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Machen sich stark für Integration: (v.l.) Ludger Spiegelberg (Kreissportbund) mit den Vereinsvertretern Dennis Spicker (Amelunxen), Bernd Mense (Amelunxen), Helmut Motyl (Warburg), Susanne Lohmann (Warburg) und Stefan Risse (Ovenhausen). - © Foto: Manuela Puls||
Machen sich stark für Integration: (v.l.) Ludger Spiegelberg (Kreissportbund) mit den Vereinsvertretern Dennis Spicker (Amelunxen), Bernd Mense (Amelunxen), Helmut Motyl (Warburg), Susanne Lohmann (Warburg) und Stefan Risse (Ovenhausen). | © Foto: Manuela Puls||

Kreis Höxter Integration gelingt beim Sport bestens

Bundesprogramm: Drei Stützpunktvereine im Kreisgebiet kümmern sich verstärkt um Zuwanderer. Der TuS Amelunxen, TuS Ovenhausen und Warburger SV bekommen dafür fünf Jahre lang Fördermittel

Manuela Puls
20.09.2017 | Stand 20.09.2017, 09:28 Uhr

Kreis Höxter. In der Amelunxer A-Jugend kicken viele Flüchtlinge. "Das sind vor allem Minderjährige, die ohne ihre Eltern nach Deutschland gekommen sind", erzählt Dennis Spicker vom TuS Amelunxen. Auch in den anderen Jugendabteilungen gibt es Migranten - insgesamt fast 30 Kinder und Jugendliche treiben in Amelunxen Sport, und das seit Jahren. Deswegen ist Amelunxen als Stützpunktverein "Integration durch Sport" ausgewählt worden. "Nirgendwo gelingt Integration so schnell und gut wie durch den Sport", sagt Ludger Spiegelberg vom Kreissportbund. Drei Vereine im Kreisgebiet dürfen sich mittlerweile Integrations-Stützpunkte nennen und fünf Jahre lang Mittel aus einem speziellen Programm der Bundesregierung beantragen. Neben Amelunxen machen auch der TuS Ovenhausen und der Warburger Sportverein mit. Insgesamt konnten die drei Vereine über das Programm schon 6.000 Euro abrufen. Bei dem Projekt gehe es nicht nur um Neuankömmlinge, sondern auch um Migranten, die schon seit Jahren da sind, aber noch nicht den Weg in die Sportvereine gefunden haben, betont Spiegelberg. TUS AMELUNXEN Es gehört viel Einsatz und auch Geld dazu, sich für die Integration stark zu machen. Zum Beispiel organisieren die Amelunxer regelmäßig einen Shuttleservice und holen die Flüchtlinge vom Ottberger Bahnhof ab: "Einige kommen zum Beispiel aus Steinheim und nehmen 75 Minuten Zugfahrt mit Umstieg in Altenbeken in Kauf, um hier bei uns mittrainieren zu können", berichtet Dennis Spicker. Ursprünglich lebten die Jugendlichen alle in Unterkünften im Stadtgebiet Beverungen, mittlerweile sind sie aber über den gesamten Kreis verstreut untergebracht. Jüngst machte der TuS mit den Flüchtlingen sogar eine Fahrt nach Hamburg mit Trainingsbesuch beim FC St. Pauli. Die Deutschkenntnisse der jungen Zuwanderer seien im Laufe der Zeit deutlich besser geworden, hat Spicker festgestellt. "Für die Jungs ist der Rückhalt im Verein ganz wichtig, weil ihnen ja die Familie fehlt", sagt er. Anfangs habe es noch Probleme mit der Disziplin gegeben, zum Beispiel mit Abmeldung bei Krankheit, aber das sei mittlerweile Geschichte. TUS OVENHAUSEN Auch der TuS Ovenhausen hat viele Geflüchtete und Migranten unter seinen Mitgliedern. Der Verein kümmert sich in erster Linie um Flüchtlingsfamilien. "Wir haben Eltern-Kind-Gruppen, aber auch reine Frauen-Kurse, weil es da anfangs starke Berührungsängste gab", berichtet Vereinssprecher Stefan Risse. Unter anderem bot der Verein einen Schwimmkurs an, weil Flüchtlingskinder oftmals nicht gut schwimmen können. Viele Migrantenkinder sind in der Ovenhäuser Leichtathletik-Abteilung dabei, besonders beim Laufen sind sie stark vertreten und nehmen auch teilweise an Wettkämpfen teil. Risse erinnert sich noch gerne an das zweitägige Leichtathletik-Trainingslager, wo sich Einheimische und Flüchtlingsfamilien abends am Lagerfeuer näher kamen. "Jeder hat landestypische Gerichte mitgebracht, und die Zuwanderer kennen jetzt auch Stockbrot", schmunzelt Risse. Für den Herbst ist noch eine Ausflugsfahrt geplant. Auch in Ovenhausen stellen die Verantwortlichen fest, wie rasant sich die Deutschkenntnisse der Flüchtlinge verbessern: "Anfangs mussten wir uns mit Händen und Füßen verständigen, jetzt klappt das schon sehr gut", sagt Stefan Risse. Auch in Ovenhausen werden die Flüchtlinge aus den umliegenden Ortschaften mit einem Vereinsfahrzeug abgeholt, zum Beispiel aus Höxter, Brenkhausen oder Lütmarsen. WARBURGER SV Auch der Warburger Sportverein hat sich das Thema Integration groß auf die Fahne geschrieben und sogar einen Fünf-Jahres-Plan erarbeitet. Zum Beispiel wird gerade die Homepage in sechs verschiedene Sprachen übersetzt, auch Flyer und Broschüren werden mehrsprachig. Der Warburger Sportverein hat inzwischen eine eigene Geschäftsstelle mit geregelten Öffnungszeiten eingerichtet, damit die Zuwanderer eine Anlaufstelle haben. In Schul-AGs knüpfen die Übungsleiter erste Kontakte zu den Flüchtlingskindern. "Das funktioniert sehr gut, zum Beispiel boomen unsere Zumba-Gruppen durch die Zuwanderer. Da haben inzwischen zwei Drittel der Kinder einen Migrationshintergrund", berichtet Helmut Motyl vom Warburger Sportverein. Jüngst gab es ein dreitägiges Sportcamp mit 24 Kindern verschiedener Nationalitäten, während der Oktoberwoche ist ein Kindernachmittag in der Stadthalle vorgesehen und am 19. November folgt ein großer Sportaktionstag, wo Besucher in die verschiedenen Angebote hineinschnuppern können. Glücklicherweise hat der Verein sogar einige Migranten als Übungsleiter gewinnen können. "Das ist toll, weil dann die Kommunikation einfacher ist und gleich das Vertrauen da ist", meint Motyl. Viele Zuwanderer seien erfahrungsgemäß zunächst sehr zurückhaltend und vorsichtig. "Wenn die Eltern aber durch ihre Kinder genötigt werden, am Sportplatz aufzulaufen, dann haben wir schon viel erreicht", sagt Spiegelberg.

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