Natalia Harina-Beckmann spielt mittlerweile seit mehr als zehn Jahren für den TC Herford - © Yvonne Gottschlich
Natalia Harina-Beckmann spielt mittlerweile seit mehr als zehn Jahren für den TC Herford | © Yvonne Gottschlich

Tennis war nicht geplant Nominiert für den NW-Medienpreis: Natalja Harina-Beckmann

Herford. Die erfolgreichsten Herforder Sportlerinnen und Sportler sowie Mannschaften des Jahres 2018 werden am Samstag, 2. März, während der Sportnacht des Stadtsportverbandes im Bildungscampus ausgezeichnet. So läuft der Medienpreis ab Die Neue Westfälische stiftet auch in diesem Jahr den Medienpreis. Die Leserinnen und Leser dieser Zeitung entscheiden mit ihrer Stimme, wer diesen Preis gewinnt. Abgestimmt werden kann in jedem Vorstellungsartikel der Nominierten auf nw.de. Alle Nominierten finden Sie hier. Die erste Nominierte ist die 51-jährige Tennisspielerin Natalja Harina-Beckmann, die im vergangenen Jahr in Ulm gemeinsam mit der Belgierin Klaartje van Baale die Goldmedaille bei den Weltmeisterschaften im Doppel der Damen-Altersklasse 50 gewann. Wie sie zum Tennis kam lesen Sie weiter unten. Hier stimmen Sie für Natalja Harina-Beckmann oder einen anderen Nominierten ab: Obwohl sie nicht in Herford wohnt: "Ich fühle mich beim TCH wohl" Die gebürtige Weißrussin spielt mittlerweile seit mehr als 20 Jahren für den TC Herford und hat in dieser Zeit so ziemlich alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Dabei hat Harina-Beckmann, die überall nur Natascha genant wird, nie in Herford gelebt. „Aber ich fühle mich in diesem Verein einfach wohl", sagt die Frau aus Rheine, die momentan noch auf ein Gespräch mit dem TCH-Vorstand wartet. „Ich hoffe, dass ich noch gebraucht werde", sagt sie, „ich habe auch ein Angebot aus Essen, wo ich in der Damen-50-Regionalliga spielen könnte." Der lange Erfolgsweg Harina-Beckmanns begann eher zufällig, denn als Kind wollte sie Tischtennis spielen und fand sich nach einer entsprechenden Zeitungsanzeige vor Ort ein. In der Anzeige allerdings war ein Fehler, denn gesucht wurden keine Tischtennis-, sondern Tennisspieler. Also versuchte sich die junge Natalja in diesem Sport. Mit Erfolg. Durch ihren Mann fand sie später den Weg nach Deutschland und ging in Emsdetten ihrer Leidenschaft nach – bis es zu einem schicksalsträchtigen Treffen kam: Claudia Schweizer überredete sie, zum TC Herford zu wechseln. Damals spielte sie im Damen-30-Regionalligateam des Vereins. Ihr langer Erfolgsweg führt sie schließlich in die Hansestadt Es folgten Einsätze bei den Damen 40. Inzwischen gehört sie der Altersklasse 50 an – und spielt einfach bei den Damen, mit viel, viel jüngeren Mitspielerinnen. Und Gegnerinnen. „Beim ersten Spiel in der Hallenrunde war meine Gegnerin 14 Jahre alt. Sie war gut, aber ich habe in drei Sätzen gewonnen", berichtet die Herforder Tennis-Legende lachend. „Die Mädchen sind schneller als eine 50-jährige Frau – aber ich habe die Erfahrung", schildert sie ihr Erfolgskonzept. Und sie spricht nach eigener Meinung auch die Sprache der Jungen. „Ich kann unterstützen, und sie nehmen auch meine Hilfe an", sieht sich Harina-Beckmann mittlerweile in einer ganz anderen Rolle als noch vor ein paar Jahren. Den größten sportlichen Erfolg ihrer Laufbahn aber gab es 2018. Bei den Weltmeisterschaften hatte sie 2010 in den USA schon Bronze im Doppel gewonnen, später mit der deutschen Damen-45-Mannschaft in der Türkei Silber, als es im Endspiel gegen Belgien eine knappe Niederlage gab. Die Goldmedaille will sie noch holen Die Goldmedaille fehlte noch. „Und die will ich jetzt holen!", kündigte die Herforderin an. Sie holte sie. So einfach ist das. Und nun ist diese Goldmedaille in einer Vitrine daheim in Rheine zu finden. Alle gewonnenen Pokale, alle Medaillen passen gar nicht in den Schrank. „Einige davon habe ich für Vereine gespendet, die sie dann nach Kindermeisterschaften vergeben haben", erklärt sie mit einem Lächeln, wo denn die vielen Erfolgs-Beweise geblieben sind. So ganz genau weiß Harina-Beckmann gar nicht, was sie alles gewonnen hat. Europameisterin im Freien wurde sie in der Altersklasse 40, „zig Mal" stand sie bei kontinentalen Titelkämpfen im Finale. „Die Deutschen Meisterschaften habe ich mehrfach im Winter und Sommer gewonnen – ich weiß nicht genau wie oft", sagt sie. Aber die Westfalenmeisterschaften, die scheinen ihr besonders am Herzen zu liegen. 22 Titel holte sie, draußen und in der Halle. Das weiß Natalja Harina-Beckmann genau, denn: „Ich war nicht jedes Mal dabei. Aber wenn ich gespielt habe, habe ich auch gewonnen." Auch gegen jüngere Gegnerinnen erfolgreich Auch das ist bemerkenswert: Im Jahr 2017 gewann die Herforderin den Westfalenmeistertitel bei den Damen 50. Ein Jahr später wurde diese Konkurrenz nicht ausgespielt – also ging Harina-Beckmann bei den Damen 40 an den Start. Und auch gegen die zehn Jahre jüngeren Gegnerinnen setzte sie sich durch – damit war Titel Nummer 22 gewonnen. Und wie oft gewann sie die Bezirksmeisterschaft? „Da spiele ich nicht", sagt die Weltmeisterin. Irgendwie verständlich. "Wir durften nicht in den Westen reisen" Schon damals, in Weißrussland, war Natascha Harina Mitte der 1980-er Jahre beste Spielerin ihres Landes und zählte zu den zehn besten der Sowjetunion, doch der internationale Durchbruch blieb aus. „Wir haben damals nur in der Sowjetunion gespielt, durften nicht in den Westen reisen," erzählt sie. Mit 20 Jahren gab sie ihre erste Tenniskarriere auf, um sich für die Familie zu entscheiden. Die zweite Tenniskarriere im Westen, wohin sie ihrem Mann Manfred Beckmann folgte, macht ihr umso mehr Spaß, weil sie mit vielen Reisen und vielen Erfolgen verbunden ist. Und auch ihr Sohn hat sich dem Tennis verschrieben, spielte lange Zeit selbst erfolgreich und arbeitet jetzt als Trainer in Rheine. Perfekt wird die Geschichte allerdings erst dann, wenn klar ist, wo Harina-Beckmann in der kommenden Saison spielen wird. Vielleicht wird sie es ja während der Herforder Sportgala dem geneigten Publikum verraten.

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