0
Kris Gehring feierte seine zweite Meisterschaft in Folge, hat aber mit den Ice Dragons noch mehr vor. - © Jürgen Feyerabend
Kris Gehring feierte seine zweite Meisterschaft in Folge, hat aber mit den Ice Dragons noch mehr vor. | © Jürgen Feyerabend

Herford Eishockey: „Der Herforder EV steht vor riesengroßen Chancen“

Uwe Johann, Vorsitzender des Herforder EV, hat im nw.de-Interview über die neue Eishockey-Saison gesprochen. Über Erwartungen und Kader-News.

20.08.2019 | Stand 19.08.2019, 15:12 Uhr

Herford. In der Sommerpause passiert auch beim Eishockey-Regionalligisten Herforder EV hinter den Kulissen eine Menge. Was das ist und wie die Aussichten des Herforder EV in der neuen Saison sind, darüber gab der Vereinsvorsitzende Uwe Johann Auskunft. Herr Johann, die Enttäuschung, dass Ben Skinner in der nächsten Saison nicht mehr in Herford spielt, ist groß. Wie sehen Sie die Reaktionen der Fans? Uwe Johann: Die kann ich gut verstehen, auch ich hätte ihn sehr gerne bei uns gesehen und habe mich auch persönlich eingesetzt, um ihn zu überzeugen. Aber manchmal lassen sich die Wünsche der Spieler und unsere Möglichkeiten einfach nicht unter einen Hut bringen. Das ist oft sehr schade, aber die Verantwortung für den Verein muss am Ende immer über persönlichen Wünschen und Emotionen stehen! Jeder Sommer ist deshalb auch immer mal von Enttäuschungen geprägt, so wie jetzt mit Ben. Wir alle wünschen ihm trotzdem von Herzen alles Gute, die Tür ist für ihn in Herford immer offen. Die Fans wünschen sich oft frühere Kader-News. Ist das Geschäft so hart? Johann: Die Ungeduld bei den Fans ist eigentlich ein gutes Zeichen. Sie wünschen sich gute Nachrichten, wollen alles gerne genau erfahren und möchten schnell Gewissheit, dass eine tolle neue Saison bevorsteht. Aber für eine kluge Einkaufspolitik braucht es Geduld und gute Nerven. Eishockey folgt bei den Sommer-Transfers einem einfachen Mechanismus. Viele Spieler versuchen, in einer höheren Liga als bisher unterzukommen. Ob das klappt, zeigt sich etwa ab August/September. Wer es nicht schafft – und das sind die meisten – bietet sich wieder in seiner bisherigen Liga an. Das ist weder peinlich noch ehrenrührig, sondern ganz normal und verständlich. Es kann also bis September/Oktober oder sogar noch länger dauern, bis ein guter Spieler für einen Regionalligisten überhaupt wieder zu bekommen ist. Und so lange muss man eben Geduld bewahren und dann zugreifen. Verfolgen Sie intensiv die Kommentare und Reaktionen auf Bekanntgabe von Personalentscheidungen? Johann: Ich bekomme schon so Einiges mit, sei es, dass mich jemand anspricht oder mir besonders witzige oder auch mal ärgerliche Kommentare aus den sozialen Medien weitergeleitet werden. Das Feedback der Fans ist immer wichtig. Wir würden uns als Vorstand oft gerne an den Diskussionen beteiligen, das juckt bei manchen Kommentaren richtig in den Fingern. Aber für eine professionelle Kaderplanung ist eben absolute Diskretion erforderlich. Sobald man zu einem Gerücht Stellung nimmt, gibt man ohne Not eigene Optionen aus der Hand. Das wäre zum Nachteil des HEV. Und deshalb beißen wir uns ständig auf die Lippen. Und, wie vorhin schon gesagt, es braucht zwei weitere Tugenden, die nicht zu Twitter, Facebook und Whatsapp passen: Geduld und gute Nerven! Der HEV gewann in