Mitte der 70er Jahre am Mennighüffener Drosselhain. Claus Schiprowski (re.), Olympiazweiter im Stabhochsprung von 1968 in Mexiko, stand damals im Aufgebot der ostwestfälischen Fußball- Presseauswahl, die in einem Benefizspiel gegen die Altliga des VfL Mennighüffen antrat. Mit dabei im Team der Presse-Auswahl u. a. auch die Journalisten Hans Volkmann, Jürgen Schnitgerhans, Jochen Süllwald und Hans Milberg (von links). Leichtathletik-Experten erinnern sich noch, denn Schiprowski erreichte in einem der spannendsten olympischen Wettkämpfe mit 5.40 Meter dieselbe Höhe wie Olympiasieger Bob Seagren und der Bronze-Gewinner und DDR-Springer Wolfgang Nordwig aus Jena.
Mitte der 70er Jahre am Mennighüffener Drosselhain. Claus Schiprowski (re.), Olympiazweiter im Stabhochsprung von 1968 in Mexiko, stand damals im Aufgebot der ostwestfälischen Fußball- Presseauswahl, die in einem Benefizspiel gegen die Altliga des VfL Mennighüffen antrat. Mit dabei im Team der Presse-Auswahl u. a. auch die Journalisten Hans Volkmann, Jürgen Schnitgerhans, Jochen Süllwald und Hans Milberg (von links). Leichtathletik-Experten erinnern sich noch, denn Schiprowski erreichte in einem der spannendsten olympischen Wettkämpfe mit 5.40 Meter dieselbe Höhe wie Olympiasieger Bob Seagren und der Bronze-Gewinner und DDR-Springer Wolfgang Nordwig aus Jena.

ZURÜCKGEBLÄTTERT Weltpokalsieger auf dem Wunschzettel

Heimischer "Kartenleger" lockte einst viel Bundesliga-Prominenz an und ins Hotel Horst / Höhenflüge in Gohfeld und Oberbecksen

Bad Oeynhausen/Löhne. Große sportliche Ereignisse gab es hierzulande auch schon in den 70er und 80er Jahren. Fußballtechnisch gesehen sorgten in jenen Jahren die beiden Erzrivalen FC Gohfeld und SC Oberbecksen-Babbenhausen häufig für Schlagzeilen in den Zeitungen. So gab es in beiden Klubs auch immer wieder Männer, die sehr daran interessiert waren, ihren Verein zu sportlichem Ruhm zu verhelfen. Interessant in diesem Zusammenhang – wenn man beide Vereinsnamen nennt – dann stellt der Fachmann schnell fest, dass seinerzeit die ruhmreiche Vergangenheit auch schnell wieder zu den Akten gelegt werden musste.

Einen rasanten Aufstieg in die höhere Region erlebt damals der FC Gohfeld, der exakt vor 21 Jahren sogar einen finanziellen Ruin erlebte und danach in die Insolvenz musste, um später in den heutigen FC Löhne-Gohfeld geführt zu werden. Wer erinnert sich nicht heute noch an Zeiten, als der FC Gohfeld in einem wahrhaft kometenhaften Aufstieg aus den unteren Regionen des Fußballkreises Herford in die höchste westfälische Fußball-Phalanx vorstieß.

Die Möbelindustrie war seinerzeit im Kreis Herford, und speziell in Löhne, noch ein glänzender Wirtschaftszweig und so war es auch kein Wunder, dass mit dem Mäzen und Sponsor Paul Witte auch ein Mann aus der Möbelbranche mit seiner finanziellen Unterstützung den FC Gohfeld, einer ehemaligen "grauen Maus" zu einem "Raketen-Klub", machte, wie später die eine große Boulevard-Zeitung berichtete. Aber es war nicht nur der Möbel-Versandhändler Paul Witte, der den Aufschwung einläutete. Auch andere, hochrangige und bekannte Gohfelder Geschäftsleute, wie der Zigarrenhändler Manfred Meyer oder weitere, sorgten für beste und optimale Voraussetzungen, wobei viele Sponsoren von gestern heute nicht mehr unbedingt an diese Zeit erinnert werden möchten.

