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So war's vor gut drei Jahren: In der Saison 2015/16 trafen der SC Paderborn und RB Leipzig in der 2. Liga aufeinander. SCP-Kicker Hauke Wahl (M.) bekam es damals mit Yussuf Poulsen (l.) und Marcel Sabitzer zu tun. - © Marc Köppelmann
So war's vor gut drei Jahren: In der Saison 2015/16 trafen der SC Paderborn und RB Leipzig in der 2. Liga aufeinander. SCP-Kicker Hauke Wahl (M.) bekam es damals mit Yussuf Poulsen (l.) und Marcel Sabitzer zu tun. | © Marc Köppelmann

SC Paderborn Kommentar: SCP-Fans mit fragwürdigen Feindbildern

Warum die Kooperation mit RB Leipzig nicht nur Gefahren, sondern vor allem große Chancen in sich birgt

Frank Beineke
08.06.2019 | Stand 08.06.2019, 09:25 Uhr

Die Euphorie, die der Erstliga-Aufstieg des SC Paderborn ausgelöst hat, erhielt jetzt herbe Dämpfer. So wechselte SCP-Sportchef Markus Krösche zu RB Leipzig. Das war keine Überraschung. Dass beide Vereine im Zuge dieses Wechsels jedoch ankündigten, eine „umfangreiche Zusammenarbeit" und „langfristige Kooperation" anzustreben, brachte Teile der SCP-Fanszene auf die Barrikaden. Acht Fangruppierungen, die sich selbst als „aktive Fanszene" bezeichnen, drohen nun sogar mit einem Boykott der Paderborner Spiele. In der Tat haben der SC Paderborn und RB Leipzig mit ihrer Kommunikationstaktik ein Eigentor geschossen. Denn wer die geplante Zusammenarbeit in dieser Form an die große Glocke hängt, muss mit solchen Reaktionen rechnen. Gerade bei den Ultra-Gruppierungen sind sie geradezu reflexhaft. Denn sie verstehen sich als eine der letzten Bastionen im Kampf gegen die fortschreitende Kommerzialisierung des Profi-Fußballs. Und RB Leipzig dient hierbei als bevorzugtes Feindbild. Ein Fußball-Klub quasi als dunkle Seite der Macht. In Leipzig wird gute Arbeit geleistet Es gibt auch genügend gute Gründe, um diesem Verein äußerst kritisch gegenüberzustehen. Denn natürlich ist RB Leipzig aus einem künstlichen Produkt entstanden. Tradition? Fehlanzeige. Selbstverständlich ist es bedenklich, wie DFB, DFL und UEFA ihre Regularien zugunsten der Red Bull GmbH ausdehnen oder konterkarieren. Natürlich sind gewisse Marketingstrategien des Konzerns kritisch zu sehen. Auch über Firmenchef Dietrich Mateschitz lässt sich trefflich streiten. Und die Vereinsstruktur des RB Leipzig mit seinen 17 (!) stimmberechtigten Mitgliedern ist alles andere als demokratisch. Auf der anderen Seite wird in Leipzig schlichtweg richtig gute Arbeit geleistet. Es wird zwar viel Geld in die Hand genommen. Doch das wird sinnvoll investiert, während so mancher Traditionsklub seit Jahren oder gar Jahrzehnten Unsummen nahezu planlos verbrennt. Leipzig hat dagegen eine Spielphilosophie – und inzwischen auch eine beachtliche Fanbasis, wenngleich RB-Anhänger oftmals müde belächelt oder schlimmstenfalls sogar attackiert werden. Das wird gegnerischen Fans in Leipzig so schnell nicht passieren, denn die Atmosphäre ist ausgesprochen gastfreundlich. Ein Verzicht auf die Vorteile wäre unsinnig Die Verantwortlichen des SC Paderborn wären mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn sie künftig nicht die guten Kontakte nach Sachsen nutzen würden. Die Ablösesumme, die für Markus Krösche erzielt wurde, ist nicht gerade üppig. Da wäre es geradezu vereinsschädigend, wenn SCP-Verantwortliche nun auch noch auf die Vorteile einer Kooperation verzichten würden. Was ist so schlimm daran, wenn künftig pro Saison ein, zwei Leihspieler, die so mancher Erst- und Zweitligist mit Kusshand nehmen würde, in Paderborn landen? Und warum sollte der SCP nicht vom umfassenden Know-how der Leipziger Kaderschmiede profitieren? Das schließt ja nicht aus, dass die Fans die Kooperation kritisch begleiten können. Natürlich muss Protest geäußert werden, wenn Grenzen überschritten werden. Doch als Maßstab sollte der gesunde Menschenverstand dienen – und nicht irgendwelche festgefahrenen Denkmuster oder fragwürdige Feindbilder. Übrigens dürfte so mancher Fußball-Fan, der beim Thema RB Leipzig gleich Zeter und Mordio schreit, am vergangenen Samstag Tränen der Rührung verdrückt haben, als Jürgen Klopp mit dem FC Liverpool die Champions League gewonnen hatte. Dass sich der Liverpool in den Händen eines US-Konsortiums befindet und seit Kloppos Amtsantritt gut 450 Millionen Euro in Transfers investiert hat, wird dabei gerne ausgeblendet. Liverpool ist ja ein Traditionsverein. Kontakt zum Autor

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