Als sich die Bad Oeynhausener Kleingolfer in der Besetzung Hansjürgen Hansen, Wolfgang Baum, Hansi Bödecker, Volker Hahn, Uwe Bredemeier und Klaus Riester (von links) erstmals die Deutsche Meisterschaft sicherten. - © FOTO: NW
Als sich die Bad Oeynhausener Kleingolfer in der Besetzung Hansjürgen Hansen, Wolfgang Baum, Hansi Bödecker, Volker Hahn, Uwe Bredemeier und Klaus Riester (von links) erstmals die Deutsche Meisterschaft sicherten. | © FOTO: NW

Zurückgeblättert Vom Deutschen Meistertitel bis zum Rauswurf

Der Kleingolf-Club Bad Oeynhausen blickt auf ein bewegtes Leben zurück

Bad Oeynhausen/Löhne. Längst gehören die erfolgreichen Jahre der Vergangenheit an und wer sich heute an die großen Zeiten zurückerinnern will, der muss schon tief in die schönsten Jahre der Vereinsgeschichte eintauchen. Als der Bad Oeynhausener Kleingolf-Club (KCO) im Jahr 2004 seinen 40. Geburtstag feierte, war nur noch eine kleine Abordnung aus den Gründerzeiten mit von der Partie.

Groß war das Interesse an dem Sport, der von den Laien als Miniatur- oder Mini-Golf bezeichnet wurde, der Fachmann allerdings bestand auf das Wort Kleingolf oder Bahnengolf, schließlich benötigte man doch weitaus weniger Platz, als die Golfer auf einer großzügigen 18-Loch-Anlage. Als im Jahre 1963 die Kleingolf-Anlage im Bad Oeynhausener Kurpark angelegt wurde, da gab es schon zahlreiche Interessenten, die sich um eine Vereinsgründung bemühten. Ein Jahr später war es dann soweit. Edgar Kerpen wurde 1964 in der Gaststätte "Werster Hof" als Erster Vorsitzender gewählt und mit ihm Werner Hollmig als Schriftführer, Jürgen Eisinger als Kassierer und Rolf Sievers als der erste Sportwart der Kleingolfer, die ihr zuhause am Rande des Kurparks fanden. Zwei Jahre später wurden die "Gründerväter" von Gerhard Stühmeyer (1. Vorsitzender), Alfred Neuholz (2. Vorsitzender), Marlies Harre (Kasse) und Wolfgang Schulze (Sportwart gemeinsam mit Jürgen Eisinger’) abgelöst.

In der Besetzung Irmi Hansen, Ulrike Rottmann und Karin Klatt (von links) holten sich die Damen des Kleingolfclubs im Sommer 1965 die deutsche Vizemeisterschaft. - © FOTO: NW
In der Besetzung Irmi Hansen, Ulrike Rottmann und Karin Klatt (von links) holten sich die Damen des Kleingolfclubs im Sommer 1965 die deutsche Vizemeisterschaft. | © FOTO: NW

Nach dem Anschluss an den Deutschen Kleingolf-Verband, standen auch schon die ersten Turnierteilnahmen auf dem Programm. Steil ging es aufwärts mit der damals jüngsten Bad Oeynhausener Sportart. Schon im ersten Jahr des Bestehens nahm der KCO an Deutschen Meisterschaften teil und schon ein weiteres Jahr darauf war man an der Schützenstraße selbst Ausrichter des größten Turniers in Deutschland. Ein Riesenerfolg war 1968 das erste Nacht-Kleingolf-Turnier. Groß gefeiert werden konnte bereits 1966 die Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft in Ludwigshafen in der Besetzung Jürgen Eisinger, Jürgen Giebener, Edgar Kerpen, Hansjürgen Hansen und Gerd Stühmeier.

1969 erste Clubmeisterschaften

Ein besonderes Ereignis für Bad Oeynhausen war die Veranstaltung um den "Kuranzeiger-Pokal", der von Dr. Otto Brinkmann, dem damaligen Herausgeber des Kur-Anzeigers, der Hauszeitung des Staatsbades, gestiftet wurde und in den folgenden Jahren in den bundesdeutschen Kleingolfclub auf reges Interesse stieß. Gastgeber KCO gewann allein zehnmal den Titel und Klaus Riester sicherte sich sechsmal die Einzelwertung.

