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Der SC Verl unterliegt dem 1. FC Saarbrücken. - © Jens Dünhölter
Der SC Verl unterliegt dem 1. FC Saarbrücken. | © Jens Dünhölter

3. Liga Ausgerechnet Verls bester Spieler wird in Saarbrücken zum tragischen Helden

Der Drittligist hält beim 1. FC Saarbrücken ein 0:0 bis der überragende Torhüter Niclas Thiede in der Nachspielzeit einen Strafstoß verursacht.

Uwe Kramme
24.07.2022 , 11:15 Uhr

Verl. Kann eine so aufopferungsvoll kämpfende Fußballmannschaft ein Spiel unglücklicher verlieren, als der SC Verl den Drittligaauftakt beim 1. FC Saarbrücken am Samstag? „Vom Zeitpunkt her nicht", sagte Sportvorstand Raimund Bertels. Tatsächlich hatte Adriano Grimaldi den 1:0-Siegtreffer für den zuvor an Gästekeeper Niclas Thiede verzweifelnden Aufstiegsaspiranten erst in der fünften Minute der Nachspielzeit erzielt. Verls Trainer Mitch Kniat war angesichts der Saarbrücker Überlegenheit aber fair und objektiv genug, „einen verdienten Sieg der Gastgeber" einzugestehen, obwohl ihm die Enttäuschung nach der knapp verpassten Überraschung ins Gesicht geschrieben stand.

Verursacht hatte den ohne Frage berechtigten Strafstoß ausgerechnet Niclas Thiede, der überragende Mann auf dem Platz. Der Verler Keeper, der mit einem guten halben Dutzend zum Teil spektakulärer Paraden einen frühen Rückstand der Schwarz-Weißen verhinderte, hatte den frei zum Schuss ausholenden Jänicke von den Beinen geholt. Obwohl der Ball noch über die Linie rollte, gab es Elfmeter, denn Schiedsrichter Lukas Benen hatte den Vorteil nicht abgewartet und angesichts des klaren Fouls sofort gepfiffen.

"In so einer Situation muss ich als Verteidiger hingehen"

Kniat („Niclas hat ein tolles Spiel gemacht") war indes weit davon entfernt, seinem Goalie einen Vorwurf zu machen. Seine Kritik galt den Abwehrspielern, die erst den langen Ball von Richard Neudecker aus dem Mittelfeld unterschätzt und dann Jänicke nicht eng genug markiert hatten. Am nächsten dran war letztlich Nico Ochojski, der sich offenbar darauf verließ, dass Thiede herauskommen würde. „Darf er aber nicht. In so einer Situation, zu diesem Zeitpunkt muss ich als Verteidiger hingehen, wenn kein Kommando vom Torwart kommt", erklärte Bertels.

Der späte „K.o" war umso ärgerlicher, als die Verler Deckung nach den anfänglichen Schwierigkeiten mit den langen Schlägen der Saarbrücker auf ihre Spitze Jacob und den Dribblings ihres ehemaligen Mitspielers Kasim Rabihic (meistens gegen Ochojski) zunehmend sicherer geworden waren. Zwar kamen die Gastgeber auch nach den Versuchen von Scheu (8.), Kerber (16.) und Neudecker (18.) zu guten Möglichkeiten, aber Niclas Thiede schien sich einfach nicht bezwingen lassen zu wollen, wie er gegen Scheu (60.), Zeitz (74.), Grimaldi (75.) und Günther-Schmidt (80./88.) zeigte.

