Das war eine Aktion zum Lokalderby zwischen dem FC Gohfeld und VfL Mennighüffen im Herbst 1989, nachdem die Grenzen zwischen Ost und West geöffnet wurden.
Das war eine Aktion zum Lokalderby zwischen dem FC Gohfeld und VfL Mennighüffen im Herbst 1989, nachdem die Grenzen zwischen Ost und West geöffnet wurden.

ZURÜCKGEBLÄTTERT Hauptstadt-Chef am Mittelbach

FUSSBALL: Gohfelder Impressionen aus den 80er Jahren / Aus dem Spieler Gailer wird de Vries

Löhne-Gohfeld. Der FC Gohfeld, Vorgänger des heutigen FC Löhne-Gohfeld, hat in den 80er Jahren alles versucht, auf schnellsten Wegen die Tiefen des ostwestfälischen Fußballs zu verlassen. Fußball lautete zwar der Geschäftsgegenstand der Kicker vom Mittelbach, aber in Sachen "Unterhaltung" oder "Spaß-Gesellschaft" gepaart mit der Ernsthaftigkeit einen Fußballverein zu führen, waren die Grün-Weißen hierzulande schon etwas Besonderes. Im FC Gohfeld fanden die Fußballfreunde aus der näheren Umgebung alles vor, was man mit dem Thema "ernsthafte Unterhaltung" oder "Feuilleton" umschreiben kann: Entertainment, Politik, Wirtschaft und natürlich Sport. Aus allen Bereichen fanden sich Männer zusammen, die Verantwortung übernehmen und dem FC Gohfeld "Beine machen" wollten. Unter dem Motto "man nehme" oder "man hole" stellte der FC Gohfeld unter den verschiedensten Trainern Mannschaften zusammen, die für Furore sorgten. Eine Hand voll Spieler von Arminia Bielefeld wie Anton Rüter, Thomas Ellenberg, Friedel Schüller und Co. wechselten nach Gohfeld, dazu hoffnungsvolle Talente wie Joachim Fuhrberg, Dirk Spannuth, Uli Kruse oder Uli Switala aus dem Mindener Umland, gespickt mit erfahrenen Spielern wie Wolfgang Flüshöh, dem SVLOer Karl-Hermann Eickhoff, Dieter Pries aus der näheren Umgebung oder Ex-Nationalspieler Klaus Wunder, der für Werder Bremen, Hannover 96, MSV Duisburg und Bayern München spielte. Wolfgang Kneib hält sich fit Nicht für den FC Gohfeld gespielt hat einer, der für ein paar Monate am Training teilgenommen hat. Wolfgang Kneib, der für Borussia Mönchengladbach und Arminia Bielefeld insgesamt 245 Bundesligaspiele bestritt, bekam Ende der Saison 1981/1982 bei der Arminia keinen Vertrag. Gohfelds damaliger Trainer Georg Stürz bot dem Torsteher, der im Mai 1977 für Gladbach im Europapokal-Finale am FC Liverpool scheiterte, eine Trainingsgelegenheit. Dies riefen nacheinander wiederum mehrere Medien auf den Plan. So kam eine kleine Abordnung des Westdeutschen Rundfunks nach Gohfeld. Ulrich Deppendorf, damals noch freier Mitarbeiter des Kölner Senders, heutiger Chefredakteur und Leiter des ARD-Studios in Berlin, kam höchstpersönlich mit Toningenieur und Kameramann an den Mittelbach, um "erste Eindrücke" von Wolfgang Kneib zu sammeln. Die "Aktuelle Stunde" berichtete dann am Abend knapp zehn Minuten vom prominenten Gohfelder Trainingsgast. In der öffentlichen Wahrnehmung waren am Mittelbach neue Dimensionen erreicht. Selbst die Bild-Zeitung brachte in den 80er-Jahren einen Bericht über die "Raketen-Mannschaft" aus dem Werretal. Gleichzeitig fand sich auch der WDR-Hörfunk im Vereinslokal "Huxold-Sander" ein. Reporter Jörg Brücher, heute stellvertretender Leiter der WDR-Redaktion in