Mit Plan: Der neue alte Präsident des SC Paderborn 07 Wilfried Finke will zuerst den Klassenerhalt schaffen und hat dann mehr vor. - © Marc Köppelmann
Mit Plan: Der neue alte Präsident des SC Paderborn 07 Wilfried Finke will zuerst den Klassenerhalt schaffen und hat dann mehr vor. | © Marc Köppelmann

SC Paderborn SC-Paderborn-Boss Finke im Exklusiv-Interview

Zurückgekehrter Präsident: "Wir wollen Paderborn den Stolz zurückgeben"

Carsten Heil

Paderborn. Im Frühjahr legte Wilfried Finke (65) seinen Posten als Präsident beim SCP nieder. Jetzt in dramatischer Lage seines Klubs ist er auf den Chefsessel zurückgekehrt. Warum er damals zurücktrat, wie er nun den Drittligisten aufbauen will und welche Ziele er hat, verrät er hier. Herr Finke, seit einigen Tagen sind Sie erneut Präsident des SC Paderborn, sind nach wenigen Monaten Abwesenheit wieder an der Spitze des Vereins. Der gehört wie Ihr Unternehmen sicherlich zu Ihrem Lebenswerk. Wie groß musste Ihre Leidensfähigkeit in den vergangenen Monaten sein als es immer weiter bergab ging? Wilfried Finke: Richtig ist, dass der SC Paderborn ein Teil meines Lebenswerkes ist, neben dem Entwickeln meiner Firma. Ich habe den SCP in den vergangenen 19 Jahren erheblich vorangebracht. Auch durch den Bau der Arena und des Leistungszentrums. Dabei hatte ich immer Gefährten an meiner Seite, die auch jetzt wieder an meiner Seite stehen. Wie groß die Leidensfähigkeit sein musste? Das ist in Worte nicht zu fassen... ...das klingt dramatisch... Finke: Das ist auch dramatisch. Ich habe bis wenige Wochen vor dem Saisonende nicht mit dem Abstieg aus der zweiten Liga gerechnet. Ich war nach diesem Abstieg sehr erschöpft. Das könnte man vielleicht schon einen sportlichen Burnout nennen. Und dieser Burnout im Bereich Sport hat neben meinen unternehmerischen Verpflichtungen dazu geführt, dass ich den Weg für andere frei gemacht habe, für einen Neuanfang. Ich hatte auch den Eindruck, dass ich dem Verein in dieser Phase nicht mehr hätte weiterhelfen können. LIVE auf #Periscope: SCP Pressekonferenz - ein neuer Sportdirektor und Trainer werden vorgestellt #scphttps://t.co/mRDMMvAmzr — Neue Westfälische (@nwnews) 6. Dezember 2016 Haben Sie den Verein da nicht kurzfrstig allein gelassen und verstehen Ihre Rückkehr jetzt als Pflichtaufgabe? Finke: Das ist Unsinn. Ich habe den Verantwortlichen ausreichend Zeit für den Neuanfang gelassen. Die Gremien waren frühzeitig über meinen Rücktritt informiert. Ich hatte nichts damit zu tun, dass der Verein ohne sportlichen Leiter in die neue Saison gegangen ist und Rene Müller die alleinige sportliche Verantwortung bekam. Es waren auch nicht meine Marionetten am Werk. Ich war völlig draußen und habe mich nicht eingeschaltet. Was in dieser Serie bisher passiert ist, liegt völlig außerhalb meines Verantwortungsbereiches. Wie ist der Entscheidungsprozess gelaufen als Sie wieder Präsident wurden, hatten Sie schlaflose Nächte? Finke: Das war ein schleichender Prozess innerhalb der vergangenen sechs Wochen. Wir haben den Entschluss einige Tage und Nächte in der Familie diskutiert. Verantwortliche aus dem Verein riefen an und baten mich in Einzelfragen um Rat. Da habe ich mich wieder eingebunden gefühlt und der Druck der Verantwortung auf mich wurde wieder größer. Zumal ich als zentraler Gesellschafter der Stadiongesellschaft mithelfen konnte, die