Reitsport als Unterricht: Das Königin-Mathilde-Gymnasium kooperiert mit dem Reit- und Fahrverein von Lützow Herford. Darüber freuen sich (v.l.) Carolin Haget von Pikeur Reitmoden, Zara, Hanna auf Pferd Curly, Referendarin Heide Nowitzki, Naomi, Schulleiter Erhard Kirchhof, Mia, Dascha auf Pferd Eddy, Ruth, Trainerin Claudia Dornhoff, Lilly, Leni auf Pferd Loriana, die Trainerinnen Lisa und Silke Ossiek und Ula. - © Yvonne Gottschlich
Reitsport als Unterricht: Das Königin-Mathilde-Gymnasium kooperiert mit dem Reit- und Fahrverein von Lützow Herford. Darüber freuen sich (v.l.) Carolin Haget von Pikeur Reitmoden, Zara, Hanna auf Pferd Curly, Referendarin Heide Nowitzki, Naomi, Schulleiter Erhard Kirchhof, Mia, Dascha auf Pferd Eddy, Ruth, Trainerin Claudia Dornhoff, Lilly, Leni auf Pferd Loriana, die Trainerinnen Lisa und Silke Ossiek und Ula. | © Yvonne Gottschlich

Herford Herforder Schulkinder werden auf dem Pferderücken unterrichtet

Pferdesport: Das ist einmalig in Nordrhein-Westfalen: Bei den Schülern des Königin-Mathilde-Gymnasiums steht Reiten auf dem Stundenplan

Yvonne Gottschlich

Herford. Die zehn Schülerinnen des Königin-Mathilde-Gymnasiums sind voller Vorfreude. Schon fünf Minuten vor der Abfahrt des Busses stehen sie bereit. Um 8 Uhr geht es von der Schule zur Reithalle des Reit- und Fahrvereins von Lützow Herford an die Planckstraße. Dann steht eine Stunde lang Reiten im Sportunterricht auf dem Stundenplan. Das gibt?s sonst nirgends in ganz Nordrhein-Westfalen. Dafür wurde die Sportklasse in drei Gruppen aufgeteilt. "Zwei Gruppen bleiben hier und haben Sportunterricht mit Fechten und Fußball, die dritte Gruppe fährt zum Reiten", erklärt Schulleiter Erhard Kirchhof, "das ist zwar ein großer Aufwand, aber es lohnt sich. Wir sind die einzige Schule in NRW, die Reiten im Unterricht anbietet." Für die Fünftklässlerinnen ist es fast schon Routine, dass sie Donnerstagmorgens in der Schule Reiten haben. "Es ist unglaublich, wie beweglich alle sind und wie gut die Koordination und Balance klappt", sagt Claudia Dornhoff über die Gruppe, "die Kinder sind ihren Altersgenossen diesbezüglich weit voraus." Die Trainerin des Herforder Reitvereins ist voll des Lobes. "Wir haben uns lange im Vorfeld mit der Schule zusammen gesetzt und alles abgesprochen. Es war viel zu tun, aber jetzt läuft es", sagt sie. Auf dem Hof an der Planckstraße, den Familie Ossiek gepachtet hat, ist viel los. In der Reithalle stehen drei Schulpferde für die Schülerinnen bereit. "Weil wir die Zeit wirklich zum Reiten nutzen wollen, bereiten wir die Pferde vor", sagt Claudia Dornhoff am Rande der Stunde. Sie hat immer einen Blick auf die Schülerinnen, korrigiert, hilft und gibt Aufgaben. Ob richtige Haltung der Zügel oder der Sitz - alles wird genau beobachtet und korrigiert. Nebenbei werden die Mädchen, die gerade nicht auf dem Pferd sitzen, immer wieder mit einbezogen, gefragt und mit Tipps versorgt. "Einige haben schon Erfahrungen mitgebracht, andere sitzen das erste mal auf einem Pferd", erklärt Referendarin Heide Nowitziki die großen Unterschiede. Die Anfänger werden an der Loge an den Reitsport herangeführt, die Fortgeschrittenen dürfen frei reiten und bekommen Aufgaben von Claudia Dornhoff. "Hier wird jeder individuell gefördert. Unser Ziel ist es ja, hier Talente an den Leistungssport heranzuführen. Bei Bedarf können sie dann bei uns weiter gefördert werden", zeichnet Dornhoff den möglichen Weg vor. Der war bis hierhin schon lang. "Wir haben uns vorher mit dem dem Pferdesportverband Westfalen aus Münster getroffen. Mit dem Reitverein vor Ort haben wir beste Bedingungen - auch wenn wir das jetzt erst einmal ausprobieren, ob wir das auch im nächsten Schuljahr für die zweite Sportklasse anbieten können", so Rektor Kirchhof. Vier Trainerinnen kümmern sich um die Schülerinnen, außer Claudia Dornhoff auch Trainerin Lisa Ossieck vom Hof, Trainerassistentin Silke Ossiek, ebenfalls vom Reiterhof, und Referendarin Heide Nowitzi. Sie betreut die Reiterinnen vom KMG. "Das ist natürlich ideal, dass wir hier eine angehende Lehrerin haben, die selbst reitet und auch einen Trainerschein hat", sagt Dornhoff über die guten Voraussetzungen. Die Absprache unter den vier Trainerinnen ist gut, alle helfen und haben ihre Aufgaben. Dabei spielt die Theorie für die Sportklasse eher eine kleine Rolle. "Nur in der ersten Stunde sind wir gar nicht geritten, dort ging es um Grundlagen wie den Umgang mit den Pferden, dem Putzen, Füttern oder Satteln", erklärt Dornhoff. Doch die Begriffe waren schnell vermittelt, so dass die Fachsprache in jeder Stunde vertieft wird. "Ich bin früher schon geritten und habe voltigiert", erzählt Schülerin Ula, die gerade nicht auf einem der drei Pferde sitzt und daher alles genau beobachtet. "Wir lernen hier alles, was dazu gehört. Zum Beispiel die Fachbegriffe und wie man reitet", sagt sie lachend. Auch Trainerin Dornhoff schmunzelt. "Das Schwie-rigste wird die Benotung der Leistungen. Als Preisrichterin habe ich immer die Noten eins bis zehn, das geht hier natürlich nicht", sagt sie, "aber das ist hier schließlich keine AG oder Freizeit, sondern ein richtiges Schulfach." Doch die Noten werden wohl nicht die Schlechtesten sein. "Alle sind engagiert dabei und lernen schnell", lobt Claudia Dornhoff die gesamte Gruppe.

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