Er setzte ein Zeichen: Mennighüffens Trainer Zygfryd Jedrzej trägt beim Heimspiel gegen Soest eine Armbinde in Regenbogenfarben. - © Jürgen Krüger
Er setzte ein Zeichen: Mennighüffens Trainer Zygfryd Jedrzej trägt beim Heimspiel gegen Soest eine Armbinde in Regenbogenfarben. | © Jürgen Krüger

Dortmund/Löhne Prozess um Beleidigung in Handballspiel: Verband verweigert Auskunft

Ein Urteil durch einen Schiedsrichter ist zwar gefallen: Doch der Handballverband Westfalen mauert und verweist auf den Datenschutz

Jürgen Krüger
23.05.2019 | Stand 23.05.2019, 19:26 Uhr

Löhne. "Das Urteil ist gefallen. Mehr werde ich dazu nicht sagen." Andreas Tiemann, zugleich Staffelleiter der Handball-Oberliga und Vize-Präsident Spieltechnik im Handballverband Westfalen (HVW), möchte sich weder zum Strafmaß noch zur Urteilsbegründung in einem sehr außergewöhnlichen Fall äußern und begründet seine Haltung mit dem Datenschutz. Was ist da los? Eine Rückblende: "Du bist eine dumme, arme Sau" Anfang März 2019 ereignet sich in der Sporthalle in Hamm eine Szene, die es so in Deutschland wohl noch nicht gegeben hat. Es ist die 57. Minute im Handball-Oberligaspiel zwischen dem ASV Hamm-Westfalen II und dem VfL Mennighüffen. Hamm führt haushoch, sportlich ist alles gelaufen. Da eskaliert plötzlich ein Streitgespräch zwischen Mennighüffens Trainer Zygfryd Jedrzej und Schiedsrichter Michael Schiwek derart, dass der Fall durchaus noch vor einem Zivilgericht landen könnte. Dabei soll der Schiedsrichter ausgerastet sein – normalerweise kennt man das eher andersherum. Nach einer Lappalie – VfL-Spieler Julian Peitzmeier soll bei einer Ballannahme im Seitenaus gestanden haben – geraten Schiedsrichter Schiwek und Trainer Jedrzej das erste Mal aneinander. „Du bist eine dumme, arme Sau", soll Schiwek zunächst zu Jedrzej gesagt haben. Das sorgte nicht gerade für eine Entspannung der Atmosphäre auf der Mennighüffener Bank. Schiwek soll dann laut Zeugenberichten noch mit den Worten „Halt die Schnauze und setz dich hin, du Schwuchtel" nachgelegt haben. Schiedsrichter richten über sich selbst Seit diesem Vorfall sind nun mehr als zwei Monate ins Land gegangen. Zunächst hatte HVW-Schiedsrichterwart Hermann Mehlig den Vorfall an den Verbandsspruchausschuss abgeben wollen. Doch der konterte. "Nach Prüfung der Statuten sind wir nicht zuständig. Deshalb haben wir den Fall an den Schiedsrichterausschuss zurückgegeben", sagt Roland Kosik. Der Hattinger ist Vorsitzender des HVW-Sportgerichtes. Somit musste der Schiedsrichterausschuss mit Hermann Mehlig an der Spitze das Urteil über den eigenen Kollegen fällen. Das soll relativ milde ausgefallen sein. Erste Spekulationen gehen von einer Sperre für Oberliga-Spiele bis Mitte November 2019 aus, ohne Geldstrafe, wobei die neue Saison erst Mitte September beginnt. Diese Informationen sind aber nicht verifiziert, weil sich der Handballverband Westfalen dazu nicht äußern möchte. Tiemann: "Wir möchten die Persönlichkeitsrechte unseres Schiedsrichters schützen." Auch von Hermann Mehlig gibt es keine Stellungnahme. "Mir sind die Hände gebunden", sagt Mehlig. Trainer Zygfryd Jedrzej weiß von nichts Mennighüffens Trainer Zygfryd Jedrzej behält sich nach wie vor privatrechtliche Schritte vor, möchte aber erst das Urteil aus Dortmund abwarten. Auch er zeigt sich überrascht angesichts der Kommunikationspolitik des Verbandes. "Ich weiß von nichts", sagt er auf Anfrage und möchte sich nun mit seinem Verein beraten.

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