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Die Bielefelderin Milla Sagel ist die erste Deutsche Golferin der Pepperdine Universität im kalifornischen Malibu. Sie überzeugte ihre Trainerin schnell mit guten Leistungen. Fotos (2): Matthias Schlingmann - © matthias Schlingmann
Die Bielefelderin Milla Sagel ist die erste Deutsche Golferin der Pepperdine Universität im kalifornischen Malibu. Sie überzeugte ihre Trainerin schnell mit guten Leistungen. Fotos (2): Matthias Schlingmann | © matthias Schlingmann

Bielefeld Golferin Milla Sagel hat sich in Kalifornien ins Uni-Team gespielt

Die Bielefelderin Milla Sagel studiert an der Pepperdine Universität und hat schnell durch gute Leistung überzeugt. Über das Leben im Wohnheim und die Rolle von Weihnachten

Matthias Schlingmann
24.12.2021 , 23:00 Uhr

Malibu. Angefangen hat alles vor zehn Jahren mit einem Weihnachtsgeschenk. Im Bielefelder Musikerviertel unterhalb der Sparrenburg lag am Heiligabend unterm Weihnachtsbaum der Familie Sagel ein Gutschein. Ein Schnupperjahr im Bielefelder Golfclub für die achtjährige Milla, um Golf zu lernen zwischen Krebsbach und Twellbach.

„Bradley Kerr war mein erster Trainer, der hat mir das Golfspielen quasi beigebracht,“ sagt Milla Sagel heute. Die 18-Jährige sitzt auf der Terrasse des Moorpark Country-Clubs in Südkalifornien und nippt an ihrem Eiswasser; hinter ihr der Fairway des neunten Lochs von Canyon Crest. Dies ist einer der drei Moorpark-Kurse auf denen die beste Golferin aus OWL, als eine von acht Damen mit der Mannschaft der Pepperdine Universität trainiert, als erste Deutsche überhaupt.

Nach dem Abi an die Pepperdine Universität

Sagels Abitur am Bielefelder Helmholtz Gymnasium mit der Leistungskurskombination Sport und Englisch, „sei schon ein anspruchsvolles Programm gewesen, zwischen Schule, Training und Turnieren,“ sagt rückblickend ihr Stufenleiter und Englisch-Leistungskurslehrer, Oliver Paarmann: „In dieser Corona-Zeit ist Millas Jahrgang unter schwierigen Bedingungen zum Abitur gegangen und ich glaube schon, dass wir als Schule und Milla und ihre Familie da gut zusammengearbeitet haben.“

Milla Sagel beim Abschlag auf dem Creekside-Golfkurs, einem der Plätze auf denen sie mit ihrem Team trainiert. - © all rights reserved
Milla Sagel beim Abschlag auf dem Creekside-Golfkurs, einem der Plätze auf denen sie mit ihrem Team trainiert. | © all rights reserved

Nach ihrem Abitur suchte Sagel eine Universität in Kalifornien, an der sie professionelles Golfen und Studieren verbinden konnte. „Die Pepperdine Universität wollte mich haben, als Golferin und Studentin,“ sagt Sagel, „während der Coronazeit, war der Bewerbungsprozess ja viel unpersönlicher als sonst und viele der anderen Unis waren eher unverbindlich, aber zwischen Coach Gibbs und mir hat es einfach gefunkt.“

"Die Trainer schätzen es, wenn ich die Langschläfer pünktlich zum Bus bringe"

Sagel nahm ein Pepperdine Golf-Stipendium an, das einen Teil der Studiengebühren und Lebenshaltungskosten abdeckt. Coach Laurie Gibbs gilt im amerikanischen Frauengolf als Trainer-Legende. Seit 29 Jahren im Amt, hat Gibbs die, mit etwa 3.500 College-Studenten eher kleine, Privatuniversität in Malibu zu einer Macht in der West Coast Conference geformt. The Waves, so der Sportspitzname der Uni, zu deutsch „Die Wellen“, haben es unter Gibbs schon einmal bis zur amerikanischen Vizemeisterschaft gebracht.

