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Dichtes Gedränge: In Oerlinghausen ist die Hermannslauf-Stimmung besonders gut. Foto: Patrick Herrmann - © Patrick Herrmann
Dichtes Gedränge: In Oerlinghausen ist die Hermannslauf-Stimmung besonders gut. Foto: Patrick Herrmann | © Patrick Herrmann

Ausdauersport Hermannslauf: In Oerlinghausen tanken die Läufer Kräfte auf

Die ortsansässige Laufgemeinschaft versorgt die rund 7.000 Athleten an ihrem Stand

Fabian Terwey
26.04.2019 | Stand 26.04.2019, 19:54 Uhr

Schloß Holte-Stukenbrock / Oerlinghausen. Schon an der Windmühle auf dem Tönsberg ist seine Stimme zu hören. Wenn die ersten der exakt 7.190 aus Detmold startenden Athleten beim 48. Hermannslauf am kommenden Sonntag gegen 12 Uhr das Oerlinghauser Wahrzeichen passieren, kommentiert Horst Biere das bunte Treiben inmitten der tosenden Bergstadt. Der Moderator auf dem Sprecherpodest und das 40-köpfige Laufgemeinschaft-Orgateam um Ralf Klöpping am großen Stand versorgen mit Infos, Zwischenzeit, Wasser und Obst – die Zuschauer mit neuer Motivation. Denn die dicht gedrängten Massen entlang der rund 800 Meter langen Partymeile pushen die Läufer bei Kilometer 18 von genau 31,1 Kilometern noch einmal für den zähen Endspurt Richtung Bielefeld. „Es ist die größte Veranstaltung in Oerlinghausen. Für die Läufer ist es der schönste Teil der Strecke. Es kann sich aber rächen, es hier zu schnell anzugehen. In der Schopke kann man dann die Leiden der Läufer beobachten“, sagt Horst Biere. Schon zum 16. Mal moderiert der LG-Sprecher das Geschehen, genauso häufig ist Biere selbst mitgelaufen. „Durch die Enge der Stadt hast du das Gefühl, du entwickelst richtig Geschwindigkeit.“ Etwas gemächlicher geht es bei den Wanderern zu. Sie starten schon um 8 Uhr, rund drei Stunden früher als die Läufer. Sie erreichen Oerlinghausen bereits gegen 10 Uhr. „Einige wandern verkleidet als Brautpaar oder Römer. Ein bisschen Spaß muss eben sein“, erklärt Horst Biere. Und für den sorgt auch der LG-Sprecher. „Die Reservistenkameradschaft Oerlinghausen läuft jedes Jahr von der Altdeutschen Bierstube bis zum Simonsplatz im Gleichschritt. Als ich in einem Jahr mal ’Abteilung halt’ rief, sind sie plötzlich aufeinander aufgelaufen wie die Elefanten im Dschungelbuch. Sie haben es mit Humor genommen.“ In sportlicher Hinsicht groß auflaufen, könnte LGler Tilo Kochsiek. „Seine Vorjahreszeit war 2:12 Stunden. Tilo läuft 80 Kilometer pro Woche und war in seinem Skiurlaub zuletzt im Höhentraining in Lech am Arlberg. Die rund 300 Stufen hohe Himmelsleiter ist er neunmal in Folge hochgelaufen“, sagt Biere. Kochsiek selbst sieht jemand anderen in der vereinsinternen Wertung der 97 gemeldeten LGler vorne. „Matthias Koch hat mich ja beim Ibbenbürener Klippenlauf überholt.“ Annika Herrmann könnte derweil unter die Top 5 der Frauen kommen. Biere: „2:15 Stunden sind möglich.“ »Da kann man gut fotografieren« Christoph Aßmann vom TTSV Schloß Holte-Sende möchte bei seiner 14. Teilnahme sogar noch schneller sein. „Meine Bestzeit liegt bei 2:10 Stunden. Da möchte ich wieder hinkommen.“ Problem: Aktuell läuft die Nase. „Aber ich habe ja noch meinen Motivationshai.“ Gemeint ist seine Tante Petra Otto. „Sie ist den Hermann selbst 20 Mal gelaufen. Wenn sie mich in Oerlinghausen sieht, springt sie sogar auf die Strecke. Da muss ich sie regelrecht umkurven.“ Auch Hermannslauf-Erfinder Peter Gehrmann plant den ein oder anderen Schlenker. Am gestrigen Donnerstag feierte der Ehrenvorsitzende der Ausdauersportgemeinschaft Teutoburger Wald noch seinen 80. Geburtstag an der Nordsee, am Sonntag verfolgt Gehrmann seine Spitzenläufergruppe auf einer Parallelstrecke mit Mountainbike und Auto. „Als Thomas Johannhörster vor seiner jetzigen Pause noch dabei war, wurde es ganz eng für mich, bei seiner Ankunft überhaupt im Ziel zu sein. Im Schopketal mache ich aber auf jeden Fall Station. Da kann man gut fotografieren.“ Gehrmanns schnellste Läufer im Rennen sind nun Peter Mertens und David Smyrek. „Vor zwei Jahren bin ich mit 2:07 Stunden Bestzeit gelaufen“, erklärt Smyrek. „Ziel ist es jetzt, unter 2:05 Stunden zu bleiben.“ Der ehemalige Nationaltrainer der Orientierungsläufer Gehrmann sieht aber auch Katharina Schrader, Linda Wendt und Marcel Voike vorne. Aufploppen wird auf dem Bildschirm von Bieres Co-Kommentator Hartmut Ringel auch der Name Jörg Tews. Für den Abteilungsleiter des Laufspaß Sende gehört der Hermann zur Vorbereitung auf den Marathon in Roth nahe Nürnberg und auf die 42,195 Kilometer in Berlin. Am Sonntag ist Tews ein Sender Hermann-Jubilar. Ebenso zum zehnten Mal dabei sind die Vereinskollegen Robert Henkenjohann, Dieter Horsthemke, Rita Kirst, Michael Schroll und Josef Schyra. Seine bereits 15. Teilnahme feiert Ralf Schöppner. Sternchenläuferin Ursula Wishart ist mit 76 Jahren die zweitälteste Frau im gesamten Hermannslauf-Feld. Zum Vergleich: Der älteste Teilnehmer ist 84 Jahre alt. Insgesamt sind 95 Sender im lila Trikot unterwegs. Für sie und die Teilnehmer am Hermannslauf-Training beginnt um 18.30 Uhr im Vereinsheim die Afterrun-Party. Dort wird gefeiert. Ganz so wie in Oerlinghausen.

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