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„Der Kalli kommt noch", war in den 1960er Jahren ein geflügelter Satz. - © Albat
„Der Kalli kommt noch", war in den 1960er Jahren ein geflügelter Satz. | © Albat

Herford „Der Kalli kommt noch": Herforder Boxer-Legende wird 80

Karl-Heinz „Kalli“ Albat feiert seinen 80. Geburtstag. Der ehemalige Herforder Mittelgewichtler mit dem rechten „Hammer“ kann auf ein aufregendes Leben zurückblicken.

Ulrich Finkemeyer
17.08.2019 | Stand 17.08.2019, 12:39 Uhr

Herford. Er tanzte auf mehreren Hochzeiten: als Amateurboxer, Vereinsvorsitzender, als Organisator von Box-Events und als ein Gastronom, bei dem sich Prominenz aus Boxsport, ostwestfälischer Politik und Wirtschaft die Klinke in die Hand gaben. Vor seinem heutigen 80. Geburtstag blickt der ehemalige Herforder Boxer Karl-Heinz „Kalli" Albat auf sein aufregendes Leben zurück. „Der Kalli kommt noch", war in den 1960er Jahren ein geflügelter Satz, den sich viele Herforder bei den legendären Box-Vergleichskämpfen im Schützenhof zuriefen. Karl-Heinz „Kalli" Albat hatte sich den Ruf eines Instinkt-Boxers erarbeitet und war in Reihen des Boxsportvereins Herford zum Hauptkämpfer avanciert. Wenn bei einem Box-Vergleichskampf alle Zweikämpfe nach der aufsteigenden Gewichtsleiter, vom Fliegengewicht bis zum Schwergewicht, gelaufen waren, setzte der Veranstalter mit dem Herforder Mittelgewichtler und späteren Schwergewichtler Karl-Heinz Albat noch einen drauf. Wenn „Kalli" boxte, war immer Stimmung am Ring. Nur seinem Kämpferinstinkt folgend, kämpfte der Herforder Junge immer im Sinne „Alles oder Nichts". Wenn Albat mit seinem rechten „Hammer" durchkam, tobte das Volk, nicht der Gegner. Denn der war in solch einem Fall meistens ruhig gestellt. »Die meisten meiner 78 siegreichen Kämpfe endeten vorzeitig« In seinen Boxerjahren von 1957 bis 1968 stand Albat 165 Mal im Ring, zunächst als Mittelgewichtler, zuletzt als 29-jähriger Schwergewichtler. „Die meisten meiner 78 siegreichen Kämpfe endeten vorzeitig, gegen Techniker hatte ich aber Probleme", erinnert er sich noch gut. Wie beispielsweise gegen den deutschen Nationalstaffel-Boxer Karl-Heinz Johannpeter, einer von fünf boxenden Brüdern aus Hamm. „Ich werfe das Handtuch", sagte Sekundant Hansi Albat zu seinem angeschlagenen Bruder in der Pause zur zweiten Runde. „Musst du nicht. Ich verstauche mir gleich einen Fuß", lautete seinerzeit die schlagfertige Antwort des jüngeren Bruders. Zur Westfalen-Meisterschaft hat es für Karl-Heinz Albat nicht gereicht. Er wurde aber einmal Ostwestfalenmeister. Nach dieser anstrengenden Zeit ließ es Albat etwas ruhiger angehen. Er wurde zusammen mit Ehefrau Dunja erfolgreicher Gastronom, und er blieb dem Boxsport treu: als Punktrichter, Zeitnehmer und Ringsprecher. Albat wurde 1980 stellvertretender Vorsitzender des Boxsportvereins (BSV) Herford, der zu diesem Zeitpunkt nur zwei Kämpfer hatte. Zusammen mit Trainer Klaus Romanowski sorgte er dafür, dass sein Sport in Herford nicht völlig zum Erliegen kam. Kalli Albat führte Gespräche mit Sponsoren, organisierte Kampfveranstaltungen und baute eine Mannschaft auf. Ein besonderes Highlight war die Verpflichtung des Profiboxers René Weller zu einer Autogrammstunde am Rande einer Herforder Boxveranstaltung. „Das stattliche Honorar von 1.800 DM hat ein Freund beglichen", verrät der Jubilar, der in dieser Zeit auch im Profiboxsport bekannt war. Fast alle Profi-Größen und auch den Größten, Cassius Clay alias Muhammad Ali, habe er gesehen, beim legendären Fight im Frankfurter Waldstadion gegen Schwergewichts-Europameister Karl Mildenberger. Viele andere, wie Heinz Neuhaus und Gustav „Bubi" Scholz, waren mit dem Herforder gut bekannt. 1990 wurde Albat Vorsitzender des BSV Herford. Er baute den Verein kontinuierlich weiter aus. 2005 gab er das Amt ab. Für seine Verdienste wurde Albat vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit der goldenen Ehrennadel des Westfälischen Boxverbandes. 2007 wurde Albat innerhalb der Sportlerehrung des Stadtsportverbandes als „Förderer des Sports" ausgezeichnet. Was den früheren Ostwestfalen-Meister der Amateurboxer noch heute besonders erfreut. Jetzt hält sich Karl-Heinz „Kalli" Albert mit Spaziergängen und dem täglichen Cappuccino fit. „Bei Piccoli am Alten Markt", wie er verrät. Seinen 80. Geburtstag am heutigen 16. August wird Albat nicht in seiner schmucken Wohnung an der Hämelinger Straße feiern. „Wir fahren bestimmt nicht zu einer Boxveranstaltung, sondern nach Rügen", betont Ehefrau Dunja.

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