„Milla ist eine fantastische junge Dame,“ erklärt Gibbs gegenüber dieser Zeitung: „Diesen Herbst hat sie sich hier toll eingelebt und arbeitet zielstrebig daran, ihr Golf zu verbessern.“ Als Sagel im September in Malibu ankam war es schon eine große Umstellung vom Golfen in Deutschland: Das Design der Golfplätze, das Gras, die Grüns, die Entfernungen werden in Yards statt in Metern angegeben, ein Yard sind 91.44 Zentimeter; da war schon viel neu und ungewohnt.

Auf der dritten Turnierrunde beste Pepperdine-Spielerin

Mit Semesterbeginn kamen gleich die ersten vier Turniere in New Mexico, Wisconsin, Colorado und Nordkalifornien. Das gemeinsame Fliegen und Reisen hat die Golferinnen als Team zusammenwachsen lassen. Auch wenn acht Spielerinnen zum Kader der Universität gehören, spielen auf Turnieren nur vier von ihnen als Team, eine fünfte Spielerin reist als Einzelspielerin mit, ihre Runden fließen nicht mit in die Mannschaftswertung ein. Doch es ist eine Chance Wettkampferfahrung zu sammeln und ins Team aufzurücken, sollte eine der vier gemeldeten Spielerinnen kurzfristig ausfallen.

Sagel reiste bei den ersten beiden Turnieren zunächst als Einzelspielerin mit, rückte aber schon beim zweiten Turnier, dem Badger Invitational in Wisconsin auf, als sich eine der vier Spielerinnen verletzte. Beim Badger Invitational spielte sich Sagel ins Stamm-Team der Pepperdine Wellen. Nach 54 Loch hatte Erstsemester Sagel das zweitbeste Gesamtergebnis ihrer Universität. Sie beendete ihre dritte Turnierrunde als beste Pepperdine-Golferin mit zwei Eagles und zwei Birdies und ihrer ersten College-Golf-Runde mit 1-unter Par. Danach war Milla Sagel immer im Pepperdine Line-Up.

Der Tag der Sportler-Studentin ist vollgepackt

Golfen als Unisport ist ein Vollzeit-Job neben dem Vollzeit-Studieren. Kommunikationswissenschaften und „International Business“ sind Sagels Studienschwerpunkte. Um 6 Uhr morgens fängt ihr Tag an mit Fitness-Training vor dem Frühstück, dann Vormittags-Vorlesungen, Mittagessen, Nachmittagstraining, Studienzeit, Papers schreiben, Vorträge vorbereiten, Abendessen und Schlafen – der Tag der Sportler-Studentin ist vollgepackt.

Seit Semesterbeginn lebt Sagel im Studentenwohnheim und teilt sich ihr Zimmer mit Ana Isabella Villarreal aus San Miguel im Hochland von Mexiko. Ana Isabella studiert Public Relations und ist keine Athletin. „Ich wollte mit meiner Mitbewohnerin über was anderes als Sport reden können,“ begründet Sagel, warum sie anders als viele Sportlerinnen ihrer Universität nicht mit einer anderen Athletin zusammen wohnt. Die beiden kommen gut klar. Wenn Sagel fürs Fitnesstraining früh aufsteht, dann schläft Ana einfach weiter.

Über Thanksgiving nach San Miguel

Für die Thanksgiving-Ferien, das amerikanische Erntedank-Fest Ende November, flogen die beide zu Villarreals Familie ins malerische San Miguel. Im Studentenwohnheim teilen sich jeweils zwei Studentinnen ein Zimmer, acht ein Badezimmer und 16 eine Küche. Da heißt es sich zu arrangieren und sich zu organisieren. „Wir Deutschen gelten ja hier in Amerika, als pünktlich und organisiert,“ sagt Sagel, „ich vertrete das auch wirklich. Die Trainer hier schätzen es, wenn ich meine Mitspielerinnen mit auf die ,deutsche Uhr’ nehme und selbst die Langschläfer pünktlich zum Mannschaftsbus mitbringe.“

