In Verne geht es bei der Fußball-Simulation „FIFA 19" um die Offenen Salzkottener Stadtmeisterschaften. Der Fußball- und Leichtathletikverband ist dabei Mitausrichter. - © picture alliance/KEYSTONE
In Verne geht es bei der Fußball-Simulation „FIFA 19" um die Offenen Salzkottener Stadtmeisterschaften. Der Fußball- und Leichtathletikverband ist dabei Mitausrichter. | © picture alliance/KEYSTONE

Salzkotten Titelkampf an der Playstation: Premiere für E-Sports-Turnier in Salzkotten

In Verne steigen am Sonntag Titelkämpfe im E-Soccer. Mitveranstalter ist der FLVW. Der Verband sieht die Chance, Kinder und Jugendliche durch Fußball-Simulationen an die Vereine zu binden

Frank Beineke
12.01.2019 | Stand 12.01.2019, 13:04 Uhr |

Salzkotten-Verne. In diversen Ländern wie den USA, China, Frankreich, Brasilien oder Südkorea ist E-Sport längst eine anerkannte Sportart. Die Computerspiel-Wettkämpfe werden immer populärer, füllen riesige Arenen und locken mitunter mit Preisgeldern im zweistelligen Millionenbereich. Auch in Deutschland gibt es geschätzt bis zu 4,5 Millionen organisierte E-Sportler. Die Anerkennung als Sportart aber steht weiterhin aus. Erst im Dezember bekräftigte der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) seine ablehnende Haltung. Der Deutsche Fußball-Bund und seine Landesverbände sind da offener. So ist der Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen (FLVW) sogar Mitausrichter von E-Soccer-Turnieren - und eines davon steigt an diesem Sonntag in der Sporthalle in Verne. Dann bitten der SC RW Verne und der FLVW zu den ersten Offenen Salzkottener Meisterschaften im E-Soccer. "Ballerspiele" sind für den DFB tabu Der Begriff "E-Soccer" zeigt hierbei schon, dass sich der DFB und seine Landesverbände bei ihrem Engagement auf Fußball-Simulationen beschränken möchten. Die Strategie-Spiele und vor allem die so genannten Ego-Shooter, die im E-Sport auch sehr populär sind, würden dagegen nicht zu den "satzungsgemäßen Werten" passen, so der DFB. "Wir wollen keine Spiele fördern, in denen Kinder auf andere schießen und das Ganze auch noch als Sport bezeichnet wird", betont DFB-Präsident Reinhard Grindel im Positionspapier seines Verbandes. Fußball-Simulationen wie "FIFA" oder "Pro Evolution Soccer" würden dagegen eine große Chance beinhalten. "E-Soccer ist eine Möglichkeit, um Kinder und Jugendliche wieder in die Vereine hineinzubekommen. Und wenn es ganz toll läuft, können die Vereine sie damit am Ende wieder auf den Fußballplatz locken", sagt Manfred Schnieders. "Ob es tatsächlich funktioniert, ist eine andere Frage. Aber man sollte es zumindest probieren", ergänzt der FLVW-Vizepräsident, dessen Heimatverein der SC RW Verne ist. Und eben jener Sportclub bittet am Sonntag zum Turnier. Die 60 Startplätze dürften zwar nicht ausgebucht sein. Doch gut 45 E-Sportler werden wohl am Start sein, wenn ab 10 Uhr an den Spielkonsolen bei "FIFA 19" um den Titel gezockt wird. Am Nachmittag sollen hierbei die SCP-Profis Uwe Hünemeier und Jamilu Collins beim Turnier in Verne vorbeischauen. Viele Fußballvereine haben eigene E-Sports-Abteilung Sieben Ligakonkurrenten des SC Paderborn haben schon eine E-Sports-Abteilung. Von den Erstliga-Klubs sind es sogar acht Vereine. Sie alle haben das immense Potenzial dieses riesigen Marktes entdeckt und lassen sich den Spaß einiges kosten. Der FC Schalke 04, der 2016 seine E-Sport-Abteilung gründete, leistet sich beispielsweise Profi-Spieler aus Südkorea, Schweden, Belgien und Kanada. Die Schalker mischen mit ihren Teams hierbei nicht nur bei den Fußball-Simulationen, sondern auch beim Fantasy-Spiel-Klassiker "League of Legends" mit. So stand eine Schalker Mannschaft im vergangenen Jahr in Madrid im Finale der "European League of Legends Championship Series". Auch einige Amateurvereine aus dem FLVW-Gebiet wie der FC Gütersloh oder die SpVg. Steinhagen spielen bereits mit dem Gedanken, eine E-Sport-Abteilung zu gründen. Aber man müsse auch nicht gleich eine eigene Abteilung haben. Schalker haben bereits diverse Titel geholt "E-Soccer kann beispielsweise auch als Freizeitangebot dienen, mit denen die Bindung zum Verein gestärkt wird. Gerade in den Zeiten des Jahres, in denen kein Fußball gespielt wird", sagt Schnieders. Reine E-Sport-Vereine aber können auch künftig erst einmal kein Mitglied im DFB und FLVW werden. Vorher müsste der DOSB den E-Sport als offizielle Sportart anerkennen. Die Teilnehmer der ersten Offenen Salzkottener Stadtmeisterschaften wird das alles nicht großartig beschäftigen. Sie werden am Sonntag nicht nur um den Titel, sondern auch um die Startplätze für das Finale um den E-Football-Westfalenpokal kämpfen. Der Austragungsort des besagten Finales und ein exakter Termin stehen noch nicht fest. "Aber ich könnte mir gut vorstellen, dass das Finale auf Schalke steigt. Das ist schließlich unser Vorzeigeverein in Sachen E-Sport", sagt Manfred Schnieders. So haben die Schalker in den vergangenen Jahren diverse Titel eingeheimst - allerdings nur an der Xbox und der Playstation, versteht sich.

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