Jubel auf der Bank: Die Weher Pascal Schwacke (v.r.), Fynn Depenbrock, Torben Klostermann und Dario Hodde. Foto: andreas Gerth - © Andreas Gerth
Jubel auf der Bank: Die Weher Pascal Schwacke (v.r.), Fynn Depenbrock, Torben Klostermann und Dario Hodde. Foto: andreas Gerth | © Andreas Gerth

Lübbecke Derby zum Heimspiel werden lassen

Handball-Verbandsligist HSG Hüllhorst kann sich auf die Fanunterstützung auch beim Sieg in Nettelstedt verlassen. „Die ist für einige Punkte gut“, bedankt sich Kapitän „Siggi“ Kreft im Namen der Mannschaft

Andreas Gerth
20.02.2019 | Stand 20.02.2019, 19:04 Uhr
Rainer Placke

Die HSG Hüllhorst ist auf dem besten Weg auch in der elften Saison in der Handall-Verbandsliga den Klassenerhalt zu erreichen. Mit einem 23:17 beim Nachbarn TuS Nettelstedt II gelang der Mannschaft im vierten direkten Vergleich mit der Nettelstedter Reserve der erste Derbysieg. Unter anderem auch deshalb, weil die Fans der HSG Hüllhorst in der Nettelstedter Sporthalle deutlich in der Überzahl waren und die Begegnung zu einem Hüllhorster Heimspiel werden ließen. KREFT ORDERT KISTEN „Wir haben ihnen vor dem Spiel drei Kisten Bier zukommen lassen. Das werden jetzt aber garantiert mehr“, meinte HSG-Kapitän „Siggi“ Kreft nach der Partie, als die Mannschaft von den Fans gefeiert wurde. „Die Unterstützung ist wirklich sagenhaft. Die ist pro Saison für einige Punkte gut“, ergänzte Kreft, der in der Abwehrmitte in vielen Szenen ein schier unüberwindbares Hindernis für die Nettelstedter Werfer darstellte. „Wir dürfen jetzt aber nicht nachlassen, nur weil wir 15 Punkte auf dem Konto haben“, mahnte der Hüllhorster Kapitän sogleich. HALSTENBERG ERLEICHTERT Darüber freute sich wiederum sein Trainer Lars Halstenberg, der nach dem 23:17 ganz tief durchatmete. „Augenblicklich sieht es gut aus, doch es kommen noch einige knifflige Aufgaben auf uns zu“, übt sich der 31-Jährige neun Spieltage vor Saisonende weiter in Zurückhaltung. Schon am kommenden Samstagabend steht eine der schwersten Aufgaben bevor, wenn sich Tabellenführer Rödinghausen in Hüllhorst vorstellt. „Die letzten Wochen waren extrem anstrengend. Wir können der Partie ganz gelassen entgegensehen, denn wir sind der krasse Außenseiter“, betont Lars Halstenberg. BLOMENKAMP HÖRT AUF Das sieht auch Hüllhorsts Spielgestalter Tim Blomenkamp so. „Gegen Rödinghausen haben wir überhaupt nichts zu verlieren. Jeder rechnet mit einer Niederlage von uns. Wir werden das in aller Ruhe auf uns zukommen lassen“, so Blomenkamp, der allerdings genauso gut weiß, dass auch der CVJM Rödinghausen mit dem nötigen Respekt in der Hüllhorster Sporthalle auftreten wird. Für Tim Blomenkamp sind die kommenden Wochen und Monate ganz speziell, denn am Ende der Saison wird er aufhören. „Ich muss leider, denn das Knie bereitet immer häufiger Probleme“, erzählt Hüllhorsts Spielmacher, der sich bei den Trainingseinheiten oft zurücknimmt, um an den Spieltagen einsatzbereit zu sein. Einen ganz großen Wunsch hat Tim Blomenkamp aber noch: er möchte seine aktive Laufbahn mit dem Klassenerhalt in der Verbandsliga abschließen. „Dafür werden wir in den noch ausstehenden Begegnungen alles tun. Unsere Mannschaft ist augenblicklich so gefestigt, dass wir sehr gute Chancen besitzen die Klasse zu halten.“ DER TOTALE GEGENSATZ Der TuS Nettelstedt II befindet sich im Gegensatz zur HSG Hüllhorst dagegen total in der Abwärtsspirale. Seit der Freistellung von Trainer Sebastian Redeker holte die vollkommen verunsichert wirkende Mannschaft lediglich einen Punkt – der letzte Platz mit 9:25 Zählern spiegelt das aktuelle Leistungsvermögen der Nettelstedter wider. Auch wenn Interimstrainer Julian Grumbach im Derby gegen Hüllhorst „zumindest eine Steigerung in der Abwehrarbeit“ gesehen hatte. „Wir haben aber vorne die Bälle zu leichtfertig weggeworfen. Das müssen wir schleunigst ändern“, so Grumbach. Die für Freitagabend angesetzte Partie bei Lit Tribe Germania wird übrigens verlegt und zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt. BYCZYNSKI FÄLLT AUS Zu der schlechten Platzierung kommen noch erhebliche Personalsorgen dazu. Nettelstedts Kapitän Chris Byczynski zog sich im Derby gegen Ende der ersten Halbzeit eine Verletzung am Innenmeniskus zu und fällt erst einmal aus. Er ist nach Maurice Schirge und Jonas Mündemann der dritte Linkshänder, der in den kommenden Wochen fehlen wird. Mit Niklas Spreen steht nur noch ein Spieler für die rechte Angriffsseite zur Verfügung. „Im Augenblick kommen viele negative Dinge zusammen, doch wir geben uns nicht auf. Rechnerisch ist noch alles möglich“, verliert sich Grumbach in Durchhalteparolen. Fakt ist nach der Derbypleite jedenfalls eines: sollte sich der TuS Nettelstedt II in den kommenden Wochen ähnlich präsenteren, ist der Abstieg in die Landesliga nicht zu verhindern. GEHLENBECK GRATULIERT Dort gibt es aktuell zwei Lübbecker Mannschaften, und die standen sich am vergangenen Samstag im direkten Duell gegenüber – mit verdientem Ausgang. „Wehe war die bessere Mannschaft, das muss man anerkennen“, betonte Gehlenbecks Trainer Fred Hölscher nach dem 24:26. Während seine Mannschaft die Partie mit acht einsatzfähigen Feldspielern auf der letzten Rille beendete und sich angesichts dieser Umstände noch sehr respektabel verkaufte, feierten sich die zwölf Spieler und zwei Torhüter des TuS SW Wehe lautstark als „Derbysieger“. GUTE GELEGENHEITEN Damit legten die Weher (18:14 Punkte) wieder etwas mehr Luft zwischen sich und den TuS Gehlenbeck (14:20). Beiden bietet der nächste Spieltag übrigens gute Gelegenheiten, das Punktekonto aufzubessern. Das Team von Fred Hölscher, das in erster Linie den Klassenerhalt im Auge behalten muss, hat am Samstag ein wichtiges Auswärtsspiel beim Drittletzten SG Detmold vor der Brust, am Sonntag dann laufen die Weher als haushoher Favorit im Heimspiel gegen das nach 16 Partien noch immer punktlose Tabellenschlusslicht HSG EURo auf. BANGEN UM HÖLSCHER Beim TuS Gehlenbeck bangt man allerdings um den Kapitän. Spielmacher Jannik Hölscher zog sich bereits in der ersten Halbzeit des Derbys eine Knieverletzung zu, die nichts Gutes vermuten lässt. Weitere Ausfälle von Marius Hucke sowie Dimitrij Penner nach der dritten Zeitstrafe reduzierten das ohnehin nicht üppige Aufgebot der Rot-Weißen, die ohne Christian Meistrell und ihren langzeitverletzten Torwart Thorben Reinermann antraten. Dass Christoph Grotefeld nach Spielende erst einmal sein lädiertes linkes Knie kühlte, passte ins Bild.

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