FC Gohfeld in aller Munde

Der frühere Trainer und Sport-Direktor des FC Gohfeld, Lothar Johanning (r.), der die Erfolge in Gohfeld einleitete, konnte mit Franz Beckenbauer damals einen Überraschungsgast am Mittelbach begrüßen.
Der frühere Trainer und Sport-Direktor des FC Gohfeld, Lothar Johanning (r.), der die Erfolge in Gohfeld einleitete, konnte mit Franz Beckenbauer damals einen Überraschungsgast am Mittelbach begrüßen.

Aber der FC Gohfeld war schließlich in aller Munde, sogar Wikipedia – die freie Enzyklopädie – nahm vor einigen Jahren den Verein mit den Farben in grün und weiß mit in das deutschsprachige Register auf. Und wenn man dort den FC Gohfeld aufruft, dann wird auch dem nicht so am FC Gohfeld interessierten Menschen deutlich gemacht, dass es sich hier um einen ehemaligen bedeutungsvollen Verein handeln muss. Auf dieser Seite werden mit Wolfgang Flüshöh aus Herford, Wolfgang Kneib aus Mönchengladbach, Friedel Schüller aus Duisburg und Klaus Wunder, einem ehemaligen Nationalspieler aus Hannover, der auch für Bayern München spielte, auch vier Spieler als Persönlichkeiten aufgeführt, die dem Verein zu viel Ruhm und sportlichem Glanz verhalfen, aber eben nicht zu einem wohlhabenden Klub. Sogar der Kasseler AGON-Sportverlag ließ ein Buch über den FC Gohfeld verfassen.

Es waren nicht nur die Flüshöh, Wunder, Schüller und Kneib, der für einige Zeit Trainingsgast am Mittelbach war, die dort für Schlagzeilen sorgten, auch viele andere in Ostwestfalen bekannte Spieler standen dort im Aufgebot. Mit Karl-Hermann Eickhoff und Hans "Mecki" Imort waren auch zwei Löhner Fußballer mit von der Partie. Es würde zu weit führen, noch einmal alle Namen einzeln aufzuführen. Leider hatte der ganze Spuk 1992 dann ein jähes Ende, denn Unstimmigkeiten im Vorstand des FCG führten schließlich zur Abmeldung vom Spielbetrieb.

Auch Toni Schumacher sollte kommen

Gern umgeben von großen Fußball-Namen ließ sich in jener Zeit auch ein anderer Groß-Sponsor, der in der heimischen Industrie kein unbeschriebenes Blatt war. Ein Möbel-Spediteur aus Bad Oeynhausen-Oberbecksen hatte eines Nachts in den 70er Jahren den Traum von einem Profi-Verein im bis dahin eher beschaulichen Oberbecksen. Karl Thies, inzwischen verstorben, wollte seine Idee vom "Großen Fußball" in Bad Oeynhausen verwirklichen. Dafür reiste er auch schon mal um die "halbe Welt", um Kontakte zu den einst Großen der deutschen Fußball-Bühne zu knüpfen. Für Karl Thies war es damals schnell klar, dass man nur mit Spielern aus Oberbecksen und Umgebung keinen großen Fußball anbieten kann. Also musste man fremde Spieler an Weser und Werre holen. Und in der Tat schaffte es Thies sich mit Bundesliga- und Nationalspielern an einen Tisch zu setzen und verschiedene Kicker zu einem Wechsel zu überreden. Sogar der Kölner Torwart Toni Schumacher war einer von denen, die geholt werden sollten. Dies klappte aber eben so wenig, wie andere Kicker zu einem Wechsel zu überreden. Anfang der 80er Jahre staunten die rund 1.000 Zuschauer im Bad Oeynhausener Stadion in einem Punktespiel des SCOB nicht schlecht, als der umtriebige Möbel-Spediteur mit Horst Blankenburg einen international renommierten Spieler vorstellte. Blankenburg war ein paar Jahre zuvor mit Ajax Amsterdam Europapokalsieger der Landesmeister und Weltpokalsieger geworden und hatte seine Spielkunst schon bei anderen Vereinen, wie dem 1. FC Nürnberg unter Max Merkel, dem Hamburger SV, München 1860 oder dem Wiener Sport-Klub unter Beweis gestellt. Mit dem HSV holte Blankenburg 1977 den Europapokal der Pokalsieger. Aber man kam schließlich nicht zusammen. Blankenburg entschied sich gegen den SC Oberbecksen und für den Hummelsbütteler SV, einem Hamburger Vorortverein.

