Konzentration ist alles: Heinrich Liekmeier trainiert regelmäßig im Elsener Schießsportzentrum am Mühlenteich. - © Frank Beineke
Konzentration ist alles: Heinrich Liekmeier trainiert regelmäßig im Elsener Schießsportzentrum am Mühlenteich. | © Frank Beineke

Paderborn Mit 86 Jahren als ältester aktiver Schütze beim SSV St. Hubertus Elsen

Schießsport: Ehrenschießmeister Heinrich Liekmeier ist der älteste aktive Schütze des SSV St. Hubertus Elsen. Er genießt das Vereinsleben und das Miteinander von Jung und Alt

Frank Beineke
27.12.2018 | Stand 27.12.2018, 13:11 Uhr

Paderborn. Heinrich Liekmeier konzentriert sich und visiert die Zehn an. Die hat gerade mal den Durchmesser eines Stecknadelkopfes. Sein Anschütz-Luftgewehr bewegt sich nicht einen Millimeter. Dann drückt er ab. Auf dem Monitor blinkt eine 9,7 auf. "Es kann ja nicht immer eine Zehn sein", sagt Liekmeier mit einem Schmunzeln. Aber es ist bei ihm fast immer eine Zehn - dabei feiert der Luftgewehr-Schütze vom SSV St. Hubertus Elsen am 4. Januar seinen 87. Geburtstag. Heinrich Liekmeier ist das älteste Mitglied des Vereins. "Und Heinrich ist einer, der immer vorne weggeht", betont der SSV-Vorsitzende Markus Quickstern, der zugleich ein Teamkollege des 86-Jährigen ist. Denn Liekmeier schießt auch noch für die Elsener Senioren-Mannschaft in der Luftgewehr-Bezirksliga 46+. Drei Mal kam er in den vergangenen Jahren hierbei auf die Maximal-Ausbeute von 300 Ringen. Seine Saisonbestmarke liegt bei 297 Ringen. Als Schloß Neuhäuser wurde er Schießmeister in Elsen Dem Schützenwesen frönt Liekmeier schon seit fast 70 Jahren. Damals trat er in seinem Heimatort Schloß Neuhaus in den Schützenverein ein. 1952 zog er nach Elsen. Liekmeier wurde Mitglied der St. Hubertus-Schützenbruderschaft. 1967 wählten ihn die Hubertus-Schützen zum Kompanie-Schießmeister. "Als Schloß Neuhäuser Schießmeister in Elsen zu werden, das heißt schon was. Neuhaus und Elsen - das ist schließlich wie Feuer und Wasser", sagt der 86-Jährige, der 1975 zweiter Bataillonsschießmeister wurde. Zudem reüssierte er als Königsoffizier (1981) und Apfelprinz (1991). 2003 sicherte er sich in seiner Altersklasse den zweiten Platz bei der Bundesmeisterschaft. Es war Liekmeiers größter Erfolg im aktiven Schießsport, zu dem er Mitte der 60er-Jahre gekommen war. "Ein Nachbar hat sich bei mir ständig eine Kabellampe ausgeliehen. Da hab ich ihn eines Tages gefragt, wozu er die eigentlich braucht. Er sagte, er beleuchte damit seinen Schießstand. Da bin ich einfach mal mit. Und es hat mir sofort gefallen", berichtet Liekmeier, der sich schnell ein eigenes Gewehr zulegte. Im Elsener Schießsportzentrum ist immer was los Seine Ehefrau Anni teilte mit ihm die Leidenschaft für den Schießsport. So wurde Anni Liekmeier 1978 die erste aktive Schützin der damaligen Elsener Schießsportabteilung. Sohn Hans-Josef war 2004 der Elsener Schützenkönig. Und auch Enkel Andre ist als Sportschütze aktiv. Vor drei Jahren starb Heinrich Liekmeiers Frau Anni. Seitdem schaut der Ehrenschießmeister noch häufiger im Elsener Schießsportzentrum am Mühlenteich vorbei. "Hier ist immer Leben, hier ist immer Betrieb", sagt der rüstige 86-Jährige. Und während er auf einem Stuhl sitzend die nächste Zehn ins Visier nimmt, steht neben ihm einer der jüngsten Schützen des SSV Elsen: Ferdi Glitz. Der Elfjährige müsste eigentlich noch mit einem Lasergewehr schießen, doch dank einer Ausnahmegenehmigung zielt auch er mit einem richtigen Luftgewehr. Der Steppke entdeckte seine Liebe zum Schießsport beim Elsener Dorffest, bei dem der SSV mit einem Stand vertreten war. Mittlerweile hat Ferdi in der Schülerklasse schon die ersten Erfolge eingefahren. Seine Bestleistung steht bei 140 von 150 möglichen Ringen. "Aber die 150 sind mein Ziel", betont Ferdi Glitz und lädt die nächste Kugel nach. "Das Miteinander von Jung und Alt macht unser Vereinsleben aus. Es funktioniert einfach, da gibt's keine Konflikte", sagt Markus Quickstern und fügt an: "Meistens sind unsere Senioren auch die größten Fans der kleinen Nachwuchsschützen." Als Fan ist auch Heinrich Liekmeier regelmäßig auf Achse. So verpasst der 86-Jährige fast keinen Bundesliga-Wettkampf von Elsens erster Mannschaft. Und auch Liekmeier hätte keine Probleme damit, so wie die Bundesliga-Asse vor vielen Zuschauern zu schießen. "Viele Schützen mögen es nicht, wenn sie beobachtet werden. Aber mir macht es dann erst richtig Spaß", sagt das SSV-Urgestein und konzentriert sich auf den nächsten Schuss. Es wird eine 10,6. Geht doch.

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