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Auf dem Trainingsgelände: Martin Przondziono (50) ist der neue Geschäftsführer Sport des SC Paderborn 07. - © Uwe Müller
Auf dem Trainingsgelände: Martin Przondziono (50) ist der neue Geschäftsführer Sport des SC Paderborn 07. | © Uwe Müller

SC Paderborn Martin Przondziono: "Eins steht fest. Wir werden das genauso weiterspielen"

Martin Przondziono, neuer Sport-Geschäftsführer des Fußball-Erstligisten SC Paderborn, über Königstransfers, RB Leipzig, die SCP-DNA, und was dem SCP noch fehlt

Uwe Müller
26.06.2019 | Stand 26.06.2019, 20:39 Uhr

Paderborn. Sein Nachname - laut eigenen Angaben eine "Mischung aus Ur-Italien und Oberschlesien - ist noch nicht in aller Munde, aber bald wird der neue Sport-Geschäftsführer Martin Przondziono bekannter werden. Schließlich ist er einer der 18 Bundesliga-Manager. Der aus Salzgitter stammende Przondziono kann auf eine lange aktive Karriere zurückblicken und weiß wie Fußballprofis ticken. Er spielte Anfang der 1990er Jahren bei Werder Bremen, hatte dort aber keine guten Stand bei Otto Rehhagel und kam auf keinen Bundesligaeinsatz. Danach war er beim 1. FC Nürnberg (2. Liga), VfL Osnabrück, VfB Lübeck und bei Preußen Münster. Im Altkreis Halle ließ der Mittelfeldspieler von 2004 bis 2006 seine Fußballkarriere beim damaligen Bezirksligisten TuS Solbad Ravensberg ausklingen. Danach betrieb er ab 2005 eine Marketing-Agentur und brachte als leidenschaftlicher Golfer (Handicap 3,5) ein Golf-Magazin heraus. Er war leitender Scout beim 1. FC Nürnberg und Kaderplaner bei Hannover 96, ehe er im September 2018 als Leiter Sport des Lizenzspielerbereichs beim SCP anfing. Der Juni war jetzt ein besonderer Monat für ihn. Martin Przondziono wurde 50, heiratete seine langjährige Freundin Kristina Schütze, mit der er zwei Kinder hat, und wurde Nachfolger von Markus Krösche. Herr Przondziono, ganz so lange sind Sie ja noch nicht Geschäftsführer Sport beim SCP. Wie oft müssen Sie eigentlich Markus Krösche noch anrufen? Martin Przondziono: Gar nicht. Ich bin ja schon länger dabei als viele glauben. Wir haben zwar noch Kontakt, aber nicht übermäßig viel. Wir sprechen dann auch nicht über Themen, die hier anfallen. Ihr Vorgänger hat bis zu seinem Abschied nach Leipzig schon acht neue Spieler präsentieren können. Inwiefern waren Sie da mit eingebunden? Przondziono: Komplett. Seit Sommer 2018 ist keine Verpflichtung an mir vorbeigegangen. Der Trainer und die Scoutingabteilung waren natürlich auch involviert. Von den Zugängen kommt nur Torwart Jannik Huth von einem Bundesligisten, hat aber auch nur die Mini-Erfahrung von sieben Spielen für Mainz 05. Die anderen kommen aus unteren Ligen und Kilian sogar aus der Regionalliga. Reicht das aus für die 1. Liga? Przondziono: Ja, das werden wir oft gefragt. Wir haben eine klare Linie, die wir wirtschaftlich und sportlich fahren wollen. Die halten wir auch ein. Nichtsdestotrotz beobachten wir den Markt und wenn etwas wirklich Interessantes dabei ist und wir es vertreten können, dann überlegen wir das. Kommt noch ein so genannter Königstransfer, also ein gestandener Bundesligaspieler oder passt das nicht zum SCP? Przondziono: Wir müssen ja gucken, dass die Spieler in unsere Spielidee und -philosophie reinpassen. Nicht einfach sagen, das ist jetzt ein Königstransfer und der hilft uns am Ende nicht weiter. Wir haben ganz klare Anforderungen und Vorstellungen an die jeweilige Position. Wenn wir glauben, ein Spieler kann das erfüllen, dann beschäftigen