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Die Paderborner Bronze-Frauen, von links: Janina Kölsch, Alina Kuß, Tatjana Pinto und Chantal Butzek. - © Wofgang Birkenstock
Die Paderborner Bronze-Frauen, von links: Janina Kölsch, Alina Kuß, Tatjana Pinto und Chantal Butzek. | © Wofgang Birkenstock

Paderborn/Berlin Sprint-Königin Pinto pusht den LC Paderborn

Leichtathlethik: Bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin Doppel-Gold über 100 Meter und 200 Meter geholt und der Frauenstaffel zur Bronzemedaille verholfen.

Jörg Manthey
05.08.2019 | Stand 05.08.2019, 08:55 Uhr

Paderborn. Die 119. Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften im historischen Berliner Olympiastadion – nicht nur für die neue Sprint-Königin Tatjana Pinto waren sie ein unvergessliches Abenteuer. Stellvertretend für die schnelle Abordnung des LC Paderborn zeichnete Alina Kuß ein Stimmungsbild. "Ich habe einfach nur richtig krass geheult", bekannte das dritte Glied der LC-Topstaffel nach dem Gewinn der Bronzemedaille. "Das war absolut überwältigend, einmal in diesem Riesenstadion zu rennen, vor diesen ganzen Menschen, Tatjana Pinto den Stab zu übergeben und zusammen Bronze zu holen. Das war so krass, ich kriege schon wieder Gänsehaut, wenn ich davon rede." Alina Kuß war "einfach nur mega-stolz. Es ist gerade ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen." Etwa eine Stunde vor ihrem 200-Meter-Halbfinale verstärkte Tatjana Pinto am Sonntag wie zuvor versprochen als Schlussläuferin die 4 x 100-Meter-Staffel und führte sie im fünften und schnellsten Zeitlauf hinter MTG Mannheim und Bayer Leverkusen entspannt auf den Bronzerang. Zusammen mit Chantal Butzek, Janina Kölsch und Alina Kuß lief sie 44,62 Sekunden; knapp über Bestzeit (44,53). "Der erste Wechsel hat nicht gut funktioniert", erkannte Trainer Thomas Prange, der den Lauf auf der Großbildleinwand des Aufwärmplatzes verfolgt und insgeheim mit Platz zwei geliebäugelt hatte. Nach einem Fehlstart des (folglich disqualifizierten) LT DSHS Köln I stürmte das "zusammengewürfelte" zweite Quartett des LC Paderborn mit Marlene Funke, Ina Thimm, Luzie Probst und Estelle Potthast – Meldezeit 46,18 Sekunden – im vierten Lauf in 47,15 Sekunden auf Position fünf; in dieser Formation eine neue Bestzeit. "Damit können wir sehr zufrieden sein. Es war noch Potenzial in den Wechseln vorhanden. Wir sind ja noch nie so zusammen gelaufen", merkte Luzie Probst an und fand die Atmosphäre in dem gut besuchten Rund einfach nur "überwältigend". Beim letzten Wechsel wurden die Paderbornerinnen dazu irrititiert, als der fallen gelassene Stab der benachbarten Gladbeckerinnen nach rechts über ihre Bahn kullerte; Luzie Probst und Estelle Potthast mussten drüberhüpfen, um nicht zu stürzen. "Extrem Glücklich" Der LC Paderborn III mit den Youngstern Anna Semler, Nicole Rodehutscord, Laura Keuper und Franziska Keuper, Vierte der U20DM in Ulm, kam im ersten Vorlauf auf der ungünstigen Bahn 1 mit ebenfalls deutlich Luft in den Wechseln auf die neue Bestzeit von 47,84 Sekunden. Die Keuper-Schwestern zeigten sich nach dem Holzplatz der Vorwoche "extrem glücklich", dass sie die "super Atmosphäre in diesem besonderen Stadion" genießen durften. "Das war ein besonderes Gefühl. Dann noch eine Bestzeit auf die Bahn zu bringen, ist extrem gut." So ging der LC-Plan voll auf, wie der insgesamt zufriedene Thomas Prange erläuterte: "Die Jüngeren sollen schon mal die Luft großer Wettkämpfe schnuppern." Dass Tatjana Pinto vor 26.200 Zuschauern ihr energiegeladenes100-Meter-Finale in neuer deutscher Jahresbestzeit von 11,09 Sekunden zu ihrem dritten Nationalen Titel nach 2014 und 2016 veredeln konnte, »pushte« ihre Paderborner Kolleginnen und rang ihrem langjährigen Trainer Respekt ab. Thomas Prange: "Das war extrem gut. Sie ist ja gar nicht richtig gefordert worden. Tatjana profitiert von ihrem neuen professionellen Umfeld. Wenn du in die Weltspitze willst, geht es nicht anders." Prange traut der 27-Jährigen, die in Münster lebt und sich einer internationalen Trainingsgruppe ihres Ausrüsters Puma um Erfolgstrainer Rana Reider in Wattenscheid angeschlossen hat, alsbald eine Zeit von unter elf Sekunden zu. Gina Lückenkemper erwies sich als faire Verliererin. »Chapeau, ich ziehe meinen Hut. Tatjana war besser war und hat echt ein saustarkes Rennen geliefert«, räumte sie hinterher ein. Nachdem Tatjana Pinto den Vorlauf ungefährdet (und schon 30 Meter vor dem Ziel mit angezogener Bremse) in 22:98 Sekunden gewinnen konnte, prophezeite Thomas Prange mit Kennerblick für ihr 200-Meter-Finale eine Zeit von »unter 22:50 Sekunden«. Letztlich wurden daraus immernoch prächtige 22,65 Sekunden, noch eine deutsche Jahresbestleistung. Das Pinto’sche Sprint-Double war perfekt, wie 2018 in der Halle. Und bis zur WM in Doha ist ja noch etwas Zeit.

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