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Bünde Vorsitzender des Stadtsportverbands Bünde erwägt Rückzug

Marcel Ta übt Kritik am Vergabeverfahren der Mittel zum Förderprogramm „Moderne Sportstätte 2022“ und fordert Vorschläge für die Neubesetzung der Vorstandsposten

Thorsten Mailänder
09.11.2019 | Stand 13.11.2019, 16:27 Uhr

Bünde. Mit Verwunderung hatten viele Vertreter der Bünder Sportvereine die Einladung zur außerordentlichen Mitgliederversammlung des Stadtsportverbandes (SSV) Bünde zur Kenntnis genommen. In den letzten Jahren hatte stets im November in den Räumen des Kanu-und Segel-Club Bünde (KSCB) die ordentliche Mitgliederversammlung stattgefunden. Warum diesmal zur "Außerordentlichen" gerufen wurde, klärte der Vorsitzende Marcel Ta schnell auf. "Drei langjährige Mitglieder des Vorstandes werden das Gremium verlassen. Die Posten müssen personell neu besetzt werden." Ta nannte die jahrzehntelange Frauenbeauftragte Annegret Otto, den 2. Vorsitzenden Jochen Simke, der insgesamt 35 Jahre für den SSV Bünde ehrenamtlich aktiv war und Martin Lohrie, der 16 Jahre als Vorsitzender agierte. Lohrie war in den vergangenen zwei Jahren formell Pressewart bei der Dachorganisation des Bünder Sports. Marcel Ta dankte seinen ausscheidenden Kollegen für ihre Treue und ihr Engagement beim SSV. »Ich treffe immer auf die gleichen Gesichter« Ta bittet die Vereine darum, in den nächsten Wochen Vorschläge für die Neubesetzung der Vorstandsposten zu machen und kündigte die Einberufung einer ordentlichen Mitgliederversammlung für die ersten Wochen des neuen Jahres 2020 an. "Ich überlege noch, ob ich mich einer Wiederwahl stelle", ergänzte der SSV-Vorsitzende und überraschte die Delegierten mit dieser Aussage. "Das Interesse einiger Vereine an einer konstruktiven Zusammenarbeit mit dem Stadtsportverband Bünde ist nicht gut. Ich treffe bei den Mitgliederversammlungen immer auf die gleichen Gesichter", so Marcel Ta. Durch ihre Anwesenheit unterstrichen Ulf Dreier (Kreissportbund Herford), Günther Berg und Thomas Clausing (beide Stadt Bünde) die Anliegen des SSV Bünde. Was dem Vorsitzenden darüber hinaus Kopfschmerzen bereite, sei das Förderprogramm "Moderne Sportstätte 2022". Durch die Maßnahme der Landesregierung soll es in Nordrhein-Westfalen zum Abbau des Modernisierungsstaus bei den Vereinen kommen, die Eigentümer ihrer Sportstätten oder langfristige Pächter sind. Nach einem Schlüssel könnten so Zuwendungen in Höhe von 617.000 Euro abrufen werden. Vorgestellt wurde dieses Förderprogramm von Nils Wörmann. "Wir haben aber nicht über die Vergabe der Zuwendungen zu entscheiden", bekräftigte der Kreissportbund-Geschäftsführer. Über die Verteilung der Mittel solle in Bünde vielmehr der SSV entscheiden - genau an diesem Punkt setzt die Kritik von Marcel Ta an. »Welche Verantwortung wird dem Ehrenamt noch übergestülpt?« "Es gibt kein klares Konzept in Bünde. Wie soll ich über die Verteilung entscheiden? Welche Verantwortung wird dem Ehrenamt noch übergestülpt?", fragte Ta in die Versammlung. Er möchte zunächst eine Antragsfrist festlegen. Die letzte Entscheidung liege dann bei der Staatskanzlei des Landes in Düsseldorf. Marcel Ta betonte, dass ihm seine Tätigkeit für seinen Heimatverein VfL Holsen ebenfalls wichtig ist. In seiner Familie werde es Veränderungen geben, seine Arbeit bei der Stadt Bünde ist ebenfalls nicht weniger geworden. "Tatsachen, die nicht zu mehr freier Zeit führen, und auch ich werde nicht jünger", so die Überlegungen des SSV-Vorsitzenden. Der klassische Breitensport werde vom Förderprogramm kaum profitieren, stattdessen Sportvereine, die sonst bei Förderungen außen vor bleiben, wie Schützenvereine, Tennisvereine oder Kanuclubs. "Eigentlich eine gut gemeinte Sache, doch leider nicht zu Ende gedacht ist", meint der Chef des SSV Bünde. Marcel Ta scheint derzeit hin und her gerissen, ob er im nächsten Jahr wieder für den Vorsitz kandidiert. "Ich hatte die Entscheidung für den Verzicht auf dem Weg zur letzten Vorstandssitzung getroffen. Viele Freunde und Kollegen versuchen nun, mich umzustimmen", berichtet der erfahrene Sportfunktionär, der längst ins Überlegen gekommen ist.

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