Mit dabei waren Ralf Krüger (hintere Reihe v.l.), Olaf Krüger, Detlef Bohnenkamp, Uli Hebrock, Peter Rzepka, Axel Kröger, Rainer Lobach, Vorsitzender Eckhard Spilker; sowie Trainer Wilfried Horst (vordere Reihe v.l.), Betreuer Rolf "Pele" Reinkensmeier, Frank Trampe, Detlef Hüsemann, Frank Thomas, Klaus Namnieks, Frank Rehburg, Uwe Verl, Manfred Finke, Manfred Stiegemeier und Betreuer Rolf Kröger. - © FOTO: NW
Mit dabei waren Ralf Krüger (hintere Reihe v.l.), Olaf Krüger, Detlef Bohnenkamp, Uli Hebrock, Peter Rzepka, Axel Kröger, Rainer Lobach, Vorsitzender Eckhard Spilker; sowie Trainer Wilfried Horst (vordere Reihe v.l.), Betreuer Rolf "Pele" Reinkensmeier, Frank Trampe, Detlef Hüsemann, Frank Thomas, Klaus Namnieks, Frank Rehburg, Uwe Verl, Manfred Finke, Manfred Stiegemeier und Betreuer Rolf Kröger. | © FOTO: NW

ZURÜCKGEBLÄTTERT "Gewinnen wir weiterhin, sind wir bald pleite"

FUSSBALL: Einst mischte der SuS Wulferdingsen die ostwestfälische Fußball-Szene auf / Auch Prominenz zu Gast im "Loch"

Bad Oeynhausen/Wulferdingsen. Fußball gespielt wurde beim SuS Wulferdingsen immer schon, aber niemals so schön wie in den beiden Jahren nach dem Aufstieg aus der Bezirks- in die Landesliga in den Spielserien 1984/85 und 1985/86. Es waren schon aufregende Jahre, die bei den "Wölfen" zwischen 1982 und 1993 gefeiert wurden.

Jahre lang galten die "Wölfe" allenfalls als eine Art "graue Maus", brachten schon seit jeher gute Fußballer hervor, aber sie bewegten sich stets auf der heimischen Kreisebene, um sich mit den Vereinen aus Minden, Porta Westfalica, Petershagen und dem Bad Oeynhausener Stadtgebiet zu messen. Gut anzusehen waren schon in den 60er Jahren die Rivalenkämpfe gegen die Nachbarn aus Volmerdingsen oder Eidinghausen-Werste, und damals wurden solche Spiele auch mit einer entsprechenden Zuschauer-Resonanz honoriert. So richtig "Leben in die Bude" kam aber erst in den 70er Jahren, als der SuS Wulferdingsen wieder einmal der Bezirksliga einen "Besuch abstattete" und die Verantwortlichen eine neue Zeit einläuteten.

Im Mai 1982 hatten sich die "Wölfe" mit einem üppigen Vorsprung vor dem SC Minden und dem Traditionsverein Mindener SV 05 aus der 1. Kreisklasse in die damalige Bezirksklasse verabschiedet. Mit Spielern wie den Brüdern Frank und Dirk Rehburg, Norbert Horst, Klaus Namnieks, Uwe Verl, Detlef Bohnenkamp und Kapitän Klaus Czypulowski. Und dazu noch ein paar Eigengewächsen, die sich anschickten, die neue Spielklasse aufzumischen. Der Erfolg hatte schon zu diesem Zeitpunkt einen Namen. Und der hieß Wilfried Horst. Der ehemalige erfolgreiche Spieler des SuS, der TSG Rehme und des VfL Mennighüffen hatte das Glück mit einigen Verantwortlichen des Vereins, neue Voraussetzungen schaffen zu können, die für neue Höhenflüge sorgten. Wilfried Horst als Trainer, Eckhard Spilker als Vorsitzender sowie Vereinswirt und Mäzen Karl-Fried "Colly" Reinkensmeier versuchten das Niveau weiter zu heben, neue Spieler einzubinden und damit auch für eine neue Qualität zu sorgen.

