Zurückgeblättert Legendärer 80-Sekunden-Auftritt

Heute vor 25 Jahren gewann der FCO Prestige-Duell beim FCG

Kein Fotograf konnte den legendären 80-Sekunden-Auftritt von Werner Birtsch für den FCO in Gohfeld so schnell im Bild einfangen. Hier spielt er im Trikot von RW Rehme.
Kein Fotograf konnte den legendären 80-Sekunden-Auftritt von Werner Birtsch für den FCO in Gohfeld so schnell im Bild einfangen. Hier spielt er im Trikot von RW Rehme.

Bad Oeynhausen/Löhne. Was heute vielleicht als normal einzuordnen ist, war exakt auf den Tag genau vor 25 Jahren längst nicht selbstverständlich. Damals, an jenem 25. Oktober 1987, standen sich im Landesliga-Lokalderby die beiden heimischen Spitzenteams FC Gohfeld und FC Bad Oeynhausen gegenüber. 400 Besucher lockte seinerzeit das ewig junge Derby an den Gohfelder Mittelbach – und die Favoritenrolle war recht unklar.

Weder der gastgebende FC Gohfeld noch der Gast aus der Badestadt wollten die Favoritenrolle annehmen. Hartmut Vogt, der in jenem Jahr den FCO betreute, scheute sich energisch, ein Ergebnis vorherzusagen. Dennoch legte er sich auf einen Sieg seiner Mannschaft fest, während Kollege Dietrich Rutenkröger auf die "lautstarke Unterstützung der Fans" setzte und eine Woche nach dem 3:2-Sieg beim VfR Wellensiek natürlich auf einen Erfolg hoffte. In dem seinerzeit noch zu jedem Heimspiel erscheinenden Stadionheft "FC-Aktuell" setzte Dietrich Garbers, früherer Zweitliga-Erfolgstrainer des SC Herford, im Experten-Tipp auf einen glatten 3:0-Sieg der Gohfelder. Aber es kam alles ganz anders, denn der FCG kassierte auf heimischem Platz eine hohe 1:4-Schlappe, womit dem FC Bad Oeynhausen ein Sprung in die vordere Tabellenhälfte gelang.

Derbys zwischen dem FCO und den Gohfeldern waren in der damaligen Zeit mehr als nur Spiele der beiden lange Zeit ranghöchsten heimischen Teams. Die Rivalität war es, die den Begegnungen ein besonderes Flair gab. Und natürlich auch die zahlreichen Geschichten, die es damals gab. So auch in der Begegnungen vor einem Vierteljahrhundert. Der FC Gohfeld hatte zu diesem Zeitpunkt den Zenit seiner langjährigen Entwicklung mit Verbandsliga- und Oberliga-Fußball schon hinter sich, wobei auch der FCO schon bessere Zeiten als nur Landesliga erlebt hatte. Aber das Derby an jenem 25. Oktober war auch ein Duell zweier "Trainer-Füchse". Auf der einen Seite der Bad Oeynhausener Hartmut Vogt, auf der anderen Seite Dietrich Rutenkröger, der Polizei-Kommissar aus dem Bünder Vorort Holsen, der nun auf der Gohfelder Bank das Sagen hatte. Verständlich, das man sich freundschaftlich begegnete, aber der Konkurrenzkampf war dennoch nicht zu leugnen.

Der große Gewinner an jenem Nachmittag war Hartmut Vogt, der als Trainer des FCO kurioserweise seine beste Zeit im Gohfelder Lager hatte. Sowohl als Spieler als auch auf der Trainer-Bank. Jedenfalls gewann Vogt das Duell gegen Freund und Kollege Rutenkröger am Mittelbach klar mit 4:1, was die Sportredaktion der Neuen Westfälischen tags darauf so kommentierte: "Der FCO deckte Gohfelds Abwehrschwäche schonungslos auf." In der Tabelle rangierten nach dem Spiel beide Teams mit 12:10 Punkten nach elf Spielen auf Rang sechs (Gohfeld) und sieben (FCO).

