Bewährtes Duo: Amanal Petros (r.) startet zwar nun für den TV Wattenscheid, setzt aber weiterhin auch auf die Dienste seines Brackweder Heimtrainers Thomas Heidbreder. - © Claus-Werner Kreft
Bewährtes Duo: Amanal Petros (r.) startet zwar nun für den TV Wattenscheid, setzt aber weiterhin auch auf die Dienste seines Brackweder Heimtrainers Thomas Heidbreder. | © Claus-Werner Kreft

Paderborn Amanal Petros geht beim Paderborner Osterlauf auf Bestzeitjagd

Der aus Eritrea stammende Bielefelder peilt am Samstag über 10 Kilometer eine Zeit unter 28:49 Minuten an

Claus-Werner Kreft
19.04.2019 | Stand 18.04.2019, 19:20 Uhr

Paderborn/Bielefeld. Die zehn Straßenlauf-Kilometer liegen Amanal Petros: Auf dieser Strecke wurde der aus Eritrea stammende Leichtathlet im Jahre 2017 erstmals Deutscher Meister in der Hauptklasse, nachdem er als Jugendlicher und Junior bereits elf DM-Titel eingesammelt hatte. Und über zehn Kilometer lief er 2015 in 28:49 Minuten im Trikot der SV Brackwede auch seinen bislang einzigen Westfalenrekord. Der ist in Gefahr, wenn Petros an diesem Samstag beim 73. Paderborner Osterlauf antritt – auf einem Kurs, der als einer der schnellsten in Deutschland gilt.

Denn in der nationalen Top-Ten-Bestenliste aller Zeiten findet man Paderborn gleich vier Mal. Hier erzielte der Leipziger Carsten Eich anno 1993 seinen bis heute bestehenden deutschen Rekord (27:47 Minuten). Hier näherte sich 22 Jahre später Homiyu Tesfaye dieser Marke bis auf vier Sekunden. „Die Strecke ist rund und gut zu belaufen", urteilt Petros, der als 17-Jähriger schon einmal Bekanntschaft mit ihr gemacht hatte.

Die Olympischen Spiele 2020 sind das große Ziel

Beim Osterlauf 2013 fiel er noch nicht sonderlich auf. Doch seine 31:28 Minuten (Rang drei in der U 20) waren damals immerhin Bielefelder Kreisjugendrekord, den Petros noch im selben Jahr auf stolze 29:52 Minuten verbesserte. Inzwischen konnte er sein Leistungsniveau immer mehr anheben und auch international Profil gewinnen. So trug der Bielefelder 2017 in Frankreich als 5.000-MeterDritter dazu bei, dass Deutschland Team-Europameister wurde. Bei der U-23-EM in Polen holte Petros dann Silber über 10.000 Meter.

Seinen Lebensmittelpunkt hat der 23-Jährige weiterhin in Bielefeld. Petros wechselte aber jüngst von der SV Brackwede zum TV Wattenscheid, der ihm gute Bedingungen bieten kann, sich seinen Traum von Olympia 2020 zu erfüllen. Unter dem erfahrenen TVW-Coach Tono Kirschbaum trainiert er einige Tage pro Woche im Ruhrgebiet. Daheim betreut ihn der Brackweder Thomas Heidbreder jetzt als Co-Trainer.

Petros strebt eine deutsche Jahresbestzeit an

„Ich traue Amanal zu, in Paderborn noch viel dichter als bisher an die 28 Minuten heranzulaufen", sagt Heidbreder. Temperaturen von etwas mehr als 20 Grad sieht er nicht als Problem, „Als ihm vor elf Monaten in Belgien über 5.000 Meter die Steigerung auf 13:34,15 Minuten gelang, war es noch viel wärmer", berichtet der Brackweder Coach. Vieles deutet also darauf hin, dass beim Osterlauf ein Westfalenrekord zu bejubeln sein wird. Und wohl auch eine deutsche Jahresbestzeit. Die lief mit 28:43 Minuten ein anderer in Eritrea geborener Läufer: Der im vergangenen Jahr eingebürgerte Samuel Fitwi.

