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Bezieht Stellung: Der Herforder KSB-Geschäftsführer Nils Wörmann. - © privat
Bezieht Stellung: Der Herforder KSB-Geschäftsführer Nils Wörmann. | © privat

Kreis Herford Geschäftsführer des Kreissportbundes Herford übt verhaltene Kritik

Nils Wörmann geht im Interview auf den in der vergangenen Woche angestoßenen „Bünder Ehrenkodex“ ein und hätte sich im Vorfeld einen umfassenderen Dialog gewünscht.

Thomas Vogelsang
13.01.2021 | Stand 12.01.2021, 19:58 Uhr

Kreis Herford. Der Sportausschuss der Stadt Bünde hat in der vergangenen Woche einstimmig für einen CDU-Antrag gestimmt, der fordert, dass die Stadtverwaltung alle Vereine mit eigener Kinder- oder Jugendabteilung an einen „Runden Tisch“ bittet, um ein einheitliches Sicherheits- und Schutzkonzept für alle Bünder Vereine zu entwickeln. Durch den sogenannten „Bünder Ehrenkodex“ sollen insbesondere die Kinder und Jugendliche vor Gewalt jedweder Form geschützt werden. Der Geschäftsführer des Kreissportbundes Herford, Nils Wörmann, gibt dazu eine Einschätzung. Herr Wörmann, ist ein solcher Vorstoß aus Sicht des KSB nicht auch über die Bünder Grenzen hinaus wünschenswert?NILS WÖRMANN: Ich möchte zunächst auf den Arbeitstitel eingehen, der als „Bünder Sicherheitsmodell“ – so heißt es richtig im Antrag der CDU-Fraktion an den Sportausschuss – vermutlich ein Alleinstellungsmerkmal im Kreis Herford erreichen möchte. Grundsätzlich ist die Idee gut, die dahintersteckt. Dennoch sollte man Kinder und Jugendliche generell in allen Lebensbereichen schützen und das nicht in Bünde mehr als in den anderen acht Städten und Gemeinden unseres Kreises. Wenn wir von einem „Ehrenkodex“ sprechen, dann lässt sich festhalten, dass es einen Ehrenkodex für Übungsleitende bereits seit vielen Jahren über den Landessportbund NRW und die Fachverbände gibt und das zum Ende einer Übungsleiter- und Trainerausbildung dieser Kodex zu unterzeichnen ist, sonst erhält der Absolvent keine Lizenz ausgehändigt. Einen „Runden Tisch“ ins Leben rufen ist immer gut. Arbeitskreise bewirken einen Austausch, um bestenfalls ein konkretes Ziel zu erreichen. Alle Verantwortlichen sind sich der Verantwortung für den Vereinssport bewusst, die Umsetzung muss jedoch auf Augenhöhe geschehen und darf nicht „Top-Down“ von außen an die Sportvereine delegiert werden.Hat sich denn im Vorfeld des Antrages jemand aus Bünde mit dem KSB in Verbindung gesetzt und gegebenenfalls abgestimmt?Nein, wir haben weder aus der Verwaltung noch aus der Politik eine Anfrage erhalten. Das ist schade, da sich der Kreissportbund mit seiner Sportjugend seit vielen Jahren mit der Prävention Sexualisierter Gewalt im Sport intensiv befasst. Hier hätte man durch einen Dialog bereits mehrere Schritte weiter sein können. Wir haben Fachleute vor Ort, die beratend und moderierend zur Seite stehen, unser Netzwerk ist groß. Viele „Best-Practice-Beispiele“ können hier auch aus dem Kreis Herford aufgezeigt werden.Wie sehen Sie den Vorstoß auch angesichts der derzeitigen coronabedingten Umsetzungsschwierigkeiten?Wie gesagt, die Idee unsere Kinder und Jugendlichen vor sexualisierten Übergriffen mit durchdachten Konzepten zu schützen, sollte – wenn nicht schon längst geschehen – in jeder Vereinsspitze diskutiert werden. Der Zeitpunkt jedoch während einer Corona-Pandemie, in denen das Ehrenamt durch Hygienekonzepte, Lockdowns, stetige Änderungen der Coronaschutzverordnung stark belastet wird, ist sehr unglücklich gewählt. Stattdessen wäre ein runder Tisch zum Thema „Corona und Sport – Was belastet die Vereine besonders?“ ein hilfreicheres Signal gewesen.Grundsätzlich ist es aber, wie Sie ja auch sagen, nicht falsch, Augenmerk auf diese Thematik zu legen. Wie sähe aus KSB-Sicht ein vernünftiges Vorgehen im Kreis optimalerweise aus?Gerne steht der KSB Herford seinen Vereinen im Bedarfsfall zur Seite, informiert und hilft bei der Umsetzung eines adäquaten Schutzkonzeptes. Im Fall eines politischen Ausschusses sind wir gerne bereit, den Status Quo zum Thema „Prävention Sexualisierter Gewalt“ vor Ort zu erläutern. Eine kreisweit einheitliche Regelung wäre sehr begrüßenswert, die Konzepte müssen nicht neu geschrieben werden. Beim Thema „Einsichtnahme in Führungszeugnisse“ kann ein Jugendamt nach dem Regensburger Modell helfen, indem die Einsichtnahme und die Unbedenklichkeitserklärung durch das Jugendamt erfolgt. Dieses sensible Thema auszulagern und an Profis abzugeben, könnte ein erstes Signal sein. Das wäre schon ein großer Schritt. Zu guter Letzt dürfen wir bei dieser Diskussion allerdings nicht vergessen, dass viele Vereine schon Schutzkonzepte in ihre Vereinsarbeit aufgenommen haben und diese vorbildlich umsetzen.Was kann der KSB den Vereinen, aber auch der Kommunalpolitik in dieser Hinsicht ganz konkret anbieten?Es gibt bereits detaillierte Konzepte zum Schutz von Kindern und Jugendlichen im Sport. Der KSB Herford befasst sich seit langer Zeit mit diesem Thema, hat im letzten Jahr mit anderen Partnern auch eine Infoveranstaltung an Vlothoer Schulen angeboten. Wir sind uns der Gewichtung dieses Themas bewusst, daher hat das Präsidium eine ehrenamtliche Fachbeauftragte zu diesem Thema benannt. Hauptberuflich befasst sich Andreas Blume beim KSB Herford mit diesem Handlungsfeld. Wir bieten allen Interessierten an, sich über erprobte Schutzkonzepte zu informieren, um bestenfalls kreisweit eine einheitliche Umsetzung zu erwirken.

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