Stinksauer: Trainer Aaron Ziercke bei einer seiner drei wenig fruchtenden Ansprachen an die Mannschaft. - © Stefan Pollex
Stinksauer: Trainer Aaron Ziercke bei einer seiner drei wenig fruchtenden Ansprachen an die Mannschaft. | © Stefan Pollex

Bohmte TuS N-Lübbecke auf der Suche nach Form und Formation

Handball: Zweitligist enttäuscht beim 25:25 im Test gegen den TuS Ferndorf auf der ganzen Linie. Trainer Aaron Ziercke ist stinksauer

Rainer Placke

Bohmte. Eine Woche vor dem ersten Pflichtspiel im DHB-Pokal in Emsdetten ist Handball-Zweitligist TuS N-Lübbecke auf der Suche nach Form und Formation. Nach dem 25:25 (14:12) gegen den Liga-Konkurrenten TuS Ferndorf in Bohmte platzte Trainer Aaron Ziercke der Kragen. Er wählte für seine Verhältnisse drastische Worte nach der enttäuschenden Vorstellungen. "Dieser Auftritt ist inakzeptabel und undiszipliniert. Jeder hat für sich gespielt. Ich bin stinksauer, und das habe ich der Mannschaft eben auch lautstark mitgeteilt", so ein erregter Ziercke, der lediglich die beiden Torhüter Peter Tatai und Joel Birlehm von dieser Kritik ausnahm. "Dieser Auftritt ist inakzeptabel und undiszipliniert" Immerhin wehrten die beiden Schlussleute 20 Bälle ab - darunter war in der letzten Aktion des Spiels ein von Peter Tatai gehaltener Siebenmeter. "Wenn wir in dieser Form in der Liga auftreten, haben wir keine Chance. So darf und kann es nicht weitergehen", ergänzte Ziercke, der bereits nach 45 Minuten seine drei Auszeiten verbraucht hatte. Doch egal was der 46-Jährige seinen Spielern mit auf den Weg gab, es fruchtete nicht. Lediglich in der Anfangsphase ließ man im Angriff den Ball laufen und wartete bis sich eine Wurfchance bot. Doch mit zunehmender Spielzeit zerfaserten die Lübbecker Angriffsbemühungen, weil jeder Rückraumspieler nur an sich dachte. "Mannschaftliches Spiel habe ich nur ganz selten gesehen. Das waren nur Einzelaktionen", ärgerte sich Ziercke über die wirklich schlechte Angriffsleistung. Dort begann Lukasz Gierak auf der Mitte, unterstützt von Dener Jaanimaa und Marian Orlowski. Nur in der Anfangsphase sah das ordentlich aus (10:7 und 12:8 sowie 14:9), anschließend wurde es immer weniger. Kenji Hövels, der kurz vor der Pause im Gesicht getroffen wurde, konnte anschließend nicht mehr eingesetzt werden. "Er hätte es vielleicht anders steuern können", mutmaßte Aaron Ziercke, der mit ansehen musste, wie seine Mannschaft nach der Pause beim 20:21 erstmals in Rückstand geriet und diesem bis zum Ende der Partie hinterherrannte. Ebenfalls auffällig war die Tatsache, dass der neue Kreisläufer Patrick Walczak und Moritz Schade in den gesamten 60 Minuten kein einziges brauchbares Anspiel erhielten- der einzige Walczak-Treffer resultierte aus einem erweiterten Gegenstoß. Noch gravierender waren allerdings die Defizite im Abwehrverbund. "Hätten Peter Tatai und Joel Birlehm nicht so stark gehalten, hätten wir eine deutliche Niederlage kassiert", so Ziercke, der vor allem mit dem Deckungsverhalten der im Innenblock eingesetzten Spieler überhaupt nicht zufrieden war. Zunächst versuchten sich die beiden Polen Patrick Walczak und Lukasz Gierak in der Abwehrmitte, auf den Halbpositionen unterstützt von Dener Jaanimaa und Marian Orlowski. Doch man agierte viel zu offensiv und bekam das Ferndorfer Spiel über den Kreis überhaupt nicht in den Griff. Doch auch die Formationen mit Bagaric/Schade oder Gierak/Schade machten es im weiteren Spielverlauf nicht wesentlich besser. Die Formation der vergangenen zwei Jahre, gebildet von Nils Torbrügge und Piotr Grabarczyk, wurde schmerzlich vermisst. Gar nicht zum Einsatz kam in Bohmte der neue Kapitän Jens Bechtloff, der nach dem Abschlusstraining am Freitag über Beschwerden am Oberschenkel klagte. "Wir wollten kein Risiko eingehen, in Emsdetten werde ich spielen können", so Bechtloff. Doch auch dem Spielführer war nicht entgangen, dass es nicht sonderlich rund läuft. "Wir müssen vor allen Dingen mehr Leidenschaft entwickeln und viel mehr miteinander sprechen. In der Vorbereitung haben wir nur gegen Lübeck-Schwartau gewinnen können", lautete Bechtloffs Einschätzung der aktuellen Situation. Die ist wahrlich nicht so, wie sich die Verantwortlichen das gerne vorgestellt hätten. Auf Trainer Aaron Ziercke wartet in den kommenden Wochen extrem viel Arbeit, um ein Team zu formen, das tatsächlich in der Spitzengruppe der 2. Handball-Bundesliga eine Rolle spielen kann - in der Verfassung der letzten Wochen wird das jedenfalls nicht der Fall sein. TuS N-Lübbecke: Tatai, Birlehm; Genz (1), Walczak (1), Bechtloff (n.e.), Gierak (4), Bagaric (1), Strosack (3), Rakovic (1), Spohn (2), Jaanimaa (4), Schade, Orlowski (4/2), Speckmann (4), Hövels.

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