Gute Miene zum bösen Spiel: Die Paderborner 4 x 100-Meter-Staffel um (v. l.) Laura Pazmandi, Alina Kuß, Enie Schwenke und Anna Semler lief ein starkes Rennen, wurde aber undankbarer Vierter. Grund war eine äußerst umstrittene Jury-Entscheidung. - © Iris Hensel
Gute Miene zum bösen Spiel: Die Paderborner 4 x 100-Meter-Staffel um (v. l.) Laura Pazmandi, Alina Kuß, Enie Schwenke und Anna Semler lief ein starkes Rennen, wurde aber undankbarer Vierter. Grund war eine äußerst umstrittene Jury-Entscheidung. | © Iris Hensel

Heilbronn/Paderborn Die Jury sorgt für Unmut beim LC Paderborn

Leichtathletik: Sprint-Asse leiden bei den Deutschen U23-Meisterschaften in Heilbronn unter fragwürdigen Entscheidungen des Kampfgerichts. Die Frauen-Staffel darf aber noch auf Bronze hoffen

Heilbronn/Paderborn. Die Sprint-Asse des LC Paderborn hatten bei den Deutschen U23-Leichtathletik-Meisterschaften in Heilbronn jede Menge Pech. Zum einen gab's diverse Verletzungsprobleme. Zum anderen sorgten fragwürdige Entscheidungen von Kampfgericht und Jury für reichlich Frust. Am Ende blieb der LC ohne die erhoffte Medaille. Immerhin aber gab es tolle persönliche Bestleistungen. Und mit Mareen Kalis heimste eine langjährige LC-Athletin aus Schloß Neuhaus einen deutschen Vizemeister-Titel über 800 Meter ein. Ganz nah dran am Podest war auch Noel Thorwesten. Der 19-jährige Westenholzer, der in dieser Saison immer wieder durch Probleme mit der Kniekehle zurückgeworfen wurde, sorgte im Halbfinale für einen Paukenschlag. Dort nämlich verbesserte Thorwesten seine persönliche Bestzeit um 23 Hundertstel auf 10,35 Sekunden. Dabei hatte er nach 80 Metern sogar Tempo rausgenommen. Im Finale erwischte der LC-Sprinter erneut einen glänzenden Start. "Noel hätte das Rennen wohl gewonnen", mutmaßt sein Trainer Thomas Prange. Doch sein Schützling hatte die Rechnung ohne das Kampfgericht gemacht, denn Thorwesten wurde wegen eines vermeintlichen Fehlstarts disqualifiziert. Thorwesten macht Hoffnung auf die "große" DM Die Startpistole hatte bereits vor dem eigentlichen Schuss einen Klick abgegeben, der die Finalteilnehmer irritierte. Der Start hätte somit eigentlich wiederholt werden müssen. Doch das Kampfgericht nahm die Disqualifikation des Paderborners nicht zurück. "Das ist mehr als ärgerlich. Aber es bleibt eine super Bestzeit, mit der Noel auch bei den Deutschen Meisterschaften in Nürnberg in den Endlauf kommen kann", sagt Prange, der seinem jungen Athleten sogar eine Zeit unter 10,30 Sekunden zutraut. Noch weitaus unverständlicher war eine Jury-Entscheidung in der 4 x 100-Meter-Staffel. Hier war das siegreiche Quartett von der MTG Mannheim wegen zweier Wechselfehler zunächst disqualifiziert worden. Anna Semler, Enie Schwenke, Alina Kuß und Laura Pazmandi vom LC Paderborn, die hinter Mannheim, Gladbeck und Dortmund als Vierte ins Ziel gekommen waren, hätten damit Bronze geholt. Doch nachdem Gladbeck, Dortmund und Paderborn bereits ihre Medaillen erhalten hatten, wurde die Disqualifikation Mannheims urplötzlich aufgehoben. Dabei konnten Video-Aufnahmen zumindest einen der beiden Mannheimer Wechselfehler eindeutig dokumentieren. "Ich bin noch immer geschockt über die Entscheidung", erklärt Thomas Prange. Ein Protest läuft. Nun ist der Rechtsausschuss des Deutschen Leichtathletikverbandes am Zug. Vielleicht erhalten die vier LC-Sprinterinnen ja doch noch Bronze. Verdient wäre die Medaille allemal, denn das ersatzgeschwächte Quartett lief bei schwierigen Windbedingungen in 47,16 Sekunden ein starkes Rennen. Dabei musste die Paderborner Staffel nicht nur auf die weiterhin verletzte Estelle Potthast, sondern auch auf die angeschlagene Chantal Butzek verzichten. Medaillen-Kandidatin Butzek hatte in den Einzelrennen zwar noch den Vorlauf über 100 Meter absolviert, musste dann aber aufgrund von Beckenproblemen auf ihre weiteren Starts verzichten. Mareen Kalis sichert sich den Vizemeister-Titel über 800 Meter Alina Kuß und Enie Schwenke sprangen für ihre Teamkollegin jedoch prima in die Bresche und erzielten in den Vorläufen und im Halbfinale neue persönliche Bestzeiten. Kuß verbesserte sich von 11,94 auf 11,85 Sekunden. Schwenkes Bestzeit steht nun bei 12,01 Sekunden. Für das A-Finale sollten diese Zeiten allerdings nicht ausreichen. Alina Kuß landete auf einem respektablen zwölften Platz. Über 200 Meter war für die beiden LC-Athletinnen nach den Vorläufen Endstation. Mareen Kalis aber konnte ihre bereits ziemlich stattliche Sammlung an DM-Medaillen erweitern. Die langjährige Erfolgsgarantin des LC Paderborn, die für die LG Stadtwerke München startet, sicherte sich in Heilbronn den Vizemeister-Titel über 800 Meter. Die aus Schloß Neuhaus stammende Medizin-Studentin musste sich in 2:07,15 Minuten lediglich der überragenden Topfavoritin Sarah Schmidt (Bayer 04 Leverkusen, 2:03,58 Minuten) geschlagen geben.

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