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SC Paderborn-Profi Hünemeier analysiert die deutsch-englischen Duelle der Champions League

Drei deutsche treffen auf drei englische Teams. Der SCP-Spieler kennt beide Seiten - und die Unterschiede

Uwe Kleinschmidt
12.02.2019 | Stand 12.02.2019, 14:18 Uhr

Paderborn. Die deutsch-englischen Champions-League-Wochen beginnen am Mittwoch mit dem Duell zwischen den Tottenham Hotspurs und Borussia Dortmund. Ehe dann auch der FC Bayern in der nächsten Woche beim FC Liverpool und Schalke 04 beim womöglich übermächtigen Meister Manchester City antritt, ist die Diskussion längst entbrannt: Welche Liga ist die bessere? Und drückt sich jenes „besser" überhaupt darin aus, welcher Verband wie viele Mannschaften ins Viertelfinale schickt? Das Überwort im deutsch-englischen Vergleich heißt TV-Gelder. Jene Milliarden, die die Sender Sky Deutschland und BT Sport investieren, um am Ende daran zu verdienen. Und mit denen die Klubs ihre Kader dann weniger (in Deutschland) oder auch mehr (in England) aufmöbeln. Die Bundesliga erhält derzeit rund 1,16 Milliarden Euro pro Saison, die Premier League 2,3 Milliarden Euro. Ein gehöriges Ungleichgewicht, das sich auch auf dem Platz, beim kickenden Personal, zeigen sollte. Uwe Hünemeier ist Innenverteidiger beim Zweitligisten SC Paderborn, hat drei Jahre für Brighton & Hove Albion gespielt, seine letzte Saison 2017/18 in der Premier League – und kennt sich auch finanziell aus. „Grundsätzlich haben die Premier-League-Teams von 1 bis 20 viel, viel größere Möglichkeiten. Ein Team wie Brighton beispielsweise ist viel besser ausgestattet als in der Bundesliga etwa Augsburg oder Nürnberg", sagt der 33-Jährige. Ein Verein, der in die Premier League aufsteigt, kassiere erstmal rund 120 Millionen Euro von den Fernsehgeldern: „So viel bekommt Bayern München nicht einmal." "Da bekommt man kaum ein Ticket für unter 50, 60 Pfund" Aus diesem Füllhorn ergibt sich zunächst einmal ein deutlich höheres Gehaltsgefüge. Das sich dann allerdings auch irgendwann in der Qualität der Spieler spiegelt. Überhaupt ist das Geld der Motor des englischen Fußballs. Hünemeier: „Da bekommt man kaum ein Ticket für unter 50, 60 Pfund, also 57 bis 68 Euro. Da können sich die Fans in Deutschland noch glücklich schätzen. Auch, was die beliebten Stehplätze betrifft. Also in England wird viel mehr an der Finanz-Schraube gedreht. Da wird es schwer für den deutschen Fußball, Schritt zu halten." Allerdings resultiert aus den schwindelerregenden Zahlen für die englischen Vereine auch ein enormer Druck: Die Premier League allein, besonders Top-Platzierungen, bedeuten für die Klubs enorme Einnahmen. Was wiederum dazu führt, dass Talente in England weniger Zeit zum Reifen bekommen. Hünemeier nennt den Dortmunder Senkrechtstarter Jadon Sancho als Beispiel: „Den verkauft Manchester City als 17-Jährigen erst für 8 Millionen Euro an Dortmund, jetzt ist Sancho 18 – und Manchester – oder auch ein anderer englischer Klub – kauft ihn irgendwann für vielleicht 100 Millionen Euro zurück in die Premier League. Einfach so." Allerdings gesteht Hünemeier: „Das erschließt sich mir nicht so ganz." Generell, sagt der Profi, hätten englische Talente erkannt, dass „die Bundesliga für sie ein perfekter Ort ist, weil sie dort über die Spielpraxis viel mehr Möglichkeiten bekommen als in der Premier League." Der FC Schalke eiste den 18-jährigen Flügelstürmer Rabbi Matondo gerade ebenfalls von ManCity los. Für 9 Millionen Euro. "Real und Barca haben in Spanien eine Monopolstellung" Bei aller Geldausgeberei: Die letzte englische Mannschaft, die die Champions League gewann, war der FC Chelsea 2012 – mit Millionen des Milliardärs Roman Abramowitsch. Zwei Klassen erfolgreicher ist die spanische Primera División mit Real Madrid, dem FC Barcelona und Atletico Madrid. „Real und Barca haben in Spanien eine Monopolstellung. Das sind zwei Vereine mit extrem hohen Schulden, was aber von den Verbänden und den Banken mitgetragen wird", sagt der Paderborner. Wie geht nun das Dreifach-Duell im Achtelfinale aus? Hünemeier: „Schalke wird es schon sehr, sehr, sehr schwer haben gegen Manchester City. Da sind die Chancen insgesamt nicht sehr groß. Dortmund traue ich den Einzug ins Viertelfinale auf jeden Fall zu. Zumal Tottenham mit Harry Kane und Dele Alli zwei sehr wichtige Spieler fehlen. Dortmund räume ich – auch ohne Marco Reus – gute Chancen ein. Für die Bayern gilt: Liverpool ist ein echtes Brett. Schwierig zu sagen. Wie heißt es so schön: Da kommt es auf die Tagesform an. Insgesamt ist das pari, aber ich hoffe natürlich, dass zwei deutsche Mannschaften durchkommen." Nicht nur sportlich, denn: „Ich halte das solide und gesunde Wirtschaften für wichtig." Zu sehen sind die Spiele natürlich nur bei Sky.

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