Schon im ersten Bezirksliga-Jahr erreichte das Team drei Punkte hinter dem Meister und Aufsteiger Spvgg Hiddenhausen den undankbaren 2. Platz, worauf noch einmal die Mannschaft verstärkt wurde. Schon ein Jahr danach, in der Saison 1983/1984, gelang der ganz große Wurf: Der SuS Wulferdingsen stieg mit acht Punkten Vorsprung auf Verfolger Arminia Vlotho in die Landesliga auf. Dabei erzielte Goalgetter Axel Kröger allein 33 Tore. Damit wurde in Wulferdingsen endgültig ein neues Zeitalter eingeläutet. "Klotzen, nicht kleckern" lautete fortan das Motto und in Wulferdingsen wurde mit Wilfried "Seltenweiß" Horst ein zweiter "Motor" ins Boot geholt, der viele Kontakte zu Spielern der gehobenen Kategorie hatte. Mit gestandenen Spielern wie Dieter Pries, Gerd Fenske und Thomas Kummer, sowie Jürgen Schnake, einem "jungen" Uli Hebrock (heute Trainer beim TuS Victoria Dehme) und den Eigengewächsen Lothar Waldeck, Christian Bäron und Frank Thomas wurde der Kader der "Wölfe" weiter aufgewertet. Mit einem Superstart ging es in eine neue Saison, der ersten Landesliga-Spielzeit in der Vereinsgeschichte.

Der frühere Arminen-Trainer Gerd Roggensack (r.) und neben ihm Arminia-Präsident Dr. Jörg Aufderheide. - © FOTO: NW
Der frühere Arminen-Trainer Gerd Roggensack (r.) und neben ihm Arminia-Präsident Dr. Jörg Aufderheide. | © FOTO: NW

Schon im ersten Spiel bekam der lippische TuS Brake beim 3:0-Auswärtssieg die Krallen der "Wölfe" zu spüren. Spiel zwei endete 3:2 für den SuS gegen den etablierten TuS Horn-Bad Meinberg. 500 Zuschauer sahen im "Loch" ein tolles Spiel. Es folgte ein 1:0-Sieg in Stukenbrock und längst fanden sich auch Zaungäste aus Gohfeld, Minden oder Herford in Wulferdingsen ein, die im vierten Spiel einen glatten 4:0-Erfolg über den BV Bad Lippspringe zu sehen bekamen. "Alles Punkte gegen den Abstieg", sagte Vorsitzender Eckhard Spilker nach dem 4:1-Heimsieg über den SC Bad Salzuflen, der von Gero Timmer trainiert wurde und in seinen Reihen mit Peter Nemeth (zuletzt FC St. Pauli und heute Co-Trainer in Hoffenheim) und Uwe Eberhardt (ehemals SC Oberbecksen und jetzt Trainer in Holsen) Spieler hatte, die hierzulande auch heute noch einen guten Ruf genießen. Unglaublich, der SuS Wulferdingsen "rockte" die Landesliga und nach sechs Spielen hatte der Neuling 12:0 Punkte auf dem Konto.

In Wulferdingsen spielten sie seinerzeit schon ein wenig verrückt, denn immer neue Namen wurden mit dem Spitzenreiter in Verbindung gebracht. "Wenn wir weiterhin gewinnen, sind wir bald pleite", witzelte Reinkensmeier, der für die Auszahlung der Prämien zuständig war. Immerhin erhielten alle 15 Spieler 65 D-Mark pro Punkt. Sponsoren wollten das Team nach einem erneuten Aufstieg mit einer Reise nach Japan belohnen. Aber genau mitten in diese Euphorie wurden die "Wölfe" wieder auf den "Landesliga-Teppich" geholt. Denn in der Folge gab es die erste Niederlage in Oetinghausen und eine Woche später schon die nächste "Pleite" gegen die Spvg Versmold. Jürgen Gessat, Vater von Jung-Nationalspielerin und U-20-Weltmeisterin Kristina Gessat, steuerte damals zwei der insgesamt vier Tore beim 2:4 bei.