Derbys hatten zweifelsohne auch gewisse Schmunzeleinheiten zu bieten. In jenem Spiel 1987 sorgte einer dafür, der zunächst gar nicht spielen sollte. Aber für den Bad Oeynhausener und Ex-Rehmer Werner Birtsch war es dann wohl der überhaupt kürzeste Einsatz in seiner Laufbahn. In der 85. Minute wurde Birtsch von Trainer Vogt für Gerald Schröder ins Spiel geschickt – und schon 80 Sekunden später war für ihn das Spiel wieder beendet. Dazwischen lagen exakt zwei Ball-Kontakte. Einmal leistete er sich einen Fehlpass, einmal foulte er seinen Gegenspieler Maik Halemeier, worauf ihn Schiedsrichter Domeier aus dem lippischen Bega die ausgestreckte Hand entgegenhielt, was damals noch eine zehnminütige Zeitstrafe bedeutete. Die wiederum konnte Werner Birtsch nicht ganz absitzen, da die Partie schon vor dem Ende der Zeitstrafe abgepfiffen wurde.

Interessant sind sicherlich auch die beiden Mannschafts-Formationen, zumal beide Teams nicht mir ihren stärksten Akteuren spielten. Beide schickten ihr "letztes Aufgebot" ins Rennen. Beim FCO musste Andreas Hinkelmann für Olaf Marin das Tor hüten, der heutige Trainer Rolf Kuntschik kam nach 24 Minuten für den angeschlagenen Werner Schöbel ins Spiel, während Karl-Heinz Koberstein ganz fehlte. Auf Gohfelder Seite schickte Trainer Rutenkröger Abwehrspezialist Ralf Lasrich nach einem Bundeswehr-Einsatz erst von der 65. Minute an auf das Spielfeld, als der FCO bereits mit 3:1 in Führung lag. Die vielgelobten Gohfelder Abwehrspieler Jürgen "Ete" Wolff, Eckhard Höpfner, Vincenzo Demme (sein Sohn spielt heute beim SC Paderborn) und der Ex-Mennighüffener Michael König im Mittelfeld waren an diesem Sonntag einfach überfordert, um dem FCO Paroli bieten zu können.

Schließlich war es der ehemalige Gohfelder Nuntio Natale, der für die Entscheidung am Mittelbach sorgte. Nach dem frühen Gohfelder Führungstor durch Sascha Miladinovic (11.) traf Natale in der 37. Minute zum 1:1 und erzielte in der 87. Minute das 1:4, während Olaf Kracht die restlichen Tore (41. und 61.) beisteuerte. Es war kein Riesenspiel, was sich beide Teams lieferten, aber die Partie war damals auch eine Art Wachablösung im heimischen Bereich, zumal der FC Gohfeld das ein paar Jahre später folgende Tief bis heute nicht abwenden konnte, während der FCO danach ein Fußball-Leben zwischen der Landesliga und der Verbandsliga führte. Und so sahen damals die beiden Mannschafts-Aufstellungen aus:

  • Der FC Gohfeld verlor mit Volker Braunsdorf, Ulli Kröger, Michael Weber (65. Ralf Lasrich), Maik Halemeier, Jürgen Wolff, Vincenzo Demme, Michael König, Frank Homburg (46. Stefan Kieslich), Sascha Miladinovic und Michael Meyer.
  • Der FC Bad Oeynhausen siegte mit Andreas Hinkelmann, Torsten Wegener, Werner Schöbel (24. Rolf Kuntschik), Karl-Heinz Jahrmann, Gerald Schröder (85. Werner Birtsch), Volker Wehrmann, Frank Görlitz, Norbert Schöbel, Rainer Grothe, Olaf Kracht und Nuntio Natale.

Übrigens: Nach einem 1:0-Sieg (Torschütze der Ex-Wulferdingsener Volker Brakmann) beim FC Stukenbrock übernahm an jenem 11. Spieltag der SuS Vlotho-Winterberg die Tabellenspitze. Meister und Aufsteiger wurde die Amateur-Mannschaft von Arminia Bielefeld vor Fichte Bielefeld. Der FC Bad Oeynhausen beendete die Saison mit 34:30 Punkten auf Rang sechs, der FC Gohfeld landete mit 30:34 Punkten auf dem elften Tabellenplatz.

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