SC Paderborn Hauke Finn Wahl trifft mit dem SC Paderborn die richtige Wahl

Der Innenverteidiger flirtet 2015 zunächst heftig mit den Lauterern. Dann sichert er sich bei den Ostwestfalen auf Anhieb einen Stammplatz

Werner Schulte

Belek. Noch im Sommer 2015 spielte die Gefühlswelt von Hauke Finn Wahl ein bisschen verrückt. Zuvor hatte sich der Innenverteidiger des SC Paderborn monatelang mit einem Wechsel zum 1. FC Kaiserslautern beschäftigt. "Ein halbes Jahr haben sich die Lauterer wirklich stark um mich bemüht", erinnert sich der 21-Jährige. Am Ende wurde zwischen seinem Ex-Verein Holstein Kiel und den Roten Teufeln aber doch keine Einigung erzielt. Ein Verbleib beim Drittligisten schien unausweichlich. Nach vier Pflichtspielen im Dress der Störche dann die späte Erlösung. Sein Berater setzte ihn von einem Anruf aus Paderborn in Kenntnis. Michael Born hatte sich zunächst bei den Holstein-Verantwortlichen gemeldet. Anschließend ging der Deal relativ fix über die Bühne. Kurz vor Transferschluss präsentierte der SCP den gebürtigen Hamburger Ende August als Last-Minute-Zugang. Inzwischen ist Wahl der felsenfesten Überzeugung, dass der Wechsel zum ostwestfälischen Fußball-Zweitligisten nach zwei Spielzeiten mit 62 Einsätzen und zwei Toren für die Kieler "für mich der richtige Schritt war". Im Paderborner Abwehrzentrum fasste er sofort Fuß. Markus Gellhaus warf ihn erstmals am 29. August im Derby gegen Arminia Bielefeld ins kalte Wasser. Wahl schwamm sich auf Anhieb frei. Für das Vertrauen des Paderborner Ex-Trainers, sich quasi umgehend "auf der Zweitligabühne präsentieren zu dürfen", bedankt er sich im Nachhinein ausdrücklich. Inzwischen war der 21-Jährige 15 Mal im Kader, stand 14 Mal in der Startelf und spielte stets durch. Gegen den Karlsruher SC und 1860 München erzielte er jeweils einen Treffer. Eine Bilanz, die ihn persönlich durchaus zufrieden stimmt. Schließlich hielt auch der neue Cheftrainer Stefan Effenberg nach der Trennung von Gellhaus an ihm fest. Dennoch wird Hauke Wahl im Fachmagazin Kicker aktuell nur mit einer Durchschnittsnote von 4,0 geführt. Wer ihn mit diesem Thema konfrontiert, der trifft allerdings einen wunden Punkt. "Nach meinen Noten gucke ich grundsätzlich nicht", versichert der Defensivstratege, "Zeitung lesen lenkt nur ab, ich konzentriere mich voll und ganz auf mich selbst". Extern hat er allenfalls für die Kritiken seines Vaters, "mit dem ich nach jedem Spiel telefoniere", ein offenes Ohr. Ansonsten sind seine bisherigen und gleichwohl üppigen Einsatzzeiten im SCP-Team "mein ganz persönlicher Gradmesser". Klar, dass sich auch der ehemalige Kieler die sportliche Entwicklung beim SC Paderborn im Vorfeld "etwas anders vorgestellt hat". Mit Platz 16 im Rücken werde das Restprogramm sicherlich nicht einfach, weiß auch Wahl um den Ernst der Lage. Woran hapert?s zurzeit bei der Effenberg-Elf? "Da gibt es sicherlich viele Aspekte", sagt der Innenverteidiger, "künftig müssen wir vor allem auch mehr Zweikämpfe gewinnen." Dass der Chefcoach das Team noch rechtzeitig auf Kurs bringen wird, daran hegt er keinerlei Zweifel. "Der Trainer ist sehr ehrlich, spricht viel mit uns und schenkt uns auch viel Vertrauen", sieht Wahl gute Ansätze, noch rechtzeitig aus der Nummer des Abstiegskampfs herauszukommen. Beim SCP hat er noch einen Vertrag bis zum Sommer 2018, neben dem kontinuierlichen Vorantreiben seiner Profikarriere verfolgt der 21-Jährige auch andere Ziele. Das Abitur mit der Note 2,7 hat er längst in der Tasche, in Kürze will er ein BWL-Fernstudium beginnen, um sich einen soliden Grundstein für die Zeit nach der Laufbahn als Fußballer zu legen. Einen Job als Trainer könnte er sich dann "durchaus vorstellen". Aber auch ein Engagement als Sportdirektor oder eine Tätigkeit im Nachwuchsbereich kommen zurzeit in Frage. Alles aus dem Trainingslager in Belek lesen Sie in unserem Liveticker:

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