Wenn der Dünenkessel zum Hexenkessel wird: Knapp 1.100 Zuschauer besuchen auf Juist das Spiel der 1. Runde im ostfriesischen Kreispokal zwischen den Inselgiganten TSV Juist und TuS Norderney. Letztere wurden ihrer Favoritenrolle mit 4:1 gerecht. - © Stefan Hageböke
Wenn der Dünenkessel zum Hexenkessel wird: Knapp 1.100 Zuschauer besuchen auf Juist das Spiel der 1. Runde im ostfriesischen Kreispokal zwischen den Inselgiganten TSV Juist und TuS Norderney. Letztere wurden ihrer Favoritenrolle mit 4:1 gerecht. | © Stefan Hageböke

Herford Stefans Fußballreisen: Kreispokal mitten in der Nordsee

Juist und zurück an einem Tag

Herford. Mit einem Zahnstocher kann man bekanntlich keine Sahne schlagen. An dieses Weltwunder glaubte aber sinnbildlich unser kürzlich in Niederbayern zum Hobbyschiffskapitän ausgebildete NW-Kolumnist Stefan Hageböke mit dem Vorhaben, per Tretboot die Nordsee zum ostfriesischen Kreispokal-Inselklassiker TSV Juist gegen TuS Norderney zu überqueren. Er wurde schließlich behördlich eines Besseren belehrt und auf die Fähren der Frisia verwiesen. Mond- oder Sonnenfinsternisse besitzen erscheinungsmäßig einen nahezu inflationären Charakter im Vergleich zu den Aufeinandertreffen der Inselnachbarn, die im Ligabetrieb jetzt zwar beide zwölftklassig, jedoch in unterschiedlichen Staffeln angesiedelt sind. Zuletzt duellierten sie sich im Mai 2010 vor offiziell 1.122 Zuschauern, als der TuS Norderney mit einem grandiosen 8:1 im Gepäck vom Hafen des Erzrivalen ablegte. Diesmal ist die ebenfalls vierstellige Besucherzahl im markanten Dünenkessel nur unwesentlich kleiner. Einfallsreichtum wird insbesondere bei der Eintrittskartengestaltung deutlich: Block - sämtliche, Reihe - alle, Platz - jeder! Zudem der dezente Hinweis im Kleingedruckten, dass die Tickets (leider) keinen kostenfreien Fährtransfer beinhalten. Bei einem Obolus von nur 2 Euro ist dieser Leistungsausschluss verständlich. Spielertrainer als dreifacher Torschütze Von der Süddüne lässt sich das intensive Pokalspiel bestens verfolgen. Zwar egalisiert der TSV Juist nach 20 Minuten durch seine einzige Offensivaktion zum 1:1-Pausenstand, bevor Norderney seinen Favoritenstatus nach dem Seitenwechsel mit drei weiteren Treffern belegt. Spielertrainer Deniz Cömertpay avanciert hierbei als dreifacher Torschütze zum Matchwinner. Da die Fähre bereits 56 Minuten nach Spielende tideabhängig wieder ablegen muss, bleibt dem Derbysieger keine Zeit zum Duschen. Stattdessen folgt auf dem Rückmarsch zum Hafen ein spontanes Bad in voller Trikotage im Schiffchen-Teich, bevor es die TuS-Helden auf dem Oberdeck der Frisia X richtig krachen lassen. Und das völlig zu recht.

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