Volle Konzentration auf den Puck, Ennio Albrecht im Eishockey-Tor. - © Christoph Jürgens
Volle Konzentration auf den Puck, Ennio Albrecht im Eishockey-Tor. | © Christoph Jürgens

Beverungen Ennio Albrecht ist auf dem Weg zum Eishockeyprofi

Der 18-jährige Wehrdener spielt im Nachwuchsteam der Krefeld Pinguine und stand schon im Kader des Proficlubs. Seine sportliche Ausbildung hat ihn auch schon nach Kanada geführt.

Torsten Wegener

Krefeld/Beverungen. Nach dem Silber-Coup bei den Olympischen Winterspielen hofft der Deutsche Eishockey-Bund auf einen nachhaltigen Schub für die Sportart. Für Ennio Albrecht hat es dieses Eishockey-Wunder von Pyeongchang aber gar nicht gebraucht, um den Eishockeysport lieben zu lernen. Ein Eishockeyfan als Vater, Talent und vor allem sehr viel Eigeninitiative und Fleiß haben dafür gesorgt, dass der Wehrdener den Sprung in die Deutsche Eishockey-Liga als Torwart schaffen könnte. Der 18-Jährige steht bereits im erweiterten Kader des Proficlubs Krefeld Pinguine. Zuvor verbrachte er zwei Jahre in Kanada. Es ist ein beachtlicher Werdegang von Ennio Albrecht, denn Ostwestfalen und vor allem der Kreis Höxter sind natürlich nicht bekannt für eine gute Nachwuchsförderung im Eishockey. Den Kontakt zum temporeichen Sport auf dem Eis erhielt der 18-Jährige durch seinen Vater, der in Düsseldorf aufgewachsen und ein Fan des achtfachen Deutschen Meisters Düsseldorfer EG ist. So manche Partie wurde gemeinsam in der Halle geschaut. Die Leidenschaft für die Sportart schwappte über und der Wehrdener meldete sich in Beverungen bei ERC Weserbergland zum Rollhockey an. Als er dort einmal die Position des Torwarts bekleidete, war der weitere sportliche Weg geebnet. Ennio Albrecht wollte mehr und wechselte mit zehn Jahren in die Jugendabteilung der Kassel Huskies. Schon früh nahm somit der Sport sehr viel Platz in seinem Leben ein. Dreimal in der Woche war Training in Kassel angesetzt – plus Spielbetrieb. Mit 14 Jahren nach Kanada Doch der Aufwand hatte sich gelohnt. Albrecht, der damals auf das Gymnasium Brede in Brakel ging, zeigte eine starke Entwicklung auf dem Eis und auf einmal stand eine tollkühne Idee von seiner Schwester im Raum. Ausland tue immer gut, sagte sie und schlug eine internationale Sportförderung vor. Der Vater griff die Idee auf und fragte, ob man sie gemeinsam umsetzen solle. Albrecht bekam einen Platz in der International Hockey Academy im kanadischen Calgary, die von einem Schweizer geleitet wird und Nachwuchsspieler aus der ganzen Welt einlädt. So ging Ennio Albrecht kurz vor seinem 15. Geburtstag den beachtenswerten Weg allein nach Kanada und ließ sich für zwei Jahre dort weiter ausbilden – dort spielte er in der kanadischen Schulsport Hockeyliga (CSSHL). Morgens stand Training auf dem Plan und am Nachmittag ging es zum Unterricht. „Durch die Online-Schule, die ich in Kanada besucht habe, weiß ich, was es heißt in Eigenverantwortung zu lernen", sagt der Goalie. Zwar wurden ihm die zwei Jahre Schule in Deutschland nicht angerechnet, trotzdem möchte er diese Schulausbildung, in der sehr viel Eigenständigkeit gefordert ist, nicht missen. Von der Ausbildung auf dem Eis ganz zu schweigen. „Das hat mich sportlich enorm weiter gebracht, auch weil in Kanada mit den Torhütern ganz anders trainiert wird als in Deutschland", so Albrecht. Wechsel ins Sportinternat nach Krefeld Nach zwei aufregenden Jahren in Kanada ging es dann im Sommer 2017 zurück nach Deutschland. Er stand mit einigen Nachwuchsabteilungen von Profimannschaften in Kontakt, habe sich dann letztendlich für den Krefelder EV entschieden. Die Gespräche mit dem Verein haben ihm am besten gefallen. „Zudem hat Krefeld natürlich noch eine gewisse Nähe nach Wehrden und erst recht nach Düsseldorf, wo auch meine Großmutter lebt." Während der Vater nun in seinem Eishockey-Herzen neben der Düsseldorfer EG auch Platz für den rheinischen Kontrahenten Krefeld Pinguine schaffen muss, war für Ennio Albrecht die Entscheidung zum KEV zu wechseln goldrichtig. Er lebt dort im Sport Internat Eishockey des KEV und spielt hauptsächlich in der U20 des KEV in der Deutschen Nachwuchsliga. Darüber hinaus hat er eine Spielberechtigung für den Oberligisten Herner EV. Diese Kooperationen können Vereine schließen, damit talentierte Nachwuchsspieler Spielpraxis bei den Senioren erhalten. Ersatz-Goalie in der DEL Doch der vorläufige Karrierehöhepunkt ereignete sich für Ennio Albrecht kurz vor seinem 18. Geburtstag, als die Krefeld Pinguine bekannt gaben, dass er auch eine Spiellizenz für die Pinguine in der DEL, der höchsten Eishockeyliga in Deutschland, erhält. Bei zwei DEL-Spielen, gegen Ingolstadt und Augsburg, saß er sogar schon auf der Bank. „Das war eine super Erfahrung, gerade weil man noch mal einen besseren Kontakt zu den Profis aufbaut", erklärt der Wehrdener. Dahinter steckt natürlich viel Arbeit. Fünf oder sechs Trainingseinheiten stehen montags bis freitags an, dazu am Wochenende ein oder zwei Spiele für die U20 oder für Herne. Wenn Bedarf vorhanden ist, trainiert er dienstags vormittags, in Absprache mit dem Gymnasium, bei den Profis mit. „Das hängt immer davon ab, ob ein Profitorwart verletzt ist, denn bei einem Training werden in der Regel drei Torhüter benötigt", erklärt Ennio Albrecht. Pinguine-Torwarttrainer Pierre Beaulieu ist aber von seinen Qualitäten überzeugt. Er fühlt sich in Krefeld angekommen. „Bei der U20 bin ich schon in einer Führungsrolle. Für diese Anerkennung trainiert man doch auch als Sportler. Es ist ein gutes Gefühl gebraucht zu werden", so der Wehrdener. Profikarriere fest im Visier Nun gilt es weiter an Erfahrung zu gewinnen. „2020 werde ich mein Abitur machen und bis Sommer 2020 kann ich auch noch in der U20 in Krefeld spielen. Ich hoffe, dass ich nächste Saison schon vermehrt Einsätze in der Oberliga bekomme – das ist für die Entwicklung wichtig, da das Spiel dort schneller ist, als in der Nachwuchsliga." Dann werde man sehen, wohin die Reise geht. Ziel sei aber natürlich die DEL. Bisher habe er durch den Sport großartige Erlebnisse gehabt. „Egal in welchen Verein ich gespielt habe, es gab bisher immer eine wahnsinnig tolle Unterstützung von den Trainern und Vereinen", freut sich Ennio Albrecht über die guten Kooperationen mit allen Beteiligten. Allen voran gilt das natürlich auch für die Unterstützung von seiner Familie.

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