0
Ein Schiedsrichter spielt Schicksal: Robert Hoyzer traf im August 2004 im Pokalspiel zwischen dem SCP und dem HSV einige Entscheidungen, die auch der Hamburger Stefan Beinlich (l.) nicht nachvollziehen konnte. Fünf Monate später kam die Wahrheit ans Licht. - © www.sportpictures.de
Ein Schiedsrichter spielt Schicksal: Robert Hoyzer traf im August 2004 im Pokalspiel zwischen dem SCP und dem HSV einige Entscheidungen, die auch der Hamburger Stefan Beinlich (l.) nicht nachvollziehen konnte. Fünf Monate später kam die Wahrheit ans Licht. | © www.sportpictures.de

SC Paderborn Paderborner Pokal-Los weckt böse Erinnerungen an Robert Hoyzer

Am 21. August 2004 verpfiff der junge Schiedsrichter ein DFB-Pokalspiel zwischen dem SCP und dem HSV. Nun kommt es zur Neuauflage im Pokal

Frank Beineke
12.02.2019 | Stand 11.02.2019, 17:41 Uhr

Paderborn. In der Geschäftsstelle des SC Paderborn standen am Montagmorgen die Telefone nicht mehr still. Zahlreiche Fans riefen an und fragten nach Karten für das DFB-Pokal-Viertelfinale gegen den Hamburger SV. Es war vergebliche Liebesmüh, denn der Kartenvorverkauf startet frühestens Ende Februar. „Und es bringt überhaupt nichts, uns vorher Mails zu schicken oder anzurufen", erklärt Martin Hornberger. Der SCP-Geschäftsführer hatte am Sonntagabend die Auslosung im Deutschen Fußball-Museum in Dortmund live miterlebt. Und die besagte Ziehung bescherte dem Zweitliga-Aufsteiger ein Pokal-Duell mit einer besonderen Historie. Denn eine Partie vom 21. August 2004 ging in die deutsche Fußballgeschichte ein – und zwar als ziemlich dunkles Kapitel. Damals gewann der SC Paderborn als Drittligist das DFB-Pokal-Erstrundenspiel gegen den Erstligisten Hamburger SV nach einem 0:2-Rückstand noch mit 4:2. Doch im Januar 2005 wurde publik, dass Schiedsrichter Robert Hoyzer die Partie manipuliert hatte. Ein Wettskandal erschütterte Fußball-Deutschland. Hoyzer hatte für Sach- und Geldzuwendungen diverse Spiele verschoben. Paderborns Kapitän nahm das Geld vom Wettpaten entgegen Drahtzieher war ein Wettpate namens Ante Sapina, der dem Paderborner Kapitän Thijs Waterink vor der DFB-Pokal-Partie eine „Siegprämie" in Höhe von 10.000 Euro übergeben hatte. Waterink verteilte das Geld nach dem Spiel an seine Teamkollegen, die nichts Böses ahnten. Robert Hoyzer leistete unterdessen ganze Arbeit. Er pfiff zwei fragwürdige Elfmeter für den SCP und stellte HSV-Stürmer Emile Mpenza vom Platz. Doch der Schwindel flog auf. Hoyzer wurde wegen Beihilfe zum Betrug zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten verurteilt. Im Mai 2007 trat er seine Haft an. Im Juli 2008 wurde der Ex-Referee wegen guter Führung vorzeitig entlassen. Ante Sapina erhielt zwei Jahre und elf Monate, kam ebenfalls im Juli 2008 frei und war anschließend in weitere Wett-Skandale verstrickt. Der HSV erhielt 500.000 Euro als Entschädigung vom DFB. Zudem kassierten die Hanseaten 1,5 Millionen Euro an Zuschauereinnahmen aus einem Länderspiel zwischen Deutschland und China, das am 12. Oktober 2005 in Hamburg stattfand. Eine Wiederholung der Pokalpartie war nämlich nicht möglich. Als der Skandal ans Tageslicht kam, waren bereits zwei weitere Pokalrunden absolviert worden. Thijs Waterink wurde derweil vom SCP gefeuert. Er ließ seine Karriere in seiner niederländischen Heimat ausklingen. Robert Hoyzer war von 2011 bis 2017 in diversen Funktionen im Berliner Amateurfußball tätig. Ein Spiel aber wird er nie mehr leiten. Und sein Nachname dient auch heute noch als beliebtes Schimpfwort, um Schiedsrichter zu verunglimpfen. Hoyzer erhält keine Einladung vom SCP „Als der HSV als Gegner gezogen wurde, habe ich überhaupt nicht an die Hoyzer-Geschichte gedacht", beteuert Martin Hornberger. „Natürlich gehört das zu unserer Geschichte. Aber es ist für uns ganz weit weg und kein Thema mehr", ergänzt der SCP-Geschäftsführer. Mit der Tatsache, dass der Wettskandal im Vorfeld der Viertelfinal-Partie nun wieder von den Medien aufgegriffen wird, müsse und könne der SC Paderborn leben. Dies würde die Freude über das attraktive Los in keiner Weise trüben. „Die Fans sind heiß auf diese Partie", betont Hornberger und berichtet, dass der SCP auch schon unzählige Anfragen für das letzte Heimspiel der Saison erhalten habe. Denn am Sonntag, 12. Mai, wird der Hamburger SV erneut an der Pader gastieren. Der exakte Termin für das Pokal-Duell steht dagegen noch nicht fest. So steigt das Spiel entweder am Dienstag, 2. April, oder am Mittwoch, 3. April. Klar ist nur, dass die Partie um 18.30 Uhr angepfiffen und damit wohl nicht als Live-Spiel im Free-TV gezeigt wird. Denn da in der Paderborner Benteler-Arena aus rechtlichen Gründen spätestens um 22 Uhr Feierabend sein muss, kommt 20.45 Uhr nicht als Anstoßzeit in Frage. „Wir haben schon erste Gespräche mit dem HSV geführt. Aber entscheiden wird der DFB. Und es wird wohl acht bis zehn Tage dauern, ehe das Viertelfinale terminiert ist", erklärt Hornberger. Beim Vorverkauf seien dann zunächst die Mitglieder und Dauerkarteninhaber am Zug. „Die Hütte wird auf jeden Fall voll sein", prognostiziert der SCP-Geschäftsführer. Robert Hoyzer aber wird das Viertelfinale wohl nicht in der Benteler-Arena sehen. „Wir werden Herrn Hoyzer jedenfalls ganz sicher nicht einladen", frotzelt Martin Hornberger.

realisiert durch evolver group