wir uns mit ihm. Bundesligisten haben gerne alle Positionen doppelt besetzt. Wo muss der SCP noch nachlegen? Przondziono: Wir sind eigentlich schon ganz gut bestückt und haben nur auf den Außenverteidigerpositionen etwas Nachholbedarf, weil wir zahlenmäßig da nicht so gut bestückt sind. Beide Spieler (Collins und Dräger d. Red.) sind noch beim Afrika-Cup. Da müssen wir sehen, wann und wie sie zurückkommen. Ihr Sohn Gianluca ist auch ein sehr talentierter Fußballer und war Kapitän beim VfL Osnabrück in der U19 und spielt jetzt beim Regionalligisten Lotte. Mit jung und talentiert passt er ja perfekt zum Anforderungsprofil des SCP. Wann wird man ihn im SCP-Dress sehen? Przondziono: Ich halte da nicht so viel von, da tut man am wenigsten dem Jungen einen Gefallen, wenn man ihn holt. Schießt er zweimal übers Tor, heißt es: er ist doch der Sohn vom Przondziono. Er muss seinen eigenen Weg gehen. Ich unterstütze ihn da tatkräftig. Ich kann aber manche Türen nur ein bisschen aufmachen, durchgehen muss er dann alleine. Ist er auch ein Zehner wie Sie damals? Przondziono: Nein, er spielt eher defensiv und ist eher ein Sechser oder Achter. Den klassischen Zehner gibt es ja nicht mehr. Przondziono: Es war eine tolle Position und gibt sie auch heute noch. Es gibt ein Umdenken im Fußball – man will Lösungen mit Ball finden. Da braucht man dann auch Spieler, die kreativ im Kopf sind. Wenn man im Zentrum einen Spieler hat, der fußballerisch besser ist als die anderen, dann macht sich das bemerkbar. Bisher wurden acht Spieler abgegeben, der Kader ist aber noch groß. Wie viele Spieler erwarten sie am Sonntag beim Trainingsauftakt? Przondziono: Unsere Kadergröße soll um die 30 Spieler liegen. Es sind ja noch zweieinhalb Monate Zeit bis das Transferfenster schließt. Bis dahin wird es noch die eine oder andere Verschiebung geben. Als Sie im September 2018 als Leiter Sport des Lizenzspielerbereichs beim SCP vorgestellt wurden, hatten Sie sich bestimmt auf eine Arbeit bei einem Verein, der sich in der 2. Liga etablieren will, eingestellt. Nun sind Sie Geschäftsführer Sport bei einem Erstligisten. Was ändert sich an Ihrer Arbeit? Przondziono: Wenn man es ganz salopp sagt: Ich muss jetzt den Kopf für alles hinhalten. Aber ich war in alle Dinge hier eingeweiht, habe sehr eng mit Markus zusammengearbeitet, mit dem Trainerteam, mit Ole Siegel – es ist nichts Neues für mich. Ich habe jetzt mehr mit den Gremien zu tun, aber vom Tagesgeschäft her, ist es kein Unterschied. Wie wird eigentlich Ihr alter Posten besetzt? Przondziono: Da habe ich viele Bewerber, aber es eilt nicht. Ich habe ein paar Kandidaten im Kopf, aber auch da müssen die Rahmenbedingungen passen. Einige Bewerber meinen, das ist 1. Liga und da geht es richtig ab. Auch in dieser Hinsicht bleiben wir der Paderborn 07. Sehen Sie den SCP als gutes Sprungbrett – siehe Krösche – oder wollen Sie hier langfristig etwas aufbauen? Przondziono: Grundsätzlich hat man ja – egal wo man anfängt – immer das Ziel möglichst lange zu bleiben. Ich würde es hier nicht als Durchgangsstation sehen. Dann wäre ich hier auch der falsche Mann. Das, was wir im letzten Jahr und was Markus davor aufgebaut hat, will ich weiterführen und ausbauen. Es ist eine langfristige Sache. Aber man weiß nie was passiert. Dafür bin ich schon zu lange im Geschäft. Mit dem neuen Video-System und Philipp Maier als Trainings- und Spielanalyst im Trainerteam stellt sich der SCP moderner auf. Auch das Trainingszentrum ist erste Sahne. Fehlt noch etwas, um auf