"Wir müssen im Abschluss einfach kaltblütiger werden"

In der 1. Halbzeit hatte der SC Verl außer bei einem Kopfball von Nick Otte nach einer Ecke (28.) offensiv so gut wie gar nicht stattgefunden. Für nennenswerte Aktionen waren aus dem Mittelfeld mit Mael Corboz, Dominik Klann und Leon Bürger schlicht zu wenig (sauber) gespielte Bälle zu Maximilian Wolfram in der Spitze sowie Cyrill Akono und Wladimir Wagner Außen gekommen. Immerhin wurden die Gäste nach dem Seitenwechsel mutiger und besser. Luca Stellwagen scheiterte nach einem Solo über den ganzen Platz an FCS-Keeper Batz (58.). Noch näher dran an einem Führungstreffer war Wolfram, der nach einem Biondic-Pass an Batz scheiterte (82.). Seine größte Tat vollbrachte der Saarbrücker Keeper aber erst, als ihm Joel Grodowski die Kugel aus spitzem Winkel durch die Hosenträger schieben wollte (88.).

„Wir müssen im Abschluss einfach kaltblütiger werden", trauerte Kniat den entgangenen Möglichkeiten nach, sich für den kämpferisch beherzten Auftritt mit einem Paukenschlag zu belohnen, der dem SC Verl im erwarteten Kampf um den Klassenerhalt so richtig gutgetan hätte. „Im Verlauf der 2. Halbzeit hätte das Spiel zu beiden Seiten kippen können", räumte Kollege Uwe Koschinat ein, bei dem verdienten Sieg wegen des späten Tores „auch Glück gehabt" zu haben.

Kniat erweist sich als fairer Sportsmann

Als fairer Sportsmann erwies sich Mitch Kniat im Interview mit Magenta-TV. Erst entschuldigte sich der Verler Coach („Das gehört nicht auf den Platz") für die „Schwalbe" mit der Joel Grodowski in der heißen Schlussphase einen Elfmeter schinden wollte. Dann tadelte der Coach Daniel Jara Cortina für die Rote Karte in der Nachspielzeit. Der Verler „Co" hatte einen Ball auf das Feld gerollt, als die Saarbrücker das Spiel gerade mit einem Einwurf fortsetzen wollten. „Fehler passieren, aber dieser nicht noch einmal", erklärte Kniat.

Raimund Bertels schaute da schon wieder nach vorn. „Wir dürfen wegen dieser unglücklichen Niederlage nicht zu lange Trübsal blasen, sondern müssen das Positive mitnehmen. Erst haben wir uns heute nach anfänglichen Schwierigkeiten gegen einen starken Gegner ins Spiel gekämpft. Dann haben wir in der 2. Halbzeit gezeigt, dass wir mithalten können, wenn wir mutig sind." Zu nutzen gilt es für den Sportvorstand jetzt die zweiwöchige Pause bis zum Heimspiel gegen Waldhof Mannheim. „Im Grunde genommen ist das wie eine Verlängerung der Vorbereitung um zwei Wochen", erklärte Bertels. Entwarnung gab der Sportvorstand („Vermutlich nur eine Prellung") angesichts der Schulterverletzung des erst am Freitag nachverpflichteten Nick Otto, der in der 80. Minute ausgewechselt werden musste.

FC Saarbrücken – SC Verl 1:0 (0:0)

1. FC Saarbrücken: Batz – Ernst (46. Krätschmer), Thoelke, Boeder, Schwede – Zeitz – Rabihic (62. Steinkötter), Neudecker, Kerber (73. Günther-Schmidt), Scheu (62. Jännicke) – Jacob (73. Grimaldi). Im Aufgebot: Bauer (Tw), Breuer, Frantz, Gnaase.

SC Verl: Thiede – Ochojski, Paetow, Otto (80. Berzel), Stellwagen – Bürger (73. Biondic), Klann, Corboz – Wagner (55. Grodowski), Wolfram, Akono (80. Baack). Im Aufgebot: Wiesner (Tw), Knost, Kohl, Dag, Probst.

Zuschauer: 9.127

Schiedsrichter: Lukas Benen (Nordhorn).

Rote-Karte: Daniel Jara Cortina (Co-Trainer SC Verl – Zeitspiel)

Gelbe Karten: Otto (Foul), Grodowski (Schwalbe), Wolfram (Zeitspiel).

Ecken: 7:5 (3:2)

Chancen: 11:4 (5:1)

Tor: 1:0 (90. + 5) Grimaldi FE

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