Liquidität des Vereines zu erhalten, in dem die Stadiongesellschaft auf Miete verzichtet hat und dem Verein Luft verschafft. Auch was die Steuerzahlung angeht, die zwar als Rückstellung eingestellt war, aber als konkrete Ausgabe in dieser Saison überrascht hat. Sehen Sie hier Teil 2 der Pressekonferenz, in der sich der neue Trainer vorstellte: LIVE auf #Periscope: SCP Pressekonferenz https://t.co/VqobfjqhIP — Neue Westfälische (@nwnews) 6. Dezember 2016 Teil 1 der Pressekonferenz mit allen Erklärungen von Wilfried Finke zum Nachschauen: Aus Ihrer Sicht: Warum hat es mit der neuformierten Mannschaft bisher nicht funktioniert, ist nicht in die richtigen Spieler investiert worden? Finke: Da ich nicht jedes Spiel gesehen habe, kann ich darüber heute nicht urteilen. Richtig ist. Wir haben eindeutige Aufgaben an das neue Trainerteam gestellt. Welche? Finke: Es geht um Leistungsbereitschaft und direkte Ansprache jedes einzelnen Spielers. Bisher wurde immer das Kollektiv auf die Leistung angesprochen. Da kann sich der Einzelne dann verstecken. Wir erwarten jetzt Konsequenz von jedem. Wir erwarte also eine völlig andere Ansprache an die Spieler. Und schon jetzt bemerke ich, dass die totale Resignation der vergangenen Wochen einer gewissen Hoffnung weicht. Wie sind Sie persönlich eigentlich zum Fußball gekommen? Man muss doch verrückt sein, wenn man so viel Geld, Zeit und Herzblut in den Fußball investiert. Finke: Zweifelsfrei ist da etwas dran. Ich war selbst ein mittelmäßg begnadeter Fußballspieler, der es als Libero auch bis zur Westfalen-Auswahl gebracht hat.. . . ...der Beckenbauer aus Ostwestfalen? Finke: Naja (lacht), Die älteren können sich an den einen oder anderen ganz ordentlichen Pass erinnern. Aber so wurde Fußball zu meiner größten Leidenschaft. Zum SCP bin ich dann in einer krisenhaften Situation gekommen. Und habe schon damals den Mund sehr voll genommen und von der 2. Liga gesprochen. Darüber haben viele gelacht. Aber wir haben uns lange dort gehalten, phantastische Jahre erlebt und es sogar ein Jahr in die erste Bundesliga geschafft. Vor 15 Jahren war das undenkbar. Aber jetzt sieht es schlecht aus. Selbst ein Absturz aus der 3. Liga ist nicht ganz ausgeschlossen. Finke: Richtig, alles misst sich im Fußball immer am Erfolg. Jetzt sind wir zum Erfolg verdammt. Ein Abrutschen in die 4. Liga wäre auch für meinen persönlichen Ruf nicht gut. Deshalb das Versprechen, in zwei bis drei Jahren wieder in der 2. Liga zu spielen? Finke: Wir müssen wegen der jetzigen Infrastruktur, Arena und Leistungszentrum, aufsteigen. Damit können wir in der 3. Liga nur eine begrenzte Zeit überleben. Deshalb habe ich die klar die 2. Liga als Ziel ausgerufen. Es geht auch um den Ruf der Stadt Paderborn. Ich möchte der Stadt Paderborn, dem SCP sowie dessen Mitgliedern und Fans den Stolz zurückgeben. Aber das Verhältnis von Vereinsführung zu Fans und Mitgliedern war nicht immer optimal. Gibt’s da eine neue Strategie? Finke: Absolut. Dazu werden wir uns auch sehr intensiv den Mitgliedern und Fans zuwenden. In der Planung sind schon entsprechende Veranstaltungen. Jeder Fanclub kann drei Mitglieder entsenden und dann spreche ich mit ihnen. Da können sie Ihren Unmut zum Ausdruck bringen, der teilweise berechtigt ist. Wir müssen alle zusammenhalten, sonst erreichen wir das mittelfristige Ziel Aufstieg nicht. Berechtigter