Erstliga-Niveau zu kommen? Przondziono: Es sind natürlich die finanziellen Möglichkeiten, die uns fehlen – das ist klar. Wir versuchen alles sukzessive langsam und behutsam aufzubauen. Man kann nicht vier Schritte überspringen. Dass wir in der Kommunikation sehr eng und vertraut sind, ist sicher auch ein Teil des Erfolges. Man muss auch schauen was Sinn macht. Es gibt sicher immer Verbesserungsmöglichkeiten, wir platzen in den Räumlichkeiten ja auch aus den Nähten. Aber wir sind auf einem guten Weg, auch personell haben wir aufgestockt. Schritt für Schritt nähern wir uns an. Viele Bundesligisten fahren zur Vorbereitung ins Trainingslager. Der SCP verzichtet darauf? Nur ein finanzieller Aspekt? Przondziono: Sicher ist es ein Vorteil, wenn man mal weg ist. Ich weiß es aber selbst noch als Spieler, dass es schnell langweilig werden kann. Wir haben hier alle Möglichkeiten. Wir haben das Essen, was wir wollen und wir verlieren keine Anreisezeiten. Das sind zwei Tage, die man für andere Themen nutzen kann. Und was für uns auch wichtig ist: wir haben hier im Umkreis sehr viele Vereine, die stolz sind gegen uns zu spielen. Wenn wir den allen gerecht werden können, finde ich das für die Region sehr wichtig. Sicher ist es auch ein finanzieller Aspekt, aber dass alle zu Hause schlafen können ist zum Beispiel auch ein wichtiger Faktor. Und wir können hier auch viel besser auf Verletzungen mit unseren Ärzten reagieren. Ich finde die Lösung hier ziemlich charmant. Zu Ihnen persönlich. Sie haben stolze 350 Profispiele, aber keinen Einsatz in der 1. Liga gehabt. Woran lag’s? Am Trainer? Przondziono: Nein, auch am Schiri und am Ball (lacht). Ich war sicherlich ein guter Kicker, aber als ich in den 90er bei Werder unterschrieben habe, gab es keine Berater, die hätten mir sicher den Rat gegeben zu wechseln. Ich wurde immer aufs nächste Jahr vertröstet. Otto Rehhagel mochte mich nicht – das hat er mich öfter spüren lassen. Dann bin ich nach Nürnberg gegangen. Dort hatte ich vorher für beide Ligen unterschrieben und die sind am letzten Spieltag in die 2. Liga abgestiegen. Aber ich glaube, ich habe eine ordentliche Karriere gehabt, ich würde alles wieder so machen. Bald spielt der SCP wieder in den größten Stadien Deutschlands. Worauf freuen Sie sich besonders? Przondziono: Das sind eher nicht die Spiele. Ich freue mich mehr darauf zu sehen, wie sich unsere Mannschaft schlägt mit unserem Offensivfußball und wie sie sich entwickelt. Es wird natürlich auch zu zwei Duellen mit RB Leipzig kommen. Wie sehen Sie die geplatzte Kooperation? Gut oder schlecht für den SCP? Przondziono: Da halte ich mich komplett offen. Da bin ich ziemlich entspannt. Da sind Sachen hochgekocht worden, die am Ende gar nicht so heiß gegessen worden wären. Es ist jetzt so wie es ist. Trainer Steffen Baumgart will auch in der 1. Liga den schnellen Angriffsfußball fortsetzen. Kann damit der Klassenerhalt geschafft werden oder muss man sich in der 1. Liga umstellen? Przondziono: Eins steht fest. Wir werden das genauso weiterspielen. Wir müssten ja sonst den kompletten Kader tauschen. Wir wollen diese DNA pflegen – bis in das Nachwuchsleistungszentrum runter. Weil wir glauben, dass der offensive Spielstil der erfolgreichere ist. Wir wollen eine gewisse Strategie für den Verein festlegen. Offensive steht für Paderborn. Wir werden das nicht, weil wir in der 1. Liga spielen, über den Haufen werfen. Kann der SCP wie 2014 auch noch unterschätzt werden...

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