Im ehemaligen Hotel "Relexa" war im Juli 1985 der frischgebackene Aufsteiger zu Gast, wobei der damalige Trainer Bernd Hoss (l.) und sein Stürmer-Ass Leo Bunk die tägliche Speisefolge mit Hoteldirektor und Küchenchef besprachen. - © FOTO: NW
Im ehemaligen Hotel "Relexa" war im Juli 1985 der frischgebackene Aufsteiger zu Gast, wobei der damalige Trainer Bernd Hoss (l.) und sein Stürmer-Ass Leo Bunk die tägliche Speisefolge mit Hoteldirektor und Küchenchef besprachen. | © FOTO: NW

ZURÜCKGEBLÄTTERT Sogar "Peitschen-Max" gab sich die Ehre

FCO kürzt die Antrittsgage / Viele sportliche Momente wechseln sich in den 70er und 80er Jahren ab

Bad Oeynhausen/Löhne. Außerordentlich reich an sportlichen Momenten und Höhepunkten waren die vergangenen Jahrzehnte in Bad Oeynhausen und Löhne. Nicht nur der Fußball lieferte da wöchentliche Schlagzeilen, auch viele Randsportarten sorgten für das eine und andere Schlaglicht. Zu den herausragenden Ereignissen zählte das jährlich ausgetragene Reit- und Springturnier, das sich aus einem ländlichen Turnier zu einer Veranstaltung mit internationalem Charakter, und sich nun schon seit einigen Jahren als offizielles Championat der Berufsreiter um die Deutsche Meisterschaft entwickelt hat.

Wer erinnert sich nicht gerne an die Turniere mit den Großen der Reiter-Welt. Am Start waren sie alle: Angeführt von Hans Günter Winkler über Paul Schockemöhle, Franke Sloothaak über die verstorbenen Hermann Schridde und Gerd Wiltfang, bis hin zu Ludger Beerbaum oder die ostwestfälische Springreiter- und Dressur-Elite aus Herford, Versmold und aus dem Kreis Minden-Lübbecke. Wer die lange Liste der Turniere verfolgt hat, der hat auch schon mal auf eine Veranstaltung verzichten müssen. Zumindest dann, wenn die Flutmulde im Sielpark wieder einmal unter Wasser stand. Dann durften Pferd und Reiter unverrichteter Dinge wieder die Heimreise antreten.

Viele Geschichten schrieb in Bad Oeynhausen besonders "König Fußball" in zahlreichen Facetten. In den 80er Jahren gaben sich oft zahlreiche Prominente die Klinke in die Hand. Besonders in Erinnerung sind die Gastspiele von Schalke 04, dem 1. FC Köln und der "Uwe-Seeler-Mannschaft" beim FC Bad Oeynhausen, das Gastspiel von Borussia Mönchengladbach oder Schalke auf der Lohe, oder auch die internationalen Gastspiele auf dem Rasenplatz am Gohfelder Mittelbach. Die Aufmerksamkeit auf sich richtete einst in der Kurstadt auch Meistertrainer Max Merkel, der 1860 München, den 1. FC Nürnberg, Borussia Dortmund, Schalke 04, Rapid Wien und Atletico Madrid zu großen Erfolgen führte und in seiner zweiten Karriere als "Bild-Reporter" zwar wenig fachliche Analysen, dafür aber mehr als der Unterhaltung dienen, auf Pointen abzielende Lästereien vom Stapel ließ und kaum einen Spieler oder Trainerkollegen verschonte.

"Basler ist die teuerste Parkuhr der Welt"

Von vielen Lesern geliebt und vielen Trainern gehasst waren die "spitzen Kommentare" vom Wiener "Peitschen-Max". So über Reiner Calmund. Merkel über den ehemaligen Leverkusen-Manager: "Der Calmund hat doch im Kühlschrank nur das Nötigste: 20 Schnitzel und 33 Frikadellen." Oder über Mario Basler: "Der Basler ist die teuerste Parkuhr der Welt. Er steht rum und die Bayern stecken das Geld rein." Im Bad Oeynhausener Stadion nahm er gemeinsam mit seinem Ghostwriter seinerzeit den FC Schalke 04 unter die Lupe.

"Eigener Herd ist Goldes Wert", sagt ein altes Sprichwort aus einer deutschen Fernsehserie, die zwischen 1984 und 1986 in der ARD zu sehen war. Unter diesem Motto stand einst der Stuttgarter Trainer Bernd Hoss in der Küche des ehemaligen Gohfelder Hotels Relexa an der Bültestraße, als Hoss Blau-Weiß 90 Berlin aus der 2. Liga ins Oberhaus brachte und die Berliner in Gohfeld ein Trainingslager bezogen. "Ich stehe gerne selber in der Küche, da weiß ich auch, was auf dem Teller landet", sagte der leicht bauchige Trainer der Blau-Weißen, die schon ein Jahr nach dem Aufstieg wieder runter in die 2. Liga mussten, womit das Kapitel Blau-Weiß 90 ein vorzeitiges Ende im bezahlten Fußball nahm.