Duisburg, interviewte den damaligen Gohfelder Manager Lothar Johanning, der in den Jahren zuvor als Trainer einer entwicklungsfähigen Mannschaft die Voraussetzung für erfolgreiche Jahre geschaffen hat. Johanning war inzwischen ins Management eingestiegen und war damals eine Art Bindeglied zwischen Mannschaft und Präsidium. "Gesangverein" FC Gohfeld In Gohfeld wurde aber nicht nur Fußball gespielt, im August 1983 wurde es auch "musikalisch". Ein Vereinslied sollte kreiert werden. Johanning stellte dabei den Kontakt zum damaligen Bad Oeynhausener Liedermacher Volker Rosin her, und für die Stimmen im Sieben-Personen-Chor sorgte auch einer, der in allen Lebenslagen des Vereins für tolle Stimmung sorgte. Ernst "Ernie" Schomburg, langjähriger Fußball-Obmann des FCG, schmetterte gemeinsam mit Manfred "L" Meyer, Manfred "Z" Meyer, Lothar Johanning sowie dem Bruderpaar Michael und Andreas Meyer das neue "Gohfeld-Lied". Liedgut und Sangesbrüder verschwanden aber später wieder in der Versenkung. In den Charts tauchte die Gohfelder Hymne jedenfalls nicht auf. Fortuna bei der Einweihung Ein paar Monate zuvor wurde der neue Gohfelder Rasensportplatz am Mittelbach seiner Bestimmung übergeben. Prominenz aus der Wirtschaft, der Politik und aus dem Sport gaben sich die Klinke in die Hand, als sich im Einweihungsspiel Fortuna Düsseldorf mit Rudi Bommer, Woyke sowie Bockenfeld und der SV Göttingen 05 gegenüberstanden. Bei strömendem Regen fanden sich nur etwas mehr als 1.000 Besucher ein, die aber dennoch ein rassiges Spiel sahen und einen überraschenden Sieg der Mannschaft aus der Regionalliga Nord. Übrigens ging Göttingen 05 in den späteren Jahren einen ähnlichen Weg wie zuvor der FC Gohfeld, nachdem der Verein aus der Studentenstadt Anfang 2003 in die Insolvenz ging und später aus dem Vereinsregister gestrichen wurde und unter dem neuen Namen RSV Göttingen einen neuen Anfang in der Bezirksoberliga machte. Unter dem Motto "Neue Spieler braucht das Land" wurde am Mittelbach in den folgenden Jahren gehandelt. Ein neuer Stürmer kam aus dem Sauerland, war westfälischer Auswahlspieler und spielte schon in der 2. Bundesliga für Union Solingen. Sein Name war Achim Gailer, der aber nach relativ kurzer Zeit seinen Namen änderte. Weil Gailer aufgrund seines Nachnamens oft gehänselt wurde, nahm er schließlich den Namen seiner Frau an. Fortan schoss er unter dem neuen Namen Achim de Vries Tore für die Fußball-Auswahl Westfalens und in der Verbandsliga für den FC Gohfeld. Grenzöffnung machts möglich Die Grenzöffnung zum Osten Deutschlands im Herbst 1989 war auch am Gohfelder Mittelbach ein Thema. "Besucher aus der DDR erhalten freien Eintritt" hieß es beim Landesliga-Derby zwischen dem FC Gohfeld und dem VfL Mennighüffen. Rund 500 Besucher fanden sich am Mittelbach ein, aber aus der ehemaligen DDR waren kaum Zuschauer vor Ort. Die Grün-Weißen praktizierten diese Aktion auch in den weiteren Heimspielen. Die wurde dann aber mit Beginn der Rückrunde 1990 wieder eingestellt. Bunte Fußball-Geschichten gibt es aber noch weitaus mehr über und um den FC Gohfeld. Darüber wird in einer anderen Ausgabe berichtet.

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