0
Ein Fan für die Fans: Manfred Winter hilft den Anhängern des SV Rödinghausen stets mit einem Lächeln. - © Dirk Kröger
Ein Fan für die Fans: Manfred Winter hilft den Anhängern des SV Rödinghausen stets mit einem Lächeln. | © Dirk Kröger

Rödinghausen So wurde aus einem Rödinghausen-Anhänger ein Beschäftigter
 des Vereins

Manfred Winter hält große Stücke auf den jetzigen Trainer Enrico Maaßen

Dirk Kröger
15.09.2019 | Stand 14.09.2019, 16:43 Uhr

Rödinghausen. „Das ist für mich wie ein Sechser im Lotto", freut sich Manfred Winter über seinen Job beim SV Rödinghausen. Der stets ruhige, freundliche und hilfsbereite 65-jährige Rentner ist vielen Fans des Vereins bestens bekannt, denn er arbeitet in der Geschäftsstelle und im Fanshop im Häcker Wiehenstadion. Und über genau diese Beschäftigung ist der gelernte Bankkaufmann so froh wie es eben nur geht. Im Fußball engagierte sich Winter eigentlich schon immer. Zwar spielte er selbst und spielt immer noch Tischtennis beim VfL Mennighüffen, aber er jagte auch dem damals noch aus Leder bestehenden Ball hinterher – beim SV Bischofshagen-Wittel. Zudem war er lange Jahre, bis 1998, auch als Fußball-Schiedsrichter aktiv. Ganz früher drückte Winter dem damaligen Oberligisten FC Gohfeld die Daumen, zudem ist er von kleinauf Fan des Bundesligisten Hertha BSC Berlin. Das scheint ungewöhnlich. „Aber als ich zwölf oder 13 war, gefielen mir die blau-gestreiften Trikots der Hertha besonders gut. Und dann war da ja noch die besondere Lage Berlins mitten in der DDR", erklärt er, warum Zoltan Varga und Erich Beer zu den Helden seiner Kindheit gehörten. »Die haben einfach toll gespielt« SV Bischofshagen-Wittel, FC Gohfeld, Hertha BSC Berlin. Nun gut. Dann aber kam eben der SV Rödinghausen. 2011 stieg der in die Landesliga auf. Und spielte als Neuling im Kreisderby beim SC Herford. „Das guck ich mir an", sagte Winter, nachdem er große Vorankündigungen auf dieses Spiel in den Medien gesehen hatte. Sprach’s, sattelte sein Fahrrad und fuhr von Bünde, wo er gemeinsam mit Lebensgefährtin Martina wohnt, nach Herford. „Rödinghausen hat 3:2 gewonnen. Aber da wäre auch ein 7:2 möglich gewesen, die haben einfach toll gespielt", berichtet der agile Rentner von den Anfängen seiner nächsten sportlichen Begeisterung. Nach der Partie in Herford schaute sich Winter auch das nächste Heimspiel des SV Rödinghausen an, war dann regelmäßig beim SVR zu Gast. Es folgten Auswärtsspiele, zu denen er mit Fanbus, eigenem Pkw oder auch mal mit der Bahn anreiste. Der Virus hatte ihn erfasst. Im Laufe der Jahre sah Manfred Winter viele Trainer und Spieler kommen und gehen. Besonders beeindruckt ihn der jetzige Coach: „Enrico Maaßen ist vom menschlichen und fachlichen her etwas ganz Besonderes", befindet er. Als der inzwischen zweifache Großvater, der mit Begeisterung auch zweimal wöchentlich gemeinsam mit seiner Martina die Enkel betreut, noch im Berufsleben stand, hatte er schon daran gedacht, in der Zeit danach einen 450-Euro-Job anzunehmen, falls ihm denn langweilig werden würde. Und natürlich würde es ihm besonders gut gefallen, wenn dieser Job etwas mit Fußball zu tun haben würde, überlegte Manfred Winter. »Mit dem Schlusspfiff flitze ich von der Tribüne ins Büro« Irgendwann sah er eine Stellenausschreibung des SV Rödinghausen. Der angebotene Job kam für ihn nicht infrage. Und dennoch schrieb er den Verein an, fragte nach, ob es denn womöglich für ihn eine Beschäftigungsmöglichkeit gebe. Der Kontakt zu SVR-Geschäftsführer Andreas Müller war hergestellt, denn der antwortete, bot ihm die Stelle im Büro an. Winter war nicht sofort überzeugt. „Ich wollte ja auch die Spiele sehen und nicht am Schreibtisch sitzen, wenn die Jungs um Punkte kämpfen", erinnert er sich. Kein Problem: Der neue Mitarbeiter des Fußball-Regionalligisten muss nur vor dem Spiel, in der Halbzeitpause und nach der Begegnung an seinem Arbeitsplatz sein. Genau so handhabt es Winter: „Mit dem Schlusspfiff flitze ich von der Tribüne ins Büro", berichtet er von seinen Doppel-Einsätzen beim SV Rödinghausen. Und es bleibt dabei: Der Mann guckt sich jedes Spiel an. Normalerweise – bei zwei Heimspielen – hat er nur acht Arbeitsstunden im Monat. Bei Sonderaktionen wie kürzlich dem Auftritt des SVR im DFB-Pokal werden es mehr. Auf einen Verdienst von 450 Euro kommt er allerdings nie. Aber das ist auch gar nicht entscheidend. „Ich arbeite hier überwiegend mit jungen Leuten zusammen, und das hält mich selbst jung", freut er sich über seinen Traumjob. „Und die vielen jungen Leute hier im Verein freuen sich auch, mit einem etwas Älteren zusammen arbeiten zu dürfen", glaubt es. Das klingt nach einer neudeutsch so bezeichneten Win-Win-Situation. Oder anders: Winter hat seinen Sechser im Lotto gefunden.

realisiert durch evolver group