Karl Thies (l.), Förderer des SC Oberbecksen, stand damals er kurz vor der Verpflichtung des Weltklasse-Spielers Horst Blankenburg, der sich sogar einige Spiele des ehemaligen SC Oberbecksen ansah, sich später für den SV Hummelsbüttel aus Hamburg entschied.
Karl Thies (l.), Förderer des SC Oberbecksen, stand damals er kurz vor der Verpflichtung des Weltklasse-Spielers Horst Blankenburg, der sich sogar einige Spiele des ehemaligen SC Oberbecksen ansah, sich später für den SV Hummelsbüttel aus Hamburg entschied.

Dafür klappte es in Oberbecksen, wie man weiß, mit der Verpflichtung anderer namhafter Spieler. Horst-Dieter Höttges, 66-facher Nationalspieler aus Bremen, wurde ebenso verpflichtet, wie der frühere Bielefelder Bundesligaspieler Uli Braun, mit dem der sportliche Aufschwung beim SCOB überhaupt in Gang gesetzt wurde. Und mit Werner "Acker" Weist wurde sogar ein dreifacher Junioren-Nationalspieler verpflichtet, der zuvor in Dortmund und Bremen seine Tore erzielte und in der Bundesliga etwas im Schatten des legendären Gerd Müller stand. In Oberbecksen wollte man hoch hinaus, aber das große Vorhaben wollte nicht gelingen. Die Mannschaft um die erfahrenen Oldies Hermann Gotthelf, Heinz-Werner Tielke, Gerd Oppawsky und die talentierten Eigengewächse Norbert und Werner Schöbel hatten eine zu große Distanz zu "Eisenfuß" Höttges, der sich von der heimischen Provinz schnell wieder verabschiedete und wieder in Richtung Bremen zog.

Assauer und Tilkowski häufige Gäste

Karl Thies hatte zu diesem Zeitpunkt auch Kontakte zu anderen sportlichen Größen. Rudi Assauer oder Hans Tilkowski waren zu jener Zeit regelmäßige Gäste in Bad Oeynhausen, die aber als Spieler für den SCOB niemals in Frage kamen und auch keine Gedanken daran verschwendeten. Schließlich kam auch das "Aus" für den SCOB, der sich auflöste und sich erst viel später neu gründete.

Viel Prominenz ging auch in früheren Tagen im ehemaligen Hotel "Horst" an der Mindener Straße ein und aus. Nicht nur, dass die Uwe-Seeler-Traditionself nach Gastspielen in der Region dort logierte, auch andere "Berühmtheiten" ließen sich gelegentlich dort nieder. Der Grund: ein damals bekannter heimischer "Wahrsager" hatte seinerzeit seine Zelte im Hotel aufgeschlagen und empfing viel Prominenz. Dieter Kampe, im Hauptberuf Versicherungsvertreter aus Gohfeld, betätigte sich dort nebenher als "Kartenleger" und sagte dabei vielen Zeitgenossen die Zukunft voraus. Nicht nur aus hohen politischen und wirtschaftlichen Kreisen kamen sie zu ihm, sondern auch viele sportliche "Geister". So heißt es, dass seinerzeit ein Bremer Torhüter und ein Mönchengladbacher Spielmacher, sowie ein früherer Trainer aus dem Ruhrgebiet zu seinen Stammgästen zählten. Sie alle nahmen im Hotel Horst meistens den Hintereingang, um nicht gleich erkannt zu werden. Wer so alles den Kartenleger besuchte, darum hat sich der damalige Hotelbesitzer "Kalle" Horst keinen Kopf gemacht. "Hauptsache war doch, dass alles bei mir im Hotel korrekt und top secret ablief", kann sich Karl-Heinz Horst noch gut an die Zeiten erinnern.

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