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Spenge Spenge gegen Lit: Ein berauschendes 64-Tore-Fest

Handball 3. Liga: Der TuS Spenge und Lit Tribe Germania trennen sich in einem mitreißenden Duell 32:32, doch es gibt trotzdem einen Gewinner - die Zuschauer

Dirk Kröger
07.10.2019 | Stand 06.10.2019, 21:44 Uhr

Spenge. In Spenge wurde am Wochenende Oktoberfest gefeiert. Aber viele Menschen waren schon vorher berauscht - nämlich diejenigen, die Augenzeuge des 32:32 (15:15)-Unentschiedens in der 3. Handball-Liga zwischen dem TuS Spenge und seinem ostwestfälischen Rivalen LiT Tribe Germania wurden. "Hier sind alle auf ihre Kosten gekommen", fasste Gästetrainer Bert Fuchs das sehenswerte Spektakel mit 64 Treffern zusammen. "Die Zuschauer mussten ihr Kommen nicht bereuen", bestätigte Spenges Coach Heiko Holtmann. Und um das Bild abzurunden: Einig waren sich die beiden auch darüber, dass das Endergebnis ein gerechtes war. Die Partie hätte angesichts der Klasse beider Mannschaften in der Tat keinen Verlierer verdient gehabt. Natürlich erlebten die Handballer aus Spenge und Nordhemmern mal etwas schwächere, dann aber immer wieder ganz starke Phasen, was für ständig wechselnde Führungen und Spannung bis zum Schlusspfiff sorgte. Und dass beide Abwehrreihen gute Arbeit verrichteten, aber dennoch 64 Tore fielen, spricht ebenfalls für die Qualität der beiden jüngsten Meister der Oberliga Westfalen in diesem fulminanten Duell. Von Beginn an gingen beide Mannschaften ein extrem hohes Tempo, ließen den Ball laufen, verschoben in Angriff wie Abwehr gleichermaßen und machten es den Zuschauern zum Teil schwer, diesem Geschehen vernünftig zu folgen. In der Anfangsphase allerdings war dem TuS Spenge anzumerken, dass die Mannschaft im Rückraum ohne gelernten Mittelmann agierte - Phil Holland übernahm die Position des Spielmachers, leistete sich zunächst einige ungenaue Abspiele und wurde am Ende doch, nicht nur seiner elf Tore wegen, zum besten Mann auf dem Feld. Die große Zeit des Phil Holland begann schon vor der Pause, als er nach einem 11:14-Rückstand des TuS drei Mal in Folge traf und maßgeblichen Anteil am 15:15-Pausenstand hatte. Nach dem Seitenwechsel gingen auch die nächsten drei Treffer der Gastgeber auf sein Konto. Doch es blieb knapp, es blieb spannend. Auch eine Umstellung der Gästedeckung auf ein 5:1 samt Manndeckung gegen Holland bremste den Angriffsfluss hier wie dort nicht. Nordhemmeraner Nachlässigkeiten im Angriff und erfolgreiche Tempogegenstöße des Tabellendritten sorgten dafür, dass der Hausherr beim 29:26 in der 51. Minute erstmals mit drei Toren vorn lag und diese Führung auch beim 31:28 in der 55. Minute inne hatte. Der Sieg für das Holtmann-Team schien greifbar nahe - erst recht, als Marvin Mundus beim Gast vom Siebenmeterpunkt scheiterte. Spenge aber vermochte die Gunst der Stunde nicht zu nutzen, zumal die Mannschaft nun vier Minuten lang in Unterzahl spielen musste. Die Fuchs-Schützlinge kamen zum Anschlusstreffer. Der nächste Ballbesitz der Gastgeber endete 20 Sekunden vor Spielende durch ein Zeitspiel, 15 weitere Sekunden später traf Moritz Rodenkirchen zum Endstand. Die Gäste feierten mit ihren zahlreich mitgereisten Fans, die Spenger wirkten niedergeschlagen. Es dauerte eine Weile, bis auch sie verstanden hatten, wie sehr sie das Publikum begeistert hatten. "Das Spiel hatte für die dritte Liga ein sehr, sehr hohes Niveau", erkannte auch Phil Holland. "Das war Werbung für den Handball", freute sich Bert Fuchs. Widersprechen wollte beiden niemand.

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