Versteht etwas vom Lenken des Lübbecker Angriffsspiels und verbaler Verteidigung: Kenji Hövels hat sich als Fan des Ballflachhaltens geoutet. "Wir sind gut beraten, weiter von Spiel zu Spiel zu schauen", betonte der 23-Jährige nach dem Sieg im Spitzenspiel. - © Oliver Krato
Versteht etwas vom Lenken des Lübbecker Angriffsspiels und verbaler Verteidigung: Kenji Hövels hat sich als Fan des Ballflachhaltens geoutet. "Wir sind gut beraten, weiter von Spiel zu Spiel zu schauen", betonte der 23-Jährige nach dem Sieg im Spitzenspiel. | © Oliver Krato

Lübbecke TuS N-Lübbecke beherrscht die Kunst des Ballflachhaltens

An den Spielern prallen die Themen Aufstieg und Meisterschaft ab wie zuvor die Versuche des TV Hüttenberg im Spitzenspiel. Nur Pontus Zetterman gibt sich offensiver - aus gutem Grund

Andreas Gerth

Lübbecke. Eine Minute vor Spielende klatschte Trainer Aaron Ziercke Sponsor Armin Gauselmann ab, zu diesem Zeitpunkt stand das Publikum in der Lübbecker Kreissporthalle bereits und feierte den neuen Spitzenreiter der 2. Handball-Bundesliga. Dessen Spieler fing Ziercke gleich nach dem Schlusspfiff ein und holte sie im Mannschaftskreis zusammen. Die Ansage: Den Sieg und Moment genießen, aber den Ball flach halten. Themen mit "A" wie Aufstieg und "M" wie Meisterschaft ließen die Akteure des TuS N-Lübbecke dann auch ebenso gekonnt an sich abprallen wie zuvor die Versuche des TV Hüttenberg beim 28:26 im Spitzenspiel. "Es bringt doch nichts von Dingen zu träumen, die wir längst noch nicht erreicht haben", sagte Kenji Hövels. Der 1,80 Meter große Spielmacher des TuS N-Lübbecke trumpfte am Mittwoch einmal mehr stark auf und war Ausgangspunkt vieler spielerischer Lösungen gegen die offensive Deckung der Gäste. Doch nicht nur vom Lenken des Lübbecker Angriffsspiels, sondern auch von der verbalen Verteidigung versteht Hövels etwas. "Wir sind gut beraten, weiter von Spiel zu Spiel zu schauen. Ich persönlich bin ein Fan davon, den Ball flach zu halten", so der 23-Jährige mit einem zufriedenen Grinsen. "Ich glaube, das Thema Aufstieg wird Außen mehr beredet als bei uns intern", meint Ramon Tauabo. Der im Vergleich zum vergangenen Jahr aufblühende Rechtsaußen war am Mittwoch einer der Profiteure des gut eingestellten Lübbecker Angriffsspiels. "Es war vorher besprochen worden, über die Außen zu spielen. Das hat sehr gut geklappt", freute sich der vierfache Torschütze. Doch auch Tauabo ließ sich nach dem neunten Sieg im neunten Heimspiel der Saison nicht so recht aus der Reserve locken: "Das war eins super Leistung, und wir haben gezeigt, dass wir auch einen Ausfall, wie den von Nils Torbrügge kompensieren können. Doch wir haben noch die komplette Rückrunde vor uns, deswegen schaue ich lieber nur von Spiel zu Spiel." Die griffige Flügelzange der Lübbecker perfekt machte im Spitzenspiel Jens Bechtloff auf der linken Seite. Ihm gelangen ebenfalls vier Treffer, darunter die vorentscheidenden zum 25:21 und 26:22. Doch auch der erstligaerfahrene Ex-Lemgoer macht um das A-Wort lieber noch einen Bogen. "Bei unserer Niederlage in Rostock hat man doch gesehen, wie schnell es in die andere Richtung gehen kann." Ein wenig offensiver gibt sich Pontus Zetterman - aus gutem Grund. Denn die Vertragsverlängerung des einmal mehr erfolgreichsten Lübbecker Torschützen gilt nur für die erste Liga. "Für mich und die Mannschaft ist der Aufstieg das große Ziel", betont der 23-jährige Schwede. Zetterman dürfte bei einigen Erstligisten in den Notizbüchern stehen, bekennt sich aber zum TuS N-Lübbecke: "Für mich als jungen Spieler ist es wichtig, möglichst viele Spielanteile zu bekommen. Das ist in Lübbecke der Fall, deshalb wäre es schön, wenn ich hier bleiben könnte." Doch dafür muss der Aufstieg her. "Erst einmal sind wir Herbstmeister", lächelt Aaron Ziercke, dessen Team 19 der insgesamt 38 Spiele einer Marathon-Saison absolviert hat. Der Trainer des TuS N-Lübbecke lebt seinen Spielern vor, den Moment zu genießen. "Diese Anerkennung haben sich die Jungs verdient, weil sie ein sehr gutes Zweitligaspiel gegen den bisherigen Spitzenreiter verdient gewonnen haben und dabei das Endergebnis nach meinem Geschmack eher zu knapp ausgefallen ist. Wir sind nach Ende der Hinrunde Tabellenführer mit sieben Minuspunkten, das hätte vor der Saison jeder mit Kusshand genommen." Noch nicht vergessen hat Ziercke den Auftritt der Mannschaft im letzten Spiel des vergangenen Jahres in Rostock. "Dort haben wir erlebt, wie es ist, wenn man glaubt, die zwei Punkte schon vorher gewonnen zu haben." Auch Ziercke versteht die Kunst des Ballflachhaltens: "Die Mannschaft und ich haben uns vor der Saison vorgenommen, eine geile Runde zu spielen, eine geile Hinrunde ist es schon einmal geworden."

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