0
Merve Gülec boxt beim BSV Herford - © Yvonne Gottschlich
Merve Gülec boxt beim BSV Herford | © Yvonne Gottschlich

NW-Medienpreis Boxerin Merve Gülec sucht den Wettkampf und das Duell im Ring

Sie ist Vize-Westfalenmeisterin im Boxen und sozial engagiert. Die 28-jährige ist für den Medienpreis nominiert.

Yvonne Gottschlich
08.02.2020 | Stand 08.02.2020, 10:44 Uhr

Herford. Es ist enorm laut. Es riecht ganz übel nach Schweiß. Es sind nur Männer in der Halle. Merve Gülec erinnert sich noch genau an ihren ersten Besuch in der Trainingshalle des Boxsportvereins. Sie kam am nächsten Tag trotzdem wieder, weil der Sport sie fasziniert. Seit acht Jahren ist sie jetzt dabei, im März letzten Jahres wurde sie als Boxerin Vize-Westfalenmeisterin. Die 28-jährige ist für den Medienpreis nominiert.

Finale im Fliegengewicht

März 2019: Großkampftag im Boxzentrum Münster. Im Stützpunkt am Schifffahrter Damm findet die Westfalenmeisterschaft statt. Neun Kämpfe vor knapp 500 Zuschauern. Mittendrin die Herforderin Merve Gülec, die es im Finale im Fliegengewicht (bis 51 Kilogramm) mit Shirin Assadpour zu tun bekommt. Gülecs Weg bis hierhin war einfach, aufgrund mangelnder Konkurrenz kam sie als Bezirksmeisterin ohne Kampf zur Westfalenmeisterschaft.

Doch jetzt hieß es, Konzentration auf den Kampf. „Deutschlandweit habe ich sehr viel Konkurrenz", erklärt die Sportlerin selber. Sie sucht den Wettkampf und mag das Duell im Ring. Umso größer war die Vorfreunde nach der langen Vorbereitung. Doch dann das: Gegen Ende der ersten Runde spürte sie ein Ziehen in der Wade. Assadpour nutzte die Chancen. Die Schmerzen bei Gülec wurden immer schlimmer.

In der zweiten Runde musste sie aufgeben und Assadpour gratulieren. „Ich hatte mir einen Muskelbündelriss zugezogen", berichtet sie später enttäuscht. Die lange Vorbereitung, der Fokus auf diesen wichtigen Kampf und dann so ein jähes Ende. Doch die Sportlerin stand schon am nächsten Tag wieder in der Sporthalle beim Training. Die Studentin hat ihren Bachelor der Erziehungswissenschaft und Deutsch als Fremdsprache in der Tasche. Es soll der Master in Erziehungswissenschaften folgen.

Nach drei Jahren der erste Kampf

Zurück nach 2012: Trainer Georg Kroner, den alle nur Jollo rufen, hat die junge Frau an der Kasse angesprochen, ob sie nicht mal zum Boxen in die Sporthalle kommen wolle. Sie ging hin – und bleib. Merve Gülec absolvierte noch ein Praktikum im Jugendzentrum, wo ebenfalls Trainingsstunden im Boxen angeboten wurden. Sie fand Spaß am Boxen und am Verein und ging regelmäßig zum Training. Nach drei Jahren folgte der erste Kampf. „Ich erinnere mich noch genau. Ich war sehr aufgeregt, aber ich habe gewonnen, obwohl die andere als Rechtsauslegerin mich voll gefordert hat", so Merve Gülec.

Nach und nach brachte sie sich ins Training mit ein, übernahm das Aufwärmen. Nebenbei kümmerte sie sich um den Nachwuchs, sowohl in der Halle als auch in der Freizeit. „Teilweise helfe ich ebenfalls bei den Hausaufgaben", erzählt sie beim Training. 2017 bestand sie ihren ersten Trainerschein. Ein Jahr später absolvierte sie erfolgreich die B-Lizenz. Und 2019 folgte zusammen mit Cheftrainer Georg Kroner die A-Lizenz.

Die 28-Jährige ist viermal in der Woche in der kleinen Sporthalle der Albert-Schweizer Schule zu finden. „Die Halle ist ein bisschen wie unser Zuhause. Es ist eine große Familie", sagt die Sportlerin. Als Geschäftsführerin, den Posten hat sie seit einigen Jahren übernommen, verwaltet sie noch einiges mehr für den BSV. „Wir haben 160 Mitglieder, montags sind bis zu 80 Leute beim Training in der Halle. Das ist schon grenzwertig, aber wir schicken niemanden weg", sagt sie heute. „Nach dem Training sind alle platt, aber sie gehen mit einem Lächeln aus der Halle", hat die Trainerin beobachtet.

Mittlerweile sind viele Frauen beim Boxen

Der Sport steht für alle im Vordergrund, doch nebenbei läuft die soziale Integration und die Betreuung der Kinder bei sonstigen Problemen. „Wir hören auch einfach mal zu", berichtet sie. „Für mich steht das Boxen und der Verein im Vordergrund, das Studium läuft nebenbei", sagt Merve Gülec über ihren Tagesablauf. Sie geht in ihrer Aufgabe auf und ihre Aufgaben im Sport bereichern ihren beruflichen Alltag. „Anfangs war ich die einzige Frau hier, mittlerweile sind viele dabei. Das ist uns wichtig", betont sie. Viele Jugendliche lernen beim Boxen den Respekt gegenüber den anderen „und auch gegenüber sich selbst. Boxen hat viel mit Disziplin zu tun und natürlich mit Respekt", betont Gülec.

Trainer Georg Kroner ist froh, dass Gülec so viel Spaß am Boxen hat und den Verein so unterstützt: „Ich bin sehr froh, dass wir sie haben. Merve ist zuverlässig und packt immer mit an", lobt der Trainer und Vorsitzende. Auch am Wochenende ist Merve Gülec meistens für den Verein unterwegs. Als Trainerin betreut sie die Kämpferinnen und Kämpfer bei den Wettkämpfen. Oder sie boxt selber, wie in Münster.

Information

Was ist der NW-Medienpreis?

Die erfolgreichsten Herforder Sportlerinnen und Sportler sowie Mannschaften des Jahres 2019 werden am Samstag, 22. Februar, während der Sportnacht des Stadtsportverbandes im Bildungscampus, ausgezeichnet. Die Neue Westfälische stiftet erneut den Medienpreis. Nominiert sind Guido Butschkat (Triathlon/RC Endspurt), Merve Gülec (Boxen/BSV Herford), Peter Sjoerds (Leichtathletik/TG Herford) und Laureen Budde (Reiten/RV von Lützow).

Die Leserinnen und Leser dieser Zeitung entscheiden mit ihrer Stimme, wer diesen Preis gewinnt. Abgestimmt werden kann im Internet unter www.nw.de/medienpreis.

Links zum Thema
Die anderen Nominierten im Überblick:



Peter Sjoerds hat sich mit viel Freude der Leichtathletik verschrieben

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.

Kommentar abschicken
realisiert durch evolver group