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Da fliegt nicht nur der Ball: Beim Schuss aufs Tor erwischen die Stollenschuhe immer wieder auch einige Grashalme und das eingefüllte Granulat. - © flooy/pixabay
Da fliegt nicht nur der Ball: Beim Schuss aufs Tor erwischen die Stollenschuhe immer wieder auch einige Grashalme und das eingefüllte Granulat. | © flooy/pixabay

Kreis Paderborn Mikroplastik-Verbot: So reagieren Sportvereine auf die Kunstrasen-Debatte

Kunstrasenplätze im Kreis Paderborn müssen künftig vielleicht auf Kunststoffgranulat verzichten.

Kristina Grube
02.08.2019 | Stand 02.08.2019, 13:59 Uhr

Kreis Paderborn. Die EU plant ein Verbot für Mikroplastik und das könnte für Fußballvereine im Kreis Paderborn Konsequenzen haben. Zumindest für diejenigen, die ihren Kunstrasenplatz mit einem Granulat aus Kunststoff aufgefüllt haben. Denn sollte der Beschränkungsvorschlag der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) in Kraft treten, dürfte das Kunststoffgranulat bereits ab 2022 nicht mehr verwendet werden. Eine Zukunftsvision, die bei vielen Vereinen und Kommunen zu Verunsicherung führte – nicht zuletzt aber auch zu Missverständnissen. Ob es wirklich zu einem Verbot kommt, stehe noch längst nicht fest, betont das Bundesumweltministerium in einer Meldung. Außerdem gehe es ausschließlich um den Neueintrag oder das Nachfüllen von Kunststoffgranulat und nicht, wie teils vermutet, um den Abriss bestehender Sportplätze. Bereits bestehende Kunstrasenplätze müssten nicht sofort erneuert oder stillgelegt werden, betonte auch die NRW-Landesregierung. Denn der Kunstrasen selbst stehe gar nicht im Fokus, sondern nur das Granulat, für das es bereits Alternativen gebe. Gemisch aus Kork und Quarzsand als Alternative Eine dieser Alternativen wird schon bald beim SV Hederborn-Upsprunge in Salzkotten bespielt. Hier laufen die Arbeiten an einem Kunstrasenplatz, der beim Granulat auf ein Gemisch aus Kork und Quarzsand setzt. „Zum Glück haben wir uns gegen das Kunststoffgranulat entschieden", sagt Wolfgang Hecker, Fußballobmann des SV Upsprunge. Wenn auch aus einem ganz anderen Grund. „Das Granulat steht im Verdacht, krebserregend zu sein und das Risiko wollten wir nicht eingehen", erklärt er. Sowohl die Mitglieder des Vereins als auch Salzkottens Bürgermeister Ulrich Berger sowie andere Vertreter der Stadt unterstützten das Vorhaben, sodass das Bauprojekt für 468.000 Euro gestartet werden konnte. „Das ist für uns eine riesige Summe. Die eine Hälfte wird von der Stadt Salzkotten bezuschusst, die andere Hälfte trägt der Verein", erklärt Hecker. Weil der Verein selbst einige Arbeiten übernehme, könne einiges an Geld eingespart werden. Bis Anfang Oktober soll der Platz, auf dem sich aktuell erst die unterste Schicht mit Schotter befindet, fertiggestellt sein. Nun folgen eine Nivellierschicht, elastische Geotextil-Platten, der Kunstrasen und die abschließende Füllung mit dem Kork-Sand-Gemisch. Hybridrasen beim SCC Scharmede Anders als beim Naturrasen können Fußballspieler auf Kunstrasen ganzjährig und ohne eine Erholungszeit für das Grün spielen. Ganz ohne Pflege kommt die Anlage aber nicht aus: Eine spezielle Pflegemaschine für 20.000 Euro müsse das Granulat auflockern und verteilen. Der neue Kunstrasenplatz soll künftig auch von anderen Vereinen genutzt werden – zum Beispiel vom SCC Scharmede, der seit 2017 auf seinem eigenen Platz einen Hybridrasen hat. Stark beanspruchte Bereiche wie das Tor und der 16-Meter-Raum würden hier durch einen Kunstrasenanteil von bis zu 15 Prozent gefestigt und das Ganze käme ganz ohne Granulat aus, erklärt Vereinsvorsitzender Detlef Bentler. Der FSV Bad Wünnenberg-Leiberg weiht seinen neuen Kunstrasenplatz am 10. August ein. Auch hier hat man sich Gedanken zur aktuellen Granulat-Debatte gemacht. Man habe sich bewusst gegen ein Kunststoffeinfüllmaterial entschieden. „Für uns war von Anfang an klar, dass wir Kork einsetzen", sagt Kunstrasenprojektleiter und zweiter Vorsitzender des FSV Björn Hesse. Kork sei ein Naturprodukt und belaste nicht die Umwelt. Und noch ein Novum für den Kreis Paderborn gebe es: Ein Unterboden aus recyceltem Material. Umbau von 18 Kunstrasenplätzen Den Umbau von 18 Kunstrasenplätzen mit Kautschuk-Granulat hat die Stadt Paderborn geplant. Sie erteilte aber dem Korkgranulat eine Absage. Bereits im Mai 2017 wiesen die Bündnisgrünen in einer Sitzung des Sportausschusses auf den Umweltaspekt hin, dass das Gummigranulat eine wesentliche Quelle für die Verbreitung von Mikroplastik im Meer darstelle. Zwei Jahre später, im Mai 2019, wurde dem Antrag der Grünen doch stattgegeben, eine Sanierung eines Kunstrasenplatzes pro Kalenderjahr wurde geplant. „Bisher ist noch kein Platz mit einem alternativen Material verfüllt, jedoch wird bereits seit längerer Zeit kein Granulat mehr nachgefüllt", erklärt Kristina Stog von der Pressestelle der Stadt Paderborn.

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