In bleibender Erinnerung ist wohl bei vielen noch das Bundesliga-Gastspiel des 1. FC Köln in Bad Oeynhausen. Nicht nur, weil die Kölner mit einem Super-Aufgebot kamen, darunter auch Nationalspieler Pierre Littbarski. Sondern auch deshalb, weil die Domstädter erst knapp zwei Stunden nach der vereinbarten Anstoßzeit das Ziel Bad Oeynhausen erreichten. Während das Kölner Präsidium pünktlich eintraf, bog der Mannschaftsbus erst gegen 19 Uhr in die Eidinghausener Straße ein. Zuvor überraschte Kölns Präsident Karl-Heinz Thielen seinen Kollegen Bernd F. Brockmann mit einem Kölner Gastgeschenk inklusive Vereinswimpel, der noch in den Clubräumen am Stadion hängt.

Pfiffe für den 1. FC Köln

Rund 4.000 Zuschauer waren im Stadion über die späte Anreise der Domstädter überaus erbost. Viele forderten das Eintrittsgeld zurück und machten aus ihrer Enttäuschung über die späte Anreise mit Pfiffen ihrem Herzen Luft. Andere wiederum harrten aus und freuten sich später über die Künste der Pierre Littbarski, Bernd Cullmann, Paul Steiner, Stefan Engels und Co. Thielen zeigte sich schließlich darüber empört, weil sich die Verantwortlichen des FCO "erdreisteten", dem spät anreisenden 1. FC Köln einfach ein Viertel von der Antrittsgage abzuziehen. Thielen willigte aber später ein. Der FCO hatte dem berühmten Gast einfach mal so einen Teil des Antrittsgeldes gesperrt.

Viel los war in jenen Jahren auch beim Löhner Nachbar FC Gohfeld, der bekanntlich aus der Tiefe des Fußballkreises Herford in die Höhe des Fußballverbandes Westfalen kletterte und besonders nach der Eröffnung der Rasenanlage am Mittelbach ein neues Kapitel aufschlug. Zweimal spielte eine Nationalmannschaft in Gohfeld: 1974 kam Thailand, dann die Junioren-Nationalelf der CSSR. Die Gohfelder, damals noch unter anderem mit Hartmut Vogt, Fritz Sahli, Werner und Wolfgang Schneider, sowie Kapitän Wolfgang Klocke, erreichten gegen die Thais unter der souveränen Schiedsrichterleistung des Löhners Heinz Teichert ein 1:1 und auch gegen die CSSR gab es ein Remis.

"Gegen Thailand gewinnen wir doch zweistellig", hatte damals Spiele Dieter Pries getönt. Es kam aber ganz anders. Dafür musste er eine Kiste "Herforder" springen lassen. Freundschaftsspiele gegen den FC Middlesbrough, Tel Aviv oder Sparta Prag rundeten das sportliche Randgeschehen am Mittelbach ab. Thomas Marsh, in Löhne zu Hause und aktiv in der Tischtennis-Abteilung des damaligen 1. SC Oeynhausen erinnert sich: "Es war schon eine tolle Zeit am Mittelbach."

Draußen vor den Toren der Städte Löhne und Bad Oeynhausen kam es seinerzeit zu einer spektakulären Vereinsgründung. Nach vielem Hin- und Her mit zahlreichen Gesprächen mit den jeweils städtischen Gremien wurde am 6. Mai 1986 der Golf-Club Widukind-Land aus der Taufe gehoben. Architekt Paul Dahlmeier sorgte auf einem zunächst 22 Hektar großen Gelände für eine ordentliche 9-Loch-Anlage, die später auf 12 und danach auf 16 Loch erweitert wurde.

Zwei, die sich seinerzeit für die Anlage stark machten, waren der verstorbene Druckereibesitzer Klaus Glissmann, Pressechef Klaus Bölk sowie Pro und Platzbauer Manfred Skeide. Und einer der ersten, die die Anlage auf dem Wittel antesten durfte, war der Hamburger Golf-Profi Sven Strüver, der seinerzeit von der Anlage begeistert war und ein paar Runden spielte. In Erinnerung geblieben ist vielen Golf-Fans noch das große und renommierte Turnier um den "Woodmaster-Cup". Inzwischen hat sich viel getan, die Entwicklung schritt immer weiter voran und heute gehört dieser Klub zu den best geführten in OWL mit einer der schönsten Anlagen.

Copyright © Neue Westfälische 2018
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.

Kommentar abschicken
realisiert durch evolver group