Auf der Terrasse des Moorpark Country Clubs warteten wir auf ein Kamerateam der Stipendienagentur Scholarbook, das im Verkehr von Los Angeles festsaß. Marketingchef Alexander Haß und Kameramann Marvin Schön sind aus Deutschland eingeflogen, um Video-Portraits zu drehen von Deutschen Studenten, die mit Hilfe der Agentur in diesem Jahr Sportstipendien in den USA angenommen haben, darunter allein 35 Golferinnen. Haß sagt, sie drehten mit Sagel in der Gewissheit, „dass Milla mit ihrer aufgeweckten und offenen Art kein Problem haben wird, vor einer Kamera zu stehen“.

»In ihrer Altersklasse ist Milla sicherlich eine der besten, die NRW stellt«

Für den Dreh fährt Sagel mit ihrem Cart zum ersten Abschlag des Creekside-Kurses und demonstriert videogerecht Drives, Chips und Puts. Solange noch das Tageslicht zum Drehen ausreicht. Dann ein Interview am vierten Loch, zum Alltagsleben der Pepperdine-Sportstipendiatin. Nach 90 Minuten ist abgedreht, das Kamerateam zufrieden und wir fahren zurück zum Clubhaus.

Der Trainerstab der Pepperdine Universität hilft Sagel, ihr Spiel auf den amerikanischen Plätzen zu verbessern, auf denen auch der Großteil der professionellen Damentour (LPGA) gespielt wird. Beim Schwungtraining vertraut Sagel aber weiterhin Alexandra Schleining, der hauptamtlichen Landestrainerin des Golfverbandes Nordrhein Westfalen. Schleining hatte Milla vor drei Jahren gesichtet und in den Landeskader aufgenommen, sie sah Sagels Potenzial, „auch wenn Milla damals vom Handicap und ihrer Leistungsstärke eher unauffällig war.“

Über Face Time mit der Trainerin in Kontakt

„Durch Alexandra bin ich auch so gut geworden,“ sagt Sagel rückblickend, „sie hat mich wirklich großartig unterstützt.“ Über Face Time bleiben Golferin und Trainerin in Kontakt. Dabei hilft ihnen ein Trackman, ein Computer mit Doppelradarsystem. Aufgestellt auf der Driving-Range, zeichnet der Trackman Sagels Schläger- und Ballflug-Daten auf und bereitet die Daten zur Analyse auf. Die Trainerin kann so Sagels Schläge analysieren, Ratschläge geben, und Trainingseinheiten entwickeln über mehr als 9.000 Kilometer Entfernung und mit neun Stunden Zeitunterschied.

„In ihrer Altersklasse ist Milla sicherlich eine der besten, die NRW stellt“, sagt Schleining, „deutschlandweit gehört sie zu den Spielerinnen, die eine sehr hohe Perspektive haben, mal im Profisport anzukommen.“ Die professionelle Golf-Tour der Damen, LPGA, bleibt Sagels Traum. Dafür ist die bereit zu trainieren und zu studieren.

Weihnachten erstmals in Malibu

Damit sie auch in den Wintermonaten jeden Tag Golf spielen kann, wird Sagel dieses Jahr erstmals das Weihnachtsfest nicht im Bielefelder Musikerviertel sondern in Malibu verbringen. Vater Claus, Mutter Julia und Schwester Mathea sind auch da, um als Familie mit ihr zu feiern und Golf zu spielen. Den Großeltern in Brakel und Bad Salzuflen kann Milla diesmal nur per Internet-Video-Verbindung „Fröhliche Weihnachten“ wünschen. Welche Überraschung dieses Jahr unter dem Weihnachtsbaum liegen wird, weiß Milla Sagel nicht, doch ist ihr klar, dass das Weihnachtsgeschenk von vor zehn Jahren sehr dabei mitgeholfen hat, dass sie dieses Jahr in Südkalifornien feiern und Golf spielen kann.

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