Paderborn einfach keine Option

Der Aufsteiger stellt auch gegen Leipzig seine beeindruckende Moral unter Beweis. Doch unterm Strich bleibt der Ertrag weiterhin mager.

Frank Beineke
01.12.2019 | Stand 01.12.2019, 13:51 Uhr

Paderborn. Spätestens in der 26. Minute des Bundesliga-Spiels zwischen dem SC Paderborn und RB Leipzig warf der ein oder andere Zuschauer sicher einen Blick in die Statistik. Was war noch einmal die höchste Heimniederlage in der Geschichte des SCP? Ein 0:6 gegen Sandhausen? Das könnte für Paderborn diesmal noch weitaus bitterer enden. Furios aufspielende Leipziger hatten soeben das 3:0 erzielt. Ein Debakel kündigte sich an. Doch dann passierte das, womit wohl niemand gerechnet hatte. Nach der Pause spielte fast nur noch der SCP, der am Ende allerdings (mal wieder) mit leeren Händen dastehen sollte. Denn vor 13.253 Zuschauern mussten sich die Hausherren etwas unglücklich, aber unterm Strich nicht unverdient mit 2:3 (0:3) geschlagen geben. „Wir haben die erste Halbzeit verpennt“, resümierte SCP-Kapitän Klaus Gjasula, dessen Team schon nach 215 Sekunden mit 0:2 zurückgelegen hatte. Zunächst markierte Leipzigs tschechischer Neuzugang Patrik Schick in sehenswerter Manier seinen ersten Bundesliga-Treffer (3.). Dann erhöhte Marcel Sabitzer nach einem Gjasula-Fehlpass mit einem tückischen Distanzschuss auf 0:2 (4.). „Da stand ich dann da und dachte: Oha, das wird jetzt aber eine interessante Partie“, gab SCP-Coach Steffen Baumgart einen Einblick in sein Gefühlsleben. Leipzig lässt kaum Luft zum Atmen Was der Trainer auch anschließend bis zum Pausenpfiff zu sehen bekam, gefiel ihm überhaupt nicht. Äußerst ärgerlich war auch der Ballverlust von SCP-Youngster Luca Kilian, den Timo Werner in der 26. Minute nutzte, um sein 13. Saisontor zu markieren. Doch fast noch ärgerlicher als die drei Gegentreffer war für Baumgart das mangelhafte Zweikampfverhalten seiner Mannschaft. „Da erwarte ich mehr. Leipzig war viel präsenter. Wir haben die Zweikämpfe nicht angenommen“, kritisierte der SCP-Trainer. Allerdings boten die Gäste in den ersten 45 Minuten auch eine perfekte Vorstellung, denn zur hohen Aggressivität gesellte sich eine bewundernswerte Spielkunst. „Die waren unheimlich flink und griffig. Das war aus meiner Sicht unser bislang bester Gegner“, urteilte Klaus Gjasula. Leipzig schaffte fast immer Überzahl in Ballnähe, gewährte den Paderbornern kaum einmal eine Zehntelsekunde für die Ballannahme und spielte nach Balleroberungen blitzschnell nach vorne. In der Halbzeitpause gab es in der Kabine der Hausherren somit eine Menge zu besprechen. „Wir haben eine klare Ansprache vom Trainer erhalten“, berichtete Gjasula. Halbzeit-Ansprache zeigt Wirkung Und siehe da: Während es Leipzig im Gefühl des vermeintlich sicheren Sieges nun ruhiger angehen ließ, gab der SCP mächtig Gas. Plötzlich waren es die Gastgeber, die die zweiten Bälle gewannen und Torgefahr ausstrahlten. Streli Mamba, der kurz nach der Pause noch Pech bei einem Abseitstreffer gehabt hatte, schoss das 1:3 (62.). Gjasula verkürzte nach feiner Vorarbeit von Christopher Antwi-Adjei mit seinem ersten Bundesliga-Tor auf 2:3 (73.). Die Stimmung in der Benteler-Arena war nun grandios. Um ein Haar hätte es in Minute 80 gar 3:3 gestanden, denn RB-Verteidiger Dayot Upamecano verfehlte das eigene Gehäuse bei einer riskanten Rettungsaktion nur um Zentimeter. Doch in einer hektischen Schlussphase, in der Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus manch zweifelhafte Entscheidung fällte, blieb das Happy End für die Hausherren aus. „Die Niederlage tut weh, denn in der zweiten Halbzeit hat man gesehen, was möglich gewesen wäre“, ärgerte sich Baumgart, der sich aber erneut über die tolle Moral seiner Schützlinge freuen konnte. „Wer gegen Leipzig 0:3 zurückliegt und dann solche Eier hat? Respekt“, sagte der SCP-Coach. RB Leipzig feierte derweil den fünften Erstliga-Sieg in Folge. „Und wenn sie das konsequent so weiterspielen, dann wird in dieser Saison vielleicht nicht wieder das selbe Team deutscher Meister“, orakelte Steffen Baumgart. Für seine Jungs aber gilt weiter die Devise „Aufgeben gilt nicht“ – sowohl mit Blick auf einzelne Spiele als auch für die gesamte Saison. „Wir lassen uns nicht unterkriegen“, betonte SCP-Akteur Luca Kilian und fügte an: „Wenn wir so spielen wie in der zweiten Halbzeit, dann wird es irgendwann mit dem Siegen klappen.“

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