Sie nahmen für den KCO an den zweiten Deutschen Meisterschaften in Ludwigshagen teil – Jürgen Eisinger (v.l.), Jürgen Giebener, Vereinsgründer Edgar Kerpen, Hansjürgen Hansen und Gerd Stühmeyer. - © FOTO: NW
Sie nahmen für den KCO an den zweiten Deutschen Meisterschaften in Ludwigshagen teil – Jürgen Eisinger (v.l.), Jürgen Giebener, Vereinsgründer Edgar Kerpen, Hansjürgen Hansen und Gerd Stühmeyer. | © FOTO: NW

Im Sommer 1969 wurden die ersten Clubmeister in allen Klassen ausgespielt, wobei sich Jürgen Giebener bei den Herren, Hansi Bödecker bei den Junioren und Irmi Hansen bei den Damen als Sieger eintragen konnten. Die vorherigen Titelträger seit 1965 waren Edgar Kerpen (1965), Jürgen Eisinger (1966 und 1967), sowie Jürgen Giebener (1968).

Inzwischen hatten sich die Bad Oeynhausener Bahnengolfer im Kleingolf-Deutschland einen nachhaltigen Namen gemacht und es war auch kein Wunder, dass der KCO im gesamten deutschen Raum unterwegs war, um gegen die Konkurrenz Wettkämpfe auszutragen und nicht selten gab es große Zuschauerströme aus nah und fern an der Schützenstraße, um den Sport mit den kleinen Kugeln zu verfolgen.

Bierwald 1972 Vizemeisterin

Längst hatte man auch eine Frauenmannschaft gegründet, die sich zunächst mit Karin Klatt, Ulrike Rottmann, Irmgard Hansen, Ursula Finke, Monika Bierwald und Ulrike Giebener regelmäßig an den Start ging. Monika Bierwald wurde 1972 sogar Deutsche Vizemeisterin bei der weiblichen Jugend.

Die ganz große Zeit wurde 1973 eingeläutet und es war auch wohl der größte Tag der Vereinsgeschichte, als sich die Bad Oeynhausener Kleingolfer am 29. Juli 1973 auf der Anlage in Wuppertal erstmals die Deutsche Meisterschaft sichern und in einem wahren Triumphzug die Heimreise antraten.

Am Bad Oeynhausener Hauptbahnhof wurden die sechs Helden Klaus Riester, Wolfgang Baum, der zuvor aus der Stadt mit der Schwebebahn in die Badestadt wechselte, Uwe Bredemeier, Hansjürgen Hansen und Volker Hahn empfangen und vor dem Rathausportal vom damaligen Verwaltungschef Werner Meyer zu Selhausen, sowie vom Spielmannszug der Bürgerschützen unter Paul Lomberg gebührend gefeiert wurden. Nicht nur, dass der KCO die Mannschaftswertung gewann, Neuzugang Wolfgang Baum sicherte sich auch noch die Einzelwertung vor dem Vereinskollegen Klaus Riester, der den totalen Triumph abrundete.

Das Team, das im Sommer 1977 die westdeutsche Vizemeisterschaft nach Bad Oeynhausen holte. Damals waren am Start: Hans-Christian Schiermeyer (obere Reihe von links), Bernd Schwarze, Andreas Tücke, Christian Kracht, Wolfgang Pöhler, sowie Petra Schiermeyer, Sybille Schäfer, Matthias von Schroeders und Detlef Klusmeier. - © FOTO: NW
Das Team, das im Sommer 1977 die westdeutsche Vizemeisterschaft nach Bad Oeynhausen holte. Damals waren am Start: Hans-Christian Schiermeyer (obere Reihe von links), Bernd Schwarze, Andreas Tücke, Christian Kracht, Wolfgang Pöhler, sowie Petra Schiermeyer, Sybille Schäfer, Matthias von Schroeders und Detlef Klusmeier. | © FOTO: NW