In zwei Höhentrainingslagern – das erste in Kenia, das zweite kürzlich in Arizona (USA) – hat Petros in diesem Jahr seine Form aufgebaut. In den beiden ersten Halbmarathons seiner Laufbahn hat er sie eindrucksvoll bestätigt: Erst gab’s 63:32 Minuten unter schwierigen Bedingungen in Verona, dann 62:32 Minuten bei idealen Temperaturen (18 Grad) und auf optimaler Strecke in Berlin. „Jetzt freue ich mich auf Paderborn", versichert Petros, „hier möchte ich so schnell wie möglich sein." Top-Konkurrenz wie das afrikanische Trio, das am vergangenen Sonntag in Würzburg mit 27er-Zeiten glänzte, hat er nicht nur erwartet – er hat sie sich auch gewünscht. „Dann muss ich mich nicht selbst um die Tempoarbeit kümmern", erklärt Petros. Eine überzeugende Leistung wäre ein Motivationsschub für die bald beginnende Bahnsaison, denn auch im vorolympischen Jahr locken sportliche Traumziele.

WM-Chance über 5.000 Meter

Freilich sind die nationalen Qualifikationsnormen für die WM in Doha keine niedrige Hürde: 13:22,50 Minuten über 5.000 Meter, 27:40 Minuten über 10.000 Meter. „Auf der kürzeren Distanz habe ich wohl die größere Chance", meint Petros, dessen Bahn-Bestzeit für die 10.000 Meter bei 28:29 Minuten steht.

Gern würde er – nur eine Woche nach der Leichtathletik-DM am 4. und 5. August in Berlin – Deutschland auch wieder als 5.000-Meter-Läufer bei der Team-EM (diesmal in Norwegen) vertreten. Hinter seiner Planung für 10.000-Meter-Bahnrennen stehen noch Fragezeichen. Am 8. Juni geht es in Essen um den DM-Titel. Doch Petros könnte stattdessen auch ein Rennen in Stockholm laufen. Wie auch immer: Auf den 23-Jährigen wartet eine spannende Saison. Und ein spannender Osterlauf.

Information

Es werden wieder mehr als 11.000 Starter erwartet

- Eines steht schon jetzt fest: Die 73. Auflage des Paderborner Osterlaufes wird in Sachen Teilnehmerzahlen ein voller Erfolg. So dürften am Karsamstag erneut 11.000 Läuferinnen und Läufer die Rennen in Angriff nehmen. Allein 4.400 Teilnehmer zählt der 10-Kilometer-Lauf, der neben Masse auch viel Klasse zu bieten hat.

- Bei den Männern sollten vor allem Vincent Kibet, Lawi Kosgei (beide Kenia) und Yasin Hajy (Äthiopien), die am vergangenen Sonntag beim Würzburger Residenzlauf die Podestplätze belegten, beim "Zehner" die 28-Minuten-Marke knacken können. Bei den Frauen ist Deutschlands dreimalige Leichtathletin des Jahres über 10 Kilometer mit dabei: Gesa Krause will ihre Bestzeit (33:29 Minuten) knacken. Die Topfavoritinnen kommen aber auch hier aus Kenia und Äthiopien.

- Zeitplan Samstag, 20. April: 10.45 Uhr Bambini-Lauf Kindergärten; 11.15 Uhr 5 Kilometer; 11.25 Uhr Nordic Walking; 12.15 Uhr Bambini-Lauf Grundschulen; 12.40 Uhr 10 Kilometer; 14 Uhr Inline-Skating-Halbmarathon; 15 Uhr Halbmarathon (Start und Ziel jeweils am Paderborner Sportzentrum Maspernplatz).

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