Das Zugpferd: Sebastian Dietz, hier bei der Pressekonferenz für den Talenttag, holte sich jetzt in den Berlin bei den europäischen Para-Leichtathletikmeisterschaften mit 15,28 Metern den Titel im Kugelstoßen. Im vergangenen Jahr stieß der Paralympics-Sieger von 2017 die Kugel in Bad Oeynhausen auf die Weltrekordweite von 15,47 Metern, doch die Weite wurde offiziell nicht anerkannt. Der aktuelle Weltrekord liegt bei 15,34 Metern. - © Jürgen Krüger
Das Zugpferd: Sebastian Dietz, hier bei der Pressekonferenz für den Talenttag, holte sich jetzt in den Berlin bei den europäischen Para-Leichtathletikmeisterschaften mit 15,28 Metern den Titel im Kugelstoßen. Im vergangenen Jahr stieß der Paralympics-Sieger von 2017 die Kugel in Bad Oeynhausen auf die Weltrekordweite von 15,47 Metern, doch die Weite wurde offiziell nicht anerkannt. Der aktuelle Weltrekord liegt bei 15,34 Metern. | © Jürgen Krüger

Bad Oeynhausen Para-Leichtathletik: Talenttag mit Sebastian Dietz

Der Verein BSG Bad Oeynhausen und der Europameister wollen sich als Landesstützpunkt etablieren

Jürgen Krüger

Es sind dicke Bretter, die Sebastian Dietz zu bohren hat. Doch er wäre in seinem Leben ganz sicher nicht so weit gekommen, wenn wenn er schnell aufgeben hätte. Und so setzt er seinen Namen und seine Kraft dafür ein, Menschen mit Handicap und Spitzensport zusammenzubringen. Dazu führt der Verein Bewegung, Sport, Gesundheit (BSG) Bad Oeynhausen, dessen 2. Vorsitzender Sebastian Dietz seit rund einem Jahr ist, am Samstag, 8. September, im Schulzentrum Süd einen Talenttag der Para-Leichtathletik durch. Es soll sich dabei um den einzigen Talenttag in Ostwestfalen-Lippe handeln. In der Zeit von 10 Uhr bis um 13 Uhr dürfen behinderte Menschen eine ganze Reihe von Sportarten ausprobieren, die bei den Para-Leichtathleten als Sportarten mit Behinderungsgraden zugelassen seien, wie es bei der Pressekonferenz hieß. Es soll eine Laufstation geben, eine Wurfstation mit Kugelstoßen, Diskus- und Speerwurf, Werfen im Sitzen und Weitsprung. Alle Stationen sollen von erfahrenen Trainern betreut werden. Als Zielgruppe sind amputierte Kinder, Kleinwüchsige, Sehbehinderte und Menschen mit spastischen Lähmungen oder intellektuellen Beeinträchtigungen im Alter ab sechs Jahren definiert. Eine Altersgrenze nach oben möchte Sebastian Dietz nicht festlegen. „Ich hatte neulich eine Anfrage eines 35-Jährigen. Natürlich darf er auch mitmachen", sagt der Paralympics-Sieger, Welt- und Europameistermeister im Kugelstoßen. Schwierig sei teilweise die Klassifizierung, fährt er fort. Um einzuschätzen, ob überhaupt und in welche Behinderungsklasse ein Sportler eingeordnet werden könnte, ist Helmut Hoffmann mit dabei, – Arzt der Deutschen Para-Nationalmannschaft. Unterstützt wird er von einem Physiotherapeuten der Reha-Klinik Herford. Der Talenttag in Bad Oeynhausen soll auch von aktuellen Spitzensportlern unterstützt werden. Neben Sebastien Dietz sollen Sitzwerferin Birgit Kober, Para-Europameisterin im Kugelstoßen, und Frank Tinnemeier, Paralympics-Teilnehmer und ehemaliger Deutscher Meister im Kugelstoßen, mit dabei sein. Alexander Holstein, Trainer von Sebastian Dietz, hat im SZ Süd ein Heimspiel. Zusagt haben auch der ehemalige Deutsche Meister über 100 und 200 Meter, Alexander Kosenkow, sowie mit Rüdiger Pudenz und Clyde White zwei heimische Leichtathletik-Trainer. „Damit bieten wir sehr viel Qualität, um den Kindern an den Stationen den Sport und die Idee hinter dem Talenttag nahe zu bringen", sagt Dietz. „Wir wollen Kinder und Talente sichten und für den Leistungssport werben. Ich denke, es ist für Kinder eine Chancen. Ich hoffe nur, dass die Eltern das auch so sehen. Es ist eine Chance für ihr Kind, in die Gesellschaft zurückzukommen und Selbstbewusstsein zu erlangen. Deshalb appelliere ich an jedes Elternteil, ihre Kinder einfach loszulassen und zu uns zu schicken. Wir können versprechen, dass wir behutsam mit ihnen umgehen." Sebastian Dietz, der sich momentan mit einer Entzündung im linken Ellenbogen herumschlägt, sieht sich als Zugpferd und Sprachrohr des Talenttages, die Organisation habe zum größten Teil in den Händen der BSG Bad Oeynhausen gelegen. Und hier möchten der Vorsitzende Holger Diekmann und Ehrenvorsitzender Albrecht Kaiser insbesondere Lieseltraud Lange-Riechmann vom Wittekindshof loben. „Sie hat sich unglaublich in das Projekt hineingekniet", wie Diekmann sagt. Bei der gestrigen Pressekonferenz war sie aus beruflichen Gründen nicht anwesend. Langfristiges Ziel sei es, Bundesleistungsstützpunkt zu werden. Der Talenttag sei ein Schritt in diese Richtung, wie Dietz sagt. Bad Oeynhausen ist seit 2016 Landesstützpunkt Leistungssport des Deutschen Behindertensportverbandes. Momentan lägen neun Anmeldungen für den Talenttag vor. Darunter ist auch eine Familie aus Neuss. Mit ihrem behinderten Sohn gehörten sie zu den 56 Kindern vom Verein „Schaki", dessen Botschafter Sebastian Dietz ist, und für die er Eintrittskarten für Berlin gekauft hatte. Anja und Karsten Gehlken aus Rödinghausen leiten „Schaki", die nach eigenen Angaben „Deutschlands größte Selbsthilfegruppe für Familien mit Schlaganfall-Kindern". Karsten Gehlken sagt: „Ich hoffe, dass man den Rückenwind, den die Para-Leichtathletik momentan erfährt, nutzt, und dass viele Kinder und Eltern letztendlich aus ihren Schlupflöchern herauskommen und sagen: Ich trau mich, ich schau mir das an, wir gehen zu den Talenttagen."

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