Mit dem sportlichen Höhenflug brodelte es auch in der Gerüchteküche. Neue Spieler wie Olaf Marin oder Klaus Schneider (beide SC Herford) wurden mit dem SuS in Verbindung gebracht. Trainer "Butzer" Horst hatte es schwer, sich mit seinem Team auf das Alltagsgeschäft Landesliga zu konzentrieren. Wichtig waren damals auch die Vertragsverlängerungen von Dieter Pries und Torjäger Axel Kröger, dem inzwischen zahlreiche Angebote von Arminia Bielefeld, Hannover 96, Hertha BSC Berlin und anderen Klubs vorlagen, der sich aber für die "Wölfe" entschied. Großkampfstimmung herrschte am 11. November 1984 im Wulferdingsener "Loch" gegen die Spvg Brakel. Über 600 Besucher sahen in einem auf hohem Niveau stehenden Spiel ein gerechtes 0:0 gegen die Brakeler, die immerhin mit ihren damaligen "Stars" Kling, Wollitz, Schwager und Krull antraten, allerdings auf den gesperrten Sagel verzichten mussten. Zuvor verbrachte der Kader der "Wölfe" einen dreitägigen – wie es damals hieß – "Bildungsurlaub" in Prag, der Goldenen Stadt an der Moldau.

Die Zuschauer standen dicht gedrängt an der Seitenlinie. Vorn im Foto Torjäger Axel Kröger. - © FOTO: NW
Die Zuschauer standen dicht gedrängt an der Seitenlinie. Vorn im Foto Torjäger Axel Kröger. | © FOTO: NW

In der Rückrunde mussten sich die "Wölfe" der Gegenwehr der Konkurrenten erwehren. Beim Rückspiel in Bad Driburg wurde Torjäger Kröger von Spionen aus Schalke beobachtet. Gerd Roggensack, damals Trainer bei Arminia, bestellte Kröger zum Probetraining. Nach einigen zähen Verhandlungen meldeten sie in Wulferdingsen Vollzug: Kröger blieb und auch Trainer Wilfried Horst verlängerte seinen laufenden Vertrag. Beim nächsten Auswärtsspiel in Brakel wurden auf der Brakeler Tribüne die Trainer Jörg Berger und Diethelm Ferner gesichtet, die neben Kröger auch ein Auge auf die Brakeler "Micki" Wollitz und Thomas Sagel geworfen hatten. In Wulferdingsen hatten sie längst eingesehen, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Einen Fauxpas leisteten sich die Verantwortlichen im Auswärtsspiel in Horn-Bad Meinberg. Das 18-jährige Eigengewächs Ralf Lange sollte mehr und mehr integriert werden und als Trainer Horst für ein paar Tage private Dinge in Prag regeln musste, wurde Lange im lippischen Kurort ohne sein Wissen eingesetzt. Das stellte sich als Fehler heraus, denn Lange besaß keine Spielberechtigung. Trotz des 4:1-Sieges waren die Punkte weg. Aber die Saison war zu diesem Zeitpunkt ohnehin für die "Wölfe" gelaufen.

Platz sieben war das Ergebnis nach 30 Spielen. Schon längst wurden die Augen auf die nächste Saison gerichtet. Nachdem die Asse gehalten wurden, sollte der Kader weiter verstärkt werden. Dirk Rehburg, Volker Brakmann, Andreas Kummer und Uwe Bültmann sollten die "Wölfe" ein Jahr später auf den 6. Tabellenplatz bringen. Es war die vorläufig letzte Landesliga-Saison für den SuS Wulferdingsen. Neben Trainer Horst verließen viele Spieler die "Wölfe" und als Trainer wurde der dreifache Nationalspieler Erwin Kostedde verpflichtet, der aber den Untergang nicht aufhalten konnte, denn nach der Saison 1986/87 ging es nach einem Umbruch neben dem VfB Bielefeld und dem TuS Friedrichsdorf wieder zurück in die Bezirksliga, die aber nach der Saison 1991/92 wieder in Richtung Landesliga verlassen wurde. Aber schon ein Jahr danach stieg der SuS gemeinsam mit der TSG Harsewinkel und der Spvg Steinhagen wieder ab. In jener Saison landete der FC Bad Oeynhausen hinter Meister TBV Lemgo und Vize SuS Lage auf Rang drei, der FC Gohfeld kam auf Platz sechs.

Einen wesentlichen Anteil an den "fetten" Jahren beim SuS Wulferdingsen hatte sicherlich Trainer Wilfried Horst, der gemeinsam mit den Führungskräften Spilker und Reinkensmeier für einen sportlich hochstehenden Kader sorgte. Horst erreichte mit den "Wölfen" fünf Mal die Meisterschaft, dreimal als Spieler und zweimal als Trainer. So erfolgreich wie kein anderer in der Vereinsgeschichte.

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