300.000 Spieler und Besucher

Im selben Jahr wurde der KCO auch Westdeutscher Meister, womit das Double perfekt gemacht werden konnte. Diese Erfolge hatten einen weiteren Aufschwung zur Folge, denn in den folgenden Jahren erhöhte sich nicht nur die Mitgliederzahl, der Verein wurde in Folge bis 1978 viermal Westdeutscher Meister. Zweimal ging die westdeutsche Vizemeisterschaft ins Staatsbad und dazu kamen noch zahlreiche dritte Plätze für Senioren, Junioren und Damen.

Mit Hans Bödecker (Jugend), Klaus Riester, Volker Hahn (Herren), sowie Bernd Schwarze (Schüler) wurden dazu noch sechs westdeutsche Meisterschaften errungen und das heutige Vorstandsmitglied Detlef Klusmeier sicherte sich 1978 in Worms die Deutsche Schülermeisterschaft. Ein Jahr später erreichte man die stolze Zahl von 300.000 Spieler und Besucher, die seit der Vereinsgründung den Weg an die Schützenstraße gefunden hatten. Toller Nachwuchserfolg 1980 für die KCO-Junioren. In der Besetzung Volker Deppe, Matthias Urner, Detlef Klusmeier, Matthias von Schroeders und Henner Schiermeyer ging der Bronzerang bei den Westdeutschen Titelkämpfen an den KCO.

Schwieriger wurden da schon die folgenden Jahre. Die Idee, die Anlage käuflich zu erwerben, scheiterten 1982 an der Preisvorstellung von Hausherr Mesch und ein Jahr danach geht die Anlage in den Besitz des Bad Rothenfelders Rainer Flick über. Dieser Wechsel war aus Bad Oeynhausener Sicht nicht gerade glücklich, denn eine drastische Platzgebührenerhöhung sorgt für Unruhe. Die Geschichte wird zur "Flick-Affäre", denn nach dem Aufstieg in die Verbandsliga (1990) und der Vizemeisterschaft (1991) erfolgt wegen "unüberbrückbarer Differenzen" der Umzug von Bad Oeynhausen ins benachbarte Löhne. Ein klassischer Rauswurf aus dem eigenen "Wohnzimmer" und zudem ein ungewohnter Wechsel von der Betonbahn auf eine Eternitbahn.

2004 das 40. Vereinsjubiläum

Noch einmal lässt es der KCO sportlich krachen. 1995 gelingt der Aufstieg in die Oberliga und die Sportsfreunde Hans-Christian Schiermeyer und Detlef Klusmeier übernehmen 1996 die Löhner Minigolf-Anlage. Dennoch geht es abwärts mit den Kleingolfern, obwohl 2004 mit 35 Mitgliedern das 40. Vereinsjubiläum gefeiert wurde.

Die Zeit der ganz großen Erfolge hat der KCO, der nun als KCO Löhne "firmiert", längst hinter sich. Am Löhner Gymnasium gegenüber dem Marktkauf-Center und neben dem Löhner Freibad, ist es ruhig geworden. An einem kühlen Samstagnachmittag im Oktober 2012 sind es die jetzigen Eigentümer Detlef Klusmeier und Volker Deppe, die gemeinsam mit Hansjürgen Hansen den Platz für einige Monate abschließen und den Bahnen noch ein Winterkleid verpassen. Wie es in Löhne mit Kleingolf weiter gehen wird, weiß man nicht so genau.

Symptomatisch: bei der letzten Jahreshauptversammlung im März dieses Jahres trugen sich nur noch vier stimmberechtigte Mitglieder in die Anwesenheitsliste ein. Und irgendwann wird auch das Kleingolf-Kapitel um den KCO abgeschlossen, aber noch gibt es in der insgesamt fünf Ordner umfassenden Vereinschronik ein paar freie Seiten.

Copyright © Neue Westfälische 2018
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.

Kommentar abschicken
realisiert durch evolver group