Unmut? Finke: Ja auch die Preispolitik war nicht immer richtig. Wir können nicht Eintritts-Preise wie in der Spitzengruppe verlangen und spielen wie ein Absteiger. Wir haben Fans vergrault. Darüber will ich mit den Fans diskutieren. Beim Aufstieg in die erste Liga haben Sie sinngemäß gesagt: Wir sind jetzt keine Parteimitglieder mehr, sondern wir sind alle nur noch Paderborner. Das ist doch zerbröckelt im Misserfolg der vergangenen Jahre? Finke: Zweifelsfrei war der SCP der beste Werbeträger, den die Stadt Paderborn jemals hatte. Das kann man nachweisen. Warum unterlaufen Ihnen im sportlichen Bereich Fehler, die Sie als Unternehmer niemals machen würden. Beispiel die Entscheidung für Stefan Effenberg. Was hat Sie denn da geritten? Finke: Ich lege Wert auf die Tatsache, dass ich 18 Jahre mehr richtig gemacht habe als falsch. Sonst wäre der Verein nicht bis in die erste Liga gekommen. Das können Sie mir mal abnehmen. Und wir haben die Erstligasaison genutzt, um jedem Geldgeber sein Geld zurückzugeben. Wir haben unsere Versprechen gegenüber Sponsoren und Geldgebern eingehalten. Nur deshalb habe ich jetzt die Möglichkeit, diese gleichen Leute in der jetzt schwierigen Situation wieder anzusprechen. Wenn die ihr erstes Geld nicht zurückbekommen hätten, müsste ich da heute nicht mehr anklopfen. Und das machen Sie derzeit ganz konkret? Finke: Das mache ich seit einigen Wochen. Die Stadiongesellschaft ist dem Verein finanziell schon weit entgegengekommen. Ich kann mir vorstellen, dass wir da noch mehr machen in dieser Saison. Aufgrund der guten Erfahrungen in der Vergangenheit. Das heißt, Sie sind guter Dinge sowohl das Lizenzverfahren gut überstehen zu können und in der Winterpause eventuell auch noch neue Spieler kaufen zu können, um die 3. Liga zu halten? Finke: Vor der Veröffentlichung meiner Rückkehr-Entscheidung habe ich mit den wesentlichen Kapitalgebern vereinbart, dass sie für den Fall meiner Rückkehr helfen. Dabei handelt es sich seitens der Stadiongesellschaft nicht um ein Rendite-Projekt. Die Gesellschaft und ich als Person verdienen nichts am Verein. Zurück zu Effenberg, war seine Verpflichtung ein Fehler? Finke: Ich weiß es am Ende nicht. Stefan Effenberg hat zunächst einen sehr ruhigen und kompetenten Eindruck gemacht. Er hat zu einem absolut üblichen Zweitliga-Gehalt gearbeitet. Trotzdem hatten wir eine extrem negative Zeit mit sportlichem Niedergang und vielen schlechten Ereignissen wie in den 18 Jahren zuvor nicht. Ich will da aber nicht nachkarten. Sie haben angekündigt, dass in der Winterpause personell nachgelegt werden soll: Wie groß sind die finanziellen Spielräume? Finke: Erste Priorität hat der Klassenerhalt. Dafür müssen die Investitionen nicht so groß sein wie die, wenn man den Aufstieg anpeilt. Wenn wir vor Beginn der Rückrunde schon so stark sind, dass wir angreifen könnten und uns nach oben orientieren, würden wir etwas mehr investieren. Wir müssen zunächst alles tun, um den Abstieg zu vermeiden. Und dann brauchen wir die notwendige Perspektive für die zweite Liga. Das müssen wir auch schaffen, um vielversprechende Spieler für uns zu interessieren. Das ist absolut notwendig und muss allen klar sein. Die 3. Liga ist wirtschaftlich eine Katastrophenliga, die von DFB und DFL finanziell stiefmütterlich behandelt wird.

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