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Breitenreiter: Kumpeltyp mit klarer Linie

Der Cheftrainer des SC Paderborn lobt die Vereinsphilosophie

27.01.2014 | Stand 27.01.2014, 13:39 Uhr |
Breitenreiter: Kumpeltyp

mit klarer Linie - © SC Paderborn
Breitenreiter: Kumpeltyp
mit klarer Linie | © SC Paderborn

Side. Kommunikativ, leidenschaftlich, kumpelhaft, aber auch äußerst konsequent und mitunter sehr lautstark, wenn etwas nicht läuft - so präsentiert sich Chefcoach André Breitenreiter im Trainingslager des SC Paderborn im türkischen Side. Sein Draht zur Mannschaft ist eng. Und die Ausbeute von bislang 29 Punkten aus 19 Zweitligaspielen kann sich sehen lassen. Breitenreiter und Paderborn - das scheint perfekt zu passen.

"Ich identifiziere mich zu 100 Prozent mit der Philosophie des Vereins", betont der ehemalige Bundesligaprofi. Der hatte bereits auf seiner ersten Trainerstation im Seniorenbereich bewiesen, dass er aus minimalen Mitteln den maximalen Erfolg herausholen kann. Den Nord-Regionalligisten TSV Havelse formte Breitenreiter vom abgeschlagenen Schlusslicht zum Spitzenteam. Das Kunststück gelang mit reinen Amateurspielern und äußerst bescheidenen finanziellen Mitteln.

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Aus dem Trainingslager des SC Paderborn im türkischen Side bloggt und berichtet NW-Redakteur Frank Beineke.

Im Sommer wechselte Breitenreiter dann von Havelse zum SC Paderborn, der sich mit geringen Etats ebenfalls bestens auskennt. "Wir gehören sicherlich zu den drei Zweitligisten mit den kleinsten Budgets. Wir haben die schlechtesten Trainingsbedingungen. Und wir streiten uns mit Mannschaften, die Erstligastrukturen haben. Insofern ist die Leistung des SCP außergewöhnlich", urteilt Breitenreiter, der bei seinem Amtsantritt jedoch den großen Ehrgeiz seines Präsidenten erlebte. Wilfried Finke erklärte damals, dass der SCP das Potenzial für Rang fünf habe. Zuletzt legte der Vereinschef sogar nach. Tenor: Platz drei sei keine Utopie.

"Wir haben halt einen Präsidenten, der immer nach maximalem Erfolg strebt", hält Breitenreiter die Aussagen seines Bosses für legitim. Der Trainer plädiert aber dafür, "demütig" zu bleiben. "Wir sollten uns auch über Plätze zwischen fünf und zehn freuen. Denn dann machen wir schon aus wenig viel. Wenn daraus ganz viel wird, können wir uns in den Armen liegen", so Breitenreiter, der mit Blick auf die restlichen 15 Saisonspiele guter Dinge ist.

Feilen am Defensiv-Verhalten

"Die Mannschaft hat eine enorme Entwicklung genommen. Nicht nur, was die Ergebnisse, sondern auch was die Spielweise betrifft", bilanziert der 40-Jährige. Variabel in den Systemen, mit guter Ballzirkulation, schnellem Umschaltspiel und offensiver Ausrichtung - all dies zeichnet den SCP unter Breitenreiter aus.

Der Ball ist sein Freund: André Breitenreiter zeigt im Training immer wieder Kunststücke mit dem runden Leder. Schließlich war der SCP-Coach von 1994 bis 2002 ein etablierter Erstligakicker. - © Andreas Frücht
Der Ball ist sein Freund: André Breitenreiter zeigt im Training immer wieder Kunststücke mit dem runden Leder. Schließlich war der SCP-Coach von 1994 bis 2002 ein etablierter Erstligakicker. | © Andreas Frücht

Die Abwehrarbeit des gesamten Teams ließ in der Hinrunde dagegen mitunter zu wünschen übrig. Zudem fehlten hin und wieder die nötige Konstanz, Entschlossenheit und Konzentration. Und so feilte das Trainerteam vor allem am Defensiv-Verhalten und am schnellen Gegenpressing. "Wenn die nötige Gier da ist und wenn wir dieser Mannschaft eine Siegermentalität einhauchen, dann wird sie viele Spiele gewinnen", glaubt Breitenreiter. Der Gefahr, dass Selbstzufriedenheit einkehrt, will der aus Hannover-Langenhagen stammende Ex-Junioren-Nationalspieler dagegen vorbeugen. "Wenn dies passiert, werde ich anfangen zu nerven. Das habe ich den Jungs schon gesagt", sagt Breitenreiter, der seine konsequente Linie schon in der Hinrunde unter Beweis gestellt hat. So wurden Disziplinlosigkeiten mit der vorübergehenden Verbannung aus dem Kader bestraft.

Eines ist indes noch nicht geklärt: Die Frage, er auch nächste Saison Trainer in Paderborn sein wird. Sein Vertrag läuft im Sommer aus. Allerdings verlängert sich der Kontrakt automatisch um ein Jahr, wenn der SCP mindestens auf Platz zehn landet. Doch so lange muss wohl nicht gewartet werden. "Wir haben gute Gespräche geführt. Beide Seiten wollen weiter zusammenarbeiten. Dann wird es sicher auch möglich sein, dass wir es hinbekommen", berichtet Breitenreiter und lobt das "Gesamtpaket", das in Paderborn einfach passe. "Hier kann ich mich optimal weiterentwickeln. Und hier werden Fehler toleriert. Denn auch ich befinde mich noch in einem permanenten Lernprozess", sagt der 40-Jährige, der ursprünglich keine Profitrainer-Karriere angestrebt hatte. Doch Breitenreiter hat es nicht bereut, dass er doch diesen Weg eingeschlagen hat. "Es ist ein Privileg, diesen Beruf auszuüben. Millionen Menschen würden gerne mit uns tauschen."

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