den vergangenen beiden Jahren die Meisterschaft. Dann hat der Verein bei der Kaderplanung doch nicht so viel falsch gemacht? Johann: Man muss es ganz klar sagen: Die Bilanz von Jeff Job und Tobias Schumacher ist einfach überragend! Zwei Titel in zwei Jahren, trotz beschränkter finanzieller Möglichkeiten und mancher Rückschläge. Dahinter steckt unfassbar viel Arbeit, die die Fans nicht sehen können, weil sie bewusst ganz im Stillen ablaufen muss. Da gibt es unzählige Telefonate und Gespräche mit Spielern, Beratern und auch mit anderen Trainern, um sich einen Eindruck von einem Spieler zu verschaffen. Manchmal dauert es viele Monate oder sogar Jahre, bis wir einen Spieler überzeugt haben, nach Herford zu kommen! Und ist es dann endlich gelungen, geht die Arbeit richtig los: Vertrag, Anreise, Wohnung, Fahrzeug, Ausrüstung, Transferkarte, Visum, Pässe, usw. Sind Job und Schumacher das perfekte Team für den HEV? Johann: Sie ergänzen sich sehr gut, weil sie ganz unterschiedliche Typen sind und keiner dem anderen reinredet. Jeff hat unglaublich viele Kontakte und einen sehr guten Ruf. Bei ihm melden sich Spieler von selbst, die früher nicht mal ans Telefon gegangen wären, wenn der HEV anrief. Er arbeitet rund um die Uhr für Eishockey und ist immer ganz nah am Puls des Marktes. Zudem hat er ein absolutes Händchen für Spieler, die zu uns passen. Und nur wenige Manager haben, wenn es drauf ankommt, so eiserne Nerven wie Tobias Schumacher. Den Respekt der anderen Vorstände und Kaderplaner in der Liga haben sich die beiden längst erarbeitet. Trotzdem ist die Kritik oftmals groß. Hätte es der HEV mit deutlich mehr Geld leichter? Johann: Natürlich wünschen wir uns das, aber man muss ganz nüchtern sehen, mit mehr Geld steigen automatisch auch die Ansprüche, die sich aber nicht automatisch auch erfüllen lassen. Ich habe es eigentlich lieber, die Leute schrauben ihre Erwartungen erstmal nicht so hoch. Es lohnt ein Blick auf den Fußball-Manager Christian Heidel, der es bei Mainz 05 jeden Sommer genauso gemacht hat wie wir. Jeden Sommer regnete ein Shitstorm der ungeduldigen Fans auf ihn herab, und am Ende der Saison staunte dann wieder alles, weil der Verein schon wieder die Klasse gehalten hatte oder sogar in den Europäischen Wettbewerb eingezogen war. Andere Klubs, die früher, spektakulärer und teurer eingekauft hatten, enttäuschten und stiegen oft sogar ab. Und, um den Bogen zur Frage zu ziehen: Heidel ging ja dann zu Schalke 04, wo er endlich früh einkaufen und seine Wunschspieler holen konnte. Am Ende ist Schalke fast abgestiegen und Heidel wurde gefeuert. Natürlich sind die Summen in der 4. Eishockey-Liga völlig andere – aber die Mechanismen sind sich frappierend ähnlich. Was können Sie den Fans mit auf den Weg geben? Johann: Der HEV steht vor riesengroßen Chancen, die wir nur mit voller Unterstützung durch die Fans nutzen können. Zum einen ist nach 25 Jahren wirklich ein Fenster für den Bau einer Eishalle offen, auch wenn es das lange Bohren dicker Bretter wird. Zum anderen ist durch den Niedergang der Regionalliga klar, dass wir den Schritt in die Oberliga gehen müssen und wir wollen es auch! Wenn die Fans uns und unser Team zu 100 Prozent unterstützen, zu jedem Heimspiel kommen, dann können wir diese Ziele erreichen!

realisiert durch evolver group