Wie vom Donner gerührt: Linksaußen Jan-Eric Speckmann (v.l.), der beim TuS N-Lübbecke zu den besten Akteuren gehörte, Dener Jaanimaa und Lukasz Gierak kassierten in Hagen die erste Niederlage. Die Chance zur Wiedergutmachung bietet sich aber schnell. Foto: Oliver Krato - © Krato
Wie vom Donner gerührt: Linksaußen Jan-Eric Speckmann (v.l.), der beim TuS N-Lübbecke zu den besten Akteuren gehörte, Dener Jaanimaa und Lukasz Gierak kassierten in Hagen die erste Niederlage. Die Chance zur Wiedergutmachung bietet sich aber schnell. Foto: Oliver Krato | © Krato

Lübbecke Die Souveränität beim TuS N-Lübbecke ist noch nicht da

Der Meisterschaftsfavorit der 2. Handball-Bundesliga bekommt bei der Niederlage in Hagen einen ersten gefährlichen Schuss vor den Bug

Andreas Gerth

Als Einlaufmusik vor dem Spiel hatten die Gastgeber den Hardrock-Klassiker „Thunderstruck“ von AC/DC gewählt – das passte, denn 60 ereignisreiche Spielminuten später sahen die Akteure des TuS N-Lübbecke tatsächlich aus wie vom Donner gerührt. Das 26:27 (16:16) am Freitagabend bei Eintracht Hagen (wir berichteten bereits am Samstag) bescherte ihnen im zweiten Saisonspiel der 2. Handball-Bundesliga die erste Niederlage – und ein verbales „Donnerwetter“ von Trainer Aaron Ziercke obendrein. „Ich habe noch immer das Gefühl, dass Hagen nicht gewonnen, sondern wir das Spiel verloren haben. Eigentlich haben wir uns ja selber geschlagen“, erklärte Ziercke, bei dem Ärger und Enttäuschung auch mit ein wenig Abstand zum Erlebten nicht verraucht waren. „Gut ist nur, dass wir bereits am Dienstag wieder ran müssen und schnell die Chance zur Wiedergutmachung bekommen“, so Ziercke mit Blick auf das erste Lübbecker Heimspiel morgen Abend gegen den Wilhelmshavener HV. Anwurf in der renovierten Kreissporthalle ist um 19.30 Uhr. „In 100 Sekunden eingerissen, was wir uns vorher mühsam aufgebaut hatten“ Dann wird sich zeigen, welche Schlüsse die Spieler des Erstligaabsteigers aus dem ersten, gefährlichen Schuss vor den Bug gezogen haben. Gefährlich auch deshalb, weil das Spiel in Hagen den Beweis lieferte, dass der Meisterschaftsfavorit aus Lübbecke („der FC Bayern der zweiten Handball-Bundesliga“, so Hagens Trainer Niels Pfannenschmidt) nicht unschlagbar ist. „In Hagen hatten wir in der ersten Halbzeit eine Vier-Tore-Führung und kassieren danach fünf Konter aus einfachen Passfehlern. Da haben wir in 100 Sekunden eingerissen, was wir uns vorher mühsam aufgebaut hatten. Das ist, was mich am meisten nervt“, legt der Trainer den Finger noch einmal in die Wunde. Ein Deja-vu erlebte er dann Anfang der zweiten Halbzeit, als seine Mannschaft noch einmal mit 20:17 vorne lag. „Auch da hat uns der Killerinstinkt gefehlt“, betont Aaron Ziercke. Dabei schienen die Lübbecker mit ihrem Spiel über die Außenpositionen ein effektives Mittel gefunden zu haben. Jan-Eric Speckmann (er kam rein, nachdem Jens Bechtloff frühzeitig eine Zeitstrafe kassierte) sowie Peter Strosack auf der rechten Seite machten aus elf Versuchen zehn Tore. „Specki muss man positiv herausnehmen, er hat sein zweites gutes Spiel gemacht, ebenso Peter Strosack. Doch das haben wir nicht durchgezogen, sondern schlechtere Abschlüsse genommen. Da muss sich der Rückraum auch mal zurücknehmen und das Ego hinten anstellen“, kritisiert der TuS-Coach mit klaren Worten. Mit der Abwehrarbeit sei er einverstanden gewesen. „Aus dem Tritt gebracht haben uns die Angriffsfehler. Wir haben das mannschaftliche Zusammenspiel vernachlässigt und zu viele individuelle Lösungen gesucht. So hat sich Hagen wieder ins Spiel reinbeißen können“, ärgert sich der 46-Jährige, um nach dem zweiten Spiel eine realistische Feststellung zu machen: „Die Souveränität ist noch nicht da.“ In der Tabelle muss der TuS N-Lübbecke, der sich bekanntlich den Wiederaufstieg als Saisonziel auf die Fahne geschrieben hat, mit seinen 2:2 Punkten nun erst einmal Boden gut machen. Teams wie der HC Coburg, Lübbecke-Bezwinger VfL Eintracht Hagen (beide 5:1) und ASV Hamm-Westfalen (4:0) marschieren vorne weg. Auch der Wilhelmshavener HV (3:1), der sich morgen Abend zum ersten Lübbecker Heimspiel in der Kreissporthalle vorstellt, weist ein positives Punktekonto auf. „Da werden wir natürlich unter Beobachtung stehen“, ist sich Aaron Ziercke bewusst.

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