Ort des Geschehens: Im Stadion wurde im Mai 2017 nicht nur gefeiert, einige Fußballfreunde wurden aggressiv. - © Marc Köppelmann
Ort des Geschehens: Im Stadion wurde im Mai 2017 nicht nur gefeiert, einige Fußballfreunde wurden aggressiv. | © Marc Köppelmann

Paderborn SCP-Randalierer vom Westfalenpokal-Finale landen vor Gericht

Beim Finale im Westfalenderby enterte ein sogenannter „Fußball-Fan“ den Rasen der Benteler-Arena und geriet in die Fänge der Ordner. Freunde eilten ihm zu Hilfe und landeten jetzt vor Gericht

Jutta Steinmetz

Paderborn. Viele Gründe zur Freude hatten die Fans des SC Paderborn in der Saison 2016/2017 nicht. Denn in der dritten Liga hagelte es Niederlagen. Da war das erfolgreich gemeisterte Finale im Westfalenpokal Ende Mai ein echtes Labsal für die gebeutelte Fan-Seele. Aber anscheinend nicht für alle. Ausgerechnet nach diesem Spiel ließen einige Randalierer im eigenen Stadion die Fäuste sprechen statt vergnügt zu feiern. Für vier von ihnen hatte das am Dienstag ein gerichtliches Nachspiel. Zarte Pflänzchen sind es wahrlich nicht, die auf der Südtribüne der Benteler-Arena bei Heimspielen für eine blau-schwarze Wand sorgen, mit Gesängen die Gegner einschüchtern und die eigene Mannschaft nach vorne treiben wollen. Sie verstehen sich als Team, als Gruppe von (vorwiegend) Männern, die zusammenhalten. Am 26. Mai 2017 brach sich aber ein völlig falsches Gemeinschaftsgefühl Bahn, als sich nach dem 3:1-Sieg über Lotte einer der ihren Zutritt zum grünen Rasen verschaffte. Dieser wurde ziemlich rasch von den Ordnern gestoppt – und wohl auch recht hart angefasst, wie sogar Richter Günter Köhne verwundert feststellen musste. Freunde des Flitzers traten und schlugen auf die Ordnungskräfte ein Seinen Kumpeln, allesamt alkoholisiert, ging da der Hut hoch. Sie drückten das Tor auf und eilten dem Flitzer zur Hilfe, der sein Heil in der Flucht suchte, während seine „Befreier" auf die Ordnungskräfte eintraten und einschlugen. Lang dauerte die Schlägerei nicht und ernstliche Verletzungen waren gleichfalls nicht zu beklagen. Vier Männer, zwischen 23 und 50 Jahre alt, konnten recht schnell als Täter identifiziert und jetzt vor Gericht zitiert werden. Denn Oberstaatsanwalt Christoph Zielke galt dieser Vorfall als gemeinschaftliche schwere Körperverletzung. Hier buk das Quartett kleine Brötchen. Die Männer legten ein Geständnis ab – wohl auch weil Zielke mittlerweile über ein Handy-Video verfügt, das tiefe Einblicke in das unrühmliche Geschehen am Rande des Westfalenpokal-Finales gewährt. Ohne Alkohol wäre das wohl nicht passiert, waren sich die vier – übrigens alle schon längst seitens des SC Paderborn mit Stadionverbot belegt – einig. Doch diese Erklärung mochte weder Ankläger Zielke noch Richter Köhne gelten lassen. „Wer den Alkohol nicht verträgt, soll ihn aus dem Balg lassen", befand Köhne und geißelte vor allem das gemeinsame Vorgehen der Männer. „Die Gefahren, die von einer solchen Gruppe ausgehen, sind kaum zu händeln. Gemeinschaftliches Handeln potenziert sich, führt zu Eskalation." Die Polizei ermittelt weiter Während der Jüngste, mit einigen Vorstrafen im Gepäck, zu einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe und 800 Euro Geldbuße verurteilt wurde, wurden gegen seine Mitangeklagten Geldstrafen in Höhe von jeweils 120 Tagessätzen zu 50 beziehungsweise 70 Euro verhängt. Sie gelten fortan wegen der Anzahl der Tagessätze als vorbestraft. Dass einer der Angeklagten bei den Ultras einer der Tonangeber ist, wog Richter Köhne besonders schwer. Der 24-Jährige habe seine Vorbildfunktion nicht wahrgenommen, sondern durch sein Verhalten zur Eskalation beigetragen. Damit ist der Fall aber nicht abgeschlossen. Denn die Polizei ermittelt weiter. Sie hofft, mit Hilfe des Films anderen angeblichen Fußball-Fans, die am 26. Mai 2017 die Fäuste sprechen ließen, noch auf die Spur zu kommen.

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