Der Trainer und sein Spielmacher: Cheftrainer Steffen Baumgart gibt im Vorbereitungsspiel in Verl seinem Mittelfeldspieler Marlon Ritter klare Anweisungen. - © Imago
Der Trainer und sein Spielmacher: Cheftrainer Steffen Baumgart gibt im Vorbereitungsspiel in Verl seinem Mittelfeldspieler Marlon Ritter klare Anweisungen. | © Imago

SC Paderborn Marlon Ritter will sein Aggressionspotenzial zügeln

Aktuell liegt der für drei Jahre fest verpflichtete gebürtige Essener mit einer Muskelverletzung auf Eis

Hartmut Kleimann

Paderborn. Es gibt diese Fußballer, die ziehen sich ein Trikot über und sind von einer auf die andere Sekunde ein ganz anderer Mensch. Im normalen Leben ganz der ruhige Vertreter, der schon in der Schule stets gute Bewertungen beim Verhalten gegenüber Mitschülern und beim Betragen im Unterricht bekommen hatte. Auf dem Platz dann aber einer, der alles für den Erfolg und für den Ballbesitz tut, dabei auch schon mal die Grenzen des Erlaubten überschreitet und fast als kleiner Hitzkopf bezeichnet werden darf. So einer ist auch Paderborns Mittelfeldspieler Marlon Ritter. In der vergangenen Saison noch von Fortuna Düsseldorf ausgeliehen, hat er nun beim Zweitliga-Aufsteiger SC Paderborn einen Vertrag über drei Jahre unterschrieben. "Ich habe immer betont, dass ich mich in Paderborn sehr wohl fühle und gut mit dem Team, den Trainern und auch mit dem Drumherum klar komme", sagt er noch einmal. Deshalb sei für ihn schon relativ früh klar gewesen: "wenn ich was anderes als Düsseldorf mache, dann ist das Paderborn." Allerdings zogen sich die Vertragsgespräche zwischen den Parteien dann doch etwas länger hin. Marlon Ritter stieg erst mit einer einwöchigen Verspätung in die Vorbereitung ein und nach einer Woche liegt er im wahrsten Sinne des Wortes schon wieder auf Eis. Im Testspiel beim SC Verl zog er sich eine muskuläre Verletzung zu, die ihn zu einer Pause zwingt. Überhaupt war in diesem Test schon Pfeffer drin. "Schließlich ist das kein Freundschaftsspiel, sondern ein Test in der Vorbereitung. Das ist gut, dass es da schon zur Sache geht, sonst kommt beim Saisonstart das böse Erwachen", weiß der 23-Jährige. "Die neuen Spieler haben sich schon gut eingefügt" So will er jetzt nichts überstürzen und nicht zu früh einsteigen, um in seiner ohnehin schon etwas holprigen Vorbereitung nicht noch einen Rückschlag zu riskieren. Da bleibt dann auch Zeit, mal auf das Ganze zu schauen. "Die neuen Spieler haben sich schon gut eingefügt. Sie werden uns helfen, noch mal ein höheres Niveau zu erreichen", ist Ritter von seinen neuen Mitspielern überzeugt, "denn Konkurrenz belebt das Geschäft. Und es wäre im Training doch langweilig, wenn man eine Garantie auf einen Stammplatz hätte. So pushen wir uns gegenseitig", sagt er. Nach den Spielen gehört der Spielmacher des SCP auch stets zu seinen eigenen Kritikern. "Denn verbessern kann man sich immer in allen Bereichen. Ob beim Spiel mit oder gegen den Ball, oder im Bereich Aggressivität", meint er. Womit er beim Thema Hitzkopf angelangt wäre. In seiner bisherigen Karriere hat er schon einige Male erfahren müssen, dass "es oft besser ist, in einem Spiel zu einem späteren Zeitpunkt dazwischen zu hauen", sagt er selbstkritisch. Klar muss er als zumeist zentraler Mittelfeldspieler auch viel einstecken, aber Ritter kann auch austeilen, was neun Gelbe Karten aus der vergangenen Saison belegen. Hoffnung auf baldige Rückkehr ins Training Auf dem Platz zeichnet sich der technisch versierte Fußballer auch durch ein hohes Tempo aus. Auffällig sind bei seiner Ausstattung stets Armlinge und weit hoch gezogene Strümpfe. Der Grund ist eine Rasenallergie, wobei ihm die aktuelle Fußballmode mit sehr langen Buchsen sehr zupass kommt. Da hätte es ein Fußballer Ritter in den 80er-Jahren, als die Kicker ihre relativ kurzen Sporthosen fast bis unter die Arme zogen, sehr viel schwerer gehabt. "Aber dann wäre ich sicher auch Fußballer geworden, weil mich die Allergie im Spiel ja nicht behindert", stellt er klar. So hofft er jetzt auf eine baldige Rückkehr ins Training und freut sich schon mal auf sein erstes Liborifest in Paderborn. "Davon habe ich schon viel gehört. Jedoch werde ich mich von den Fahrgeschäften fernhalten. Ich warte lieber brav davor", ist Ritter auf dem Rummel alles andere als ein Heißsporn.

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