Unvergessliches Erlebnis: Bei den Deutschen Meisterschaften 2012 in Wattenscheid holte Inna Weit erstmals Gold über 200 Meter. Nach dem Zieleinlauf strahlte die Paderbornerin übers ganze Gesicht. Weit spricht heute vom schönsten Moment ihrer Karriere. - © Sven Simon
Unvergessliches Erlebnis: Bei den Deutschen Meisterschaften 2012 in Wattenscheid holte Inna Weit erstmals Gold über 200 Meter. Nach dem Zieleinlauf strahlte die Paderbornerin übers ganze Gesicht. Weit spricht heute vom schönsten Moment ihrer Karriere. | © Sven Simon

Paderborn Paderborner Sprinterin Inna Weit beendet Karriere

Leichtathletik: Die Erfolgsgarantin des LC Paderborn will das "normale Leben" genießen und mehr Zeit für Familie und Freunde haben

Frank Beineke

Paderborn. "Ich brauche unbedingt etwas Neues für meinen Kopf", hatte Inna Weit vor einem Jahr zu ihrem Wechsel von den Sprintstrecken auf die 400-Meter-Distanz gesagt. Für die erfahrene Leichtathletin vom LC Paderborn lief es auf der Stadionrunde nach anfänglichen Anpassungsproblemen dann auch ganz ordentlich. Bei den Deutschen Meisterschaften in Erfurt stand im Juli über die 400 Meter ein beachtlicher fünfter Platz zu Buche. Dennoch sagt Inna Weits Kopf nun, dass es genug ist. Die dreimalige deutsche 200-Meter-Meisterin hat im Alter von 29 Jahren ihre Karriere beendet. "Bei den Deutschen Meisterschaften habe ich zwar noch einmal richtig Spaß gehabt. Aber ich hatte eigentlich schon vorher häufig ans Aufhören gedacht. Denn ich möchte nun auch mal das normale Leben genießen", erklärt Paderborns Sportlerin des Jahres 2012. Es ist ein Abschied ohne Wehmut oder gar Groll. Inna Weit blickt vielmehr dankbar und zufrieden auf erfolgreiche Jahre zurück, in denen sie sich peu à peu in die nationale Spitze vorgearbeitet hatte. "Ich war sicher nicht das größte Talent. Ich musste extrem viel Fleiß investieren und im Training hart arbeiten", urteilt die 29-Jährige, die 2012 bei den Titelkämpfen in Wattenscheid den ersten von zwei deutschen Freiluft-Meistertiteln über die 200 Meter holte. "Das war auch der schönste Moment meiner Karriere, als ich nach dem Zieleinlauf meiner Mutter um den Hals gefallen bin", erinnert sich Weit, die als Elfjährige vom TSV Schloß Neuhaus zum LC Paderborn gewechselt war. Dort sollte Trainer Thomas Prange zum großen Freund und Förderer werden. "Thomas war in all den Jahren ein prima Wegbegleiter. Ich bin ihm und dem gesamten Verein unendlich dankbar", betont die Paderbornerin, die 2012 bei den Europameisterschaften in Helsinki ihren ersten Auftritt im Nationaltrikot hatte. Ein Jahr später holte sie mit der deutschen 4 x 100-Meter-Staffel bei den Weltmeisterschaften in Moskau einen glänzenden vierten Platz. Der große Traum von Olympischen Spielen sollte dagegen nicht in Erfüllung gehen, weil der Deutsche Leichtathletikverband der Paderbornerin sowohl 2012 als auch 2016 bei den Nominierungen übel mitspielte. "Eine Olympia-Teilnahme wäre schön und gerade 2012 auch verdient gewesen. Aber letztlich gibt es viel wichtigere Dinge im Leben", betont Inna Weit. Exakt diesen Dingen möchte sich die 29-Jährige nun verstärkt widmen. "Ich will mehr Zeit für meine Familie und Freunde haben. Ich will am Wochenende auch mal ausgehen und nicht ständig auf meine Ernährung achten müssen. Ich möchte meinem Neffen beim Fußball zusehen. Und ich möchte meinen Urlaub nicht mehr für Trainingslager opfern", sagt Weit, die den Worten bereits Taten folgen ließ. So flog die Ex-Sprinterin gestern in den Surf-Urlaub nach Gran Canaria. "Ich bin traurig über Innas Entscheidung, aber ich kann sie absolut nachvollziehen", sagt der LC-Vorsitzende Michael Krusemark, der seiner Athletin einen neuen Vertrag angeboten hatte. "Ich hätte gern gesehen, wenn Inna zumindest noch ein Jahr dranhängt, denn sie ist eine absolut positive Athletin. Bodenständig, extrem engagiert und immer hilfsbereit", betont Krusemark. Doch Weit ließ sich nicht mehr umstimmen. "Ich bereue keine Entscheidung, die ich während meiner Laufbahn getroffen habe. Und ich bin auch jetzt mit mir im Reinen", sagt die Paderbornerin. Langeweile wird bei Inna Weit nicht aufkommen. So ist die gelernte Physiotherapeutin 30 Stunden pro Woche für die "Praxis für Physiotherapie und Gesundheit" in Paderborn im Einsatz. Zudem unterrichtet Weit an den Ludwig-Fresenius-Schulen in Lippstadt. Und zumindest drei Mal pro Woche will die 29-Jährige auch künftig Sport treiben. Ein Trainerjob aber kommt zumindest kurz- bis mittelfristig nicht in Frage. "Aber vielleicht werde ich im Ahorn-Sportpark mal ein paar Kurse geben", sagt Weit. Erst einmal will die 29-Jährige ihre hinzugewonnene Freizeit genießen. Und das hat sich Inna Weit nach einer langen und erfolgreichen Leichtathletik-Karriere auch verdient. Pinto bleibt in Paderborn Mit Inna Weit verliert die Trainingsgruppe des LC Paderborn um Erfolgscoach Thomas Prange eine langjährige Vorzeige-Athletin. Der Großteil der besagten Gruppe bleibt aber zusammen. So erhält Sprint-Ass Tatjana Pinto einen neuen Ein-Jahres-Vertrag. „Die mündliche Vereinbarung steht bereits. Es fehlt nur noch die Unterschrift", erklärt der LC-Vorsitzende Michael Krusemark. Auch Eigengewächs Chantal Butzek wird weiterhin das rote Trikot des Vereins aus dem Ahorn-Sportpark tragen. Zudem hat der LC Neuzugänge in Aussicht. „Noch ist aber nichts